Video zur Debatte Warnecke gegen Koch

Socken-Kauf bis Klinik-Streit: Landratskandidaten in Hersfeld-Rotenburg diskutieren online

Forum mal anders: Zur Online-Konferenz kamen Kai A. Struthoff (links oben) und Sebastian Schaffner mit den beiden Landratskandidaten Dr. Michael Koch (CDU, links unten) und Torsten Warnecke (SPD) zusammen.
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Forum mal anders: Zur Online-Konferenz kamen Kai A. Struthoff (links oben) und Sebastian Schaffner mit den beiden Landratskandidaten Dr. Michael Koch (CDU, links unten) und Torsten Warnecke (SPD) zusammen.

Am 14. März wird in Hersfeld-Rotenburg ein neuer Landrat gewählt. Amtsinhaber Dr. Michael Koch (CDU) tritt gegen Torsten Warnecke (SPD) an. Wir haben beide zur Diskussion eingeladen.

Hersfeld-Rotenburg – Um die Zukunft des Klinikums Hersfeld-Rotenburg, die Digitalisierung der Schulen im Kreis, Wahlkampf in Zeiten einer Pandemie, aber auch um Persönliches ging es bei der Online-Konferenz mit den beiden Landratskandidaten Dr. Michael Koch und Torsten Warnecke.

Moderiert wurde die insgesamt faire und unaufgeregte Diskussionsrunde von Kai A. Struthoff, Redaktionsleiter der Hersfelder Zeitung, und Sebastian Schaffner, Redaktionsleiter der HNA Rotenburg-Bebra. Dutzende Leserfragen waren im Vorfeld eingegangen, von denen so viele wie möglich mit in die rund 70 Minuten dauernde Debatte einflossen. Eine Zusammenfassung:

Einzelhandel: Jüngster Käufe vor Ort waren Socken und Sportschuhe

Viele Politiker werben dafür, den lokalen Einzelhandel zu stärken. „Wann haben Sie zuletzt etwas in einem Geschäft im Landkreis gekauft?“, wollten deshalb Maria Löffler und Christiana Benedikt wissen. „Das war vor Corona, ich vermute im November, wahrscheinlich Socken“, gab Torsten Warnecke lachend zu Protokoll. Ganz genau wusste es Michael Koch: „Das war letzten Freitag in Rotenburg: Sportschuhe, die man abholen konnte.“ Beim Friseur waren seit der Wiederöffnung übrigens beide noch nicht.

Hier geht es zum kompletten Video der Kandidaten-Diskussion:

Was im Lockdown fehlt: Radtouren und Restaurantbesuche

Viele Menschen sind Lockdown-müde, und auch Politiker sind ganz normale Menschen. Was ihnen derzeit ganz besonders fehlt, berichteten die Landratskandidaten ohne Umschweife: Gemeinsame Touren mit dem Rad sind es bei Rennradfahrer Warnecke. „In meinem Alter geht es nicht mehr nur ums Trainieren, man unterhält sich unterwegs über alles Mögliche und schaut sich die Ortschaften an.“ Die Unterhaltungen beim Restaurantbesuch mit Freunden vermisst auch Konkurrent Koch. „Mit fehlt eher das Abendsweggehen“, so der CDU-Kandidat, zumal man dabei auch von anderen Leuten angesprochen werde und erfahre, was diese beschäftige.

Das politische Geschäft: Landrat Koch ist zufrieden, Warnecke attackiert

Flüchtlingskrise, Pandemie, Klinik-Umbau, Breitband Nordhessen, Anbau des Landratsamt – für Landrat Koch war es keine einfache Amtszeit. Übernommen habe er sich allerdings nicht, so Koch, der lieber von einer vielfältigen Amtszeit spricht mit vielen Möglichkeiten zum Gestalten, auch dank stabiler Mehrheiten im Kreistag. Ein Herzensprojekt sei nach wie vor die Betreuung am Nachmittag, bei dem man parteiübergreifend viel erreicht habe. „Dass alles ganz anders kommt, ist auch das Spannende an dem Job. Ich bin rückblickend sehr zufrieden“, lautet sein Resümee.

Im Sitzen: Landratskandidat Torsten Warnecke von der SPD hatte sich für die Kandidatenrunde per Videokonferenz einen farblich passenden Sessel ausgesucht.

Was sein Herausforderer anders machen würde? „Die Akteure anders einbeziehen“ möchte Torsten Warnecke, egal ob es um den Landesentwicklungsplan, das Klinikum oder andere politische Entscheidungen und Themen geht. Pauschal will Koch diese Kritik so aber nicht gelten lassen. „Wir sind bemüht, die Leute einzubeziehen und mitzunehmen. Es macht mich traurig, wenn Herr Warnecke das anders sieht.“ Es gebe aber eben auch Dinge, die nicht mit allen gleichzeitig besprochen werden könnten.

