„Yggdrasil – Geschichten aus der Edda“

Sprechende Bäume im Stiftspark Bad Hersfeld

Fantasievoll: „Yggdrasil“ versetzte die Zuschauer im Stiftspark in eine andere Welt, hier mit Johanna Malchow.
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Fantasievoll: „Yggdrasil“ versetzte die Zuschauer im Stiftspark in eine andere Welt, hier mit Johanna Malchow.

Mit der bild- und sprachgewaltigen Inszenierung „Yggdrasil – Geschichten aus der Edda“ ist es dem Theater Anu am dritten Wochenende des „Anderen Sommers“ erneut auf faszinierende Art und Weise gelungen, Figuren aus uralten Mythen und Sagen wieder zum Leben zu erwecken.

Bad Hersfeld - Die Geschichten aus der Edda entführen in die mythische Welt der nordischen Götter- und Heldensagen, eine Welt voller Magie, List, Verrat, Kampf und Tod, in der die Nornen grausame Schicksalsfäden spinnen, denen selbst die Götter nicht entrinnen können.

Yggdrasil, das ist in der nordischen Mythologie die Weltenesche, die im Zentrum des Universums steht und die neun Welten miteinander verbindet, aber auch eine Metapher für den ewigen Kreislauf des Werdens und Vergehens, der steten Wiedererneuerung des Lebens. Und so beginnt und endet die Geschichte an diesem zauberhaften Sommerabend mit der geheimnisvollen „Fuchsfrau“, die eines Tages plötzlich in der einsam gelegenen Wald-Hütte eines Jägers erscheint.

Das Theater Anu nimmt das Publikum diesmal mit auf eine Reise von der Entstehung der Welt, die Odin aus der Leiche des von ihm getöteten Ur-Riesen Ymir erschuf, bis hin zu Ragnarök, dem finalen Kampf der Götter und Riesen, dessen Folge zwar der Weltuntergang ist, aus dem jedoch der wiedergeborene Odin schließlich eine neue, bessere Welt erschafft.

Bille Behr (Regie) nutzt für ihre Inszenierung wieder den Stiftspark, bezieht geschickt die dort stehenden alten Bäume mit ein, auf denen sie die Schauspieler auch agieren lässt, und schafft mit einem großen, an einem Dreibein aufgehängten und in dunkelrotes Licht getauchten Kessel den Mittelpunkt, um den sich die Zuschauer wie an einem wärmenden Lagerfeuer versammeln, um den Mythen zu folgen. Johanna Malchow (unter anderem als listenreicher Loki), Bärbel Aschenberg (unter anderem als Freya) und Kathleen Rappold (unter anderem als Thor) wechseln blitzschnell Rollen und Geschlechter, sind mal Ase, mal Riese, mal Zwerg, sitzen eben noch auf einem Baum, um im nächsten Augenblick schon wieder um den Kessel zu tanzen. Nikolaus Herdieckerhoff entlockt dazu seinem Cello dunkle, archaisch anmutende Melodien und schafft so eine mystische Atmosphäre, in der die Macht uralter Runen noch lebendig zu sein scheint. Für die Szenografie zeichnete wie schon bei Sheherazade Martin Thoms verantwortlich, die zahlreichen Skulpturen stammen von Gernot Ehrsam.

Unterm Strich ein etwas anderer, ganz besonderer, faszinierender Theaterabend unter freiem Himmel vor der malerischen Kulisse von Stadtmauer und Stiftsruine, bei dem das Publikum Teil des Geschehens war, in dem die Grenzen zwischen den Welten, zwischen Fantasie und Wirklichkeit verschwammen.

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