Die Qualifikation: Von Wiesbaden bis Staatsexamen

Für die Qualifikation beider Kandidaten interessierte sich Leser Andreas Thon. Dazu Torsten Warnecke: „Ich darf seit 2008 im hessischen Landtag mitarbeiten und mache in Wiesbaden glaube ich eine gute Arbeit.“ Er habe die Allgemeine Hochschulreife und diverse zufriedene Arbeitgeber vorzuweisen. Seine Motivation sei die Stärkung des ländlichen Raums. Auf zwei juristische Staatsexamen wies der promovierte Jurist Koch hin. „Vor allem aber habe ich 30 Jahre Erfahrung im Öffentlichen Dienst.“ Dass er sein Amt mit dem Gelingen der Klinik-Fusion verknüpft habe, sieht er nicht als Wortbruch. Vieles habe sich in den letzten fünf Jahren verändert und nun gelte es, die Chance zu nutzen, das Klinikum wirtschaftlich zu betreiben.

Radikalumbau des Klinikums: Viel Platz für das Streitthema

Die Übernahme des HKZ in Rotenburg und der geplante Radikalumbau des Klinikkonzerns sind die zentralen Themen im Landkreis und bleiben auch im Wahlkampf nicht außen vor. Viele Leser wollten wissen, warum das Gutachten der auf Gesundheitsthemen spezialisierten Prüfungsgesellschaft Curacon, das als Grundlage der Umstrukturierung gilt, nicht veröffentlicht wird. „Das Gutachten wurde in Auftrag gegeben, um die Entscheidungsgremien zu beraten“, argumentierte Koch. Man könne und wolle nicht sämtliche Zahlen, Daten und Fakten in ganz Deutschland verteilen, zumal es neben defizitären Abteilungen auch „Schatzkästchen“ gebe. „Wir wollen weder dem Konzern schaden noch das Klinikum angreifbar machen.“ Darüber hinaus verhindere die Vertragsvereinbarung eine Veröffentlichung.

Im Stehen: Der amtierende Landrat Dr. Michael Koch von der CUD schaltete sich stehend in die Konferenz ein.

Im Detail veröffentlicht hätte es wohl auch Warnecke nicht, wie er sagt. Allerdings hätten für die Öffentlichkeit nicht uninteressante Eckdaten ja auch in der Zeitung gestanden, die wiederum Anlass zu Diskussionen und Spekulationen geben würden. Es könne jedenfalls nicht sein, dass die Ehrenamtlichen im Kreistag, die am Ende die Hand heben sollen, im Prozess nicht mitgenommen werden. Gleiches gelte für die Beschäftigten.

„Das Gutachten ist keine heilige Kuh“, meinte indes der Landrat, nicht alles werde eins zu eins umgesetzt. Vielmehr werde auf dessen Grundlage gemeinsam – etwa mit den Chefärzten – ein Sanierungskonzept erarbeitet. Ohne Corona hätten vermutlich auch Infoveranstaltungen für Bürger und Mitarbeiter stattgefunden.

Zur Umstrukturierung und zu weiteren Aspekten das Klinikum Hersfeld-Rotenburg betreffend gab es ebenfalls zahlreiche Leserfragen, die kaum alle gestellt und beantwortet werden konnten. Landrat Koch warb jedenfalls dafür, „einen Schritt nach dem anderen“ zu gehen. Das treffe so auch auf die Vermarktung und Nachnutzung des HKZ nach der geplanten Verlegung der Akutmedizin zu. Für Warnecke ist derweil die wichtige Frage offen, ob und in welchem Umfang Bund und Land die Pläne tatsächlich unterstützen.

Der ICE-Halt: Hoffen auf den Halt im Landkreis

Die geplante Schnellbahntrasse treibt unter anderem Paul Niewerth um, der beiden Kandidaten folgende Frage stellte: Wo soll künftig der ICE-Haltepunkt sein? Torsten Warnecke hält die Vorgabe „im Raum Bad Hersfeld“ für nicht änderungsbedürftig. Eine absurde Idee sei indes der Bau eines neuen Bahnhofs auf der grünen Wiese. Für einen Halt im Landkreis will Michael Koch kämpfen, wobei ein Halt in der Kreisstadt am wahrscheinlichsten sei, ob mit Tunnellösung an jetziger Stelle oder anderswo. Am Ende entscheide die Bahn, „ich hoffe, die Versprechungen werden eingehalten, dass wir den Halt überhaupt bekommen.“

Und der Plan B?

Was Koch im Falle seiner Abwahl beruflich machen wolle und was mit Warneckes Landtagsmandat passiere, interessierte Klaus Hauke, und auch darauf hatten beide Kandidaten eindeutige Antworten. „Ich könnte morgen Anwalt werden oder in die öffentliche Verwaltung gehen“, so der Amtsinhaber. „Mein Plan A ist aber Landrat zu bleiben und einen Plan B gibt es nicht.“ Warneckes Plan sieht so aus: „Wenn ich Landrat werde, bin ich Landrat. Dann gebe ich das Landtagsmandat ab. Beides geht nicht.“ (Nadine Maaz)

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