Utopie soll machbar werden

Stadt Bad Hersfeld treibt Kaufland-Projekt voran – Shuttle zur Innenstadt

Sie wollen Kaufland: Bei einer Pressekonferenz von links Bürgermeister Thomas Fehling, Investor Walter Rossing und Christian Scholz von der Stadtverwaltung.
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Sie wollen Kaufland: von links Bürgermeister Thomas Fehling, Investor Walter Rossing und Christian Scholz von der Stadtverwaltung beim Pressegespräch.

Die Stadtpolitik in Bad Hersfeld und der Investor Walter Rossing (Rosco Unternehmensgruppe) sind weiterhin fest entschlossen, die Ansiedlung eines Kaufland-Marktes auf dem Gelände es Schlachthofs voranzutreiben.

Bad Hersfeld – Entsprechende Antragsunterlagen wurden jetzt an das Regierungspräsidium versandt, erklärten Bürgermeister Thomas Fehling und Rossing bei einem Pressegespräch. „Es ist klarer Wille der Stadtpolitik, dass dieses Projekt kommt“, so Fehling.

Kritik an dem Vorhaben sehen beide durch neue, umfangreiche Gutachten widerlegt. So habe eine neue, ergänzende GMA-Analyse zum Einzelhandelsgutachten von 2019 ergeben, dass die im Kaufland und im geplanten Edeka im ehemaligen Postgebäude in der Hainstraße entstehende Verkaufsfläche immer noch kleiner sei als die Fläche, die durch die Schließung des Herkules-Marktes und des Edeka im Rechberggelände weggefallen ist.

„Es wird einen Umverteilungsprozess der Kaufkraft geben, aber nicht im nennenswerten Bereich und ohne kritische Auswirkungen auf andere Geschäfte“, erklärte Rossing. Fehling verwies darauf, dass die Bevölkerung in der Kreisstadt seit Jahren kontinuierlich zunehme und durch Neuansiedlungen, wie etwa bei Libri oder RS-Components sogar noch weiter wachsen wird. „Der Kuchen für die Händler wird also eher größer“, zerstreut der Bürgermeister die Bedenken von Mitbewerbern,

Integration der Innenstadt ist wichtig

Wichtig bei der Realisierung des Kaufland-Projekts ist die Integration in die Innenstadt. Bürgermeister Fehling ging weit zurück in der Hersfelder Stadtgeschichte und erklärte, dass das betreffende Areal bereits im Mittelalter als „Neustadt“ bezeichnet wurde. Erst die Bahnstrecke habe später dieses Gebiet von der Innenstadt abgetrennt. Nun soll mit einem Shuttle-Service, der zunächst kostenlos verkehren soll, eine Anbindung durch die Tunnel unter der Hochbrücke erreicht werden.

Fehling verfolgt hierbei weiter seine Idee des autonomen Fahrens. Er setzt dabei auf Kabinenfahrzeuge der Firma Dromos, in denen jeweils zwei Personen, aber auch Fahrräder, Rollstühle oder sogar Waren für die Händler in der Innenstadt transportiert werden können. Sie sollen wie auf „virtuellen Schienen“ auf einer festen Strecke verkehren. Im ersten Schritt sei eine Anbindung von MVZ und Kaufland bis etwa zum Kaufhaus Sauer und der City-Galerie geplant. „Die technische Machbarkeit ist gegeben, Detailfragen sind noch zu klären“, sagte Fehling.

Vor dem Hintergrund des notwendigen Neubaus der Hochbrücke, der neuen ICE-Trasse und der Entwicklung neuer Wohnquartiere auf dem Wevergelände und in der Antoniengasse, sei der Zeitpunkt günstig. „Das wird keine leichte Aufgabe, aber es ist machbar“, sagt Fehling mit Blick auf die vielen Beteiligten und Abhängigkeiten.

Die Innenstadt wird neu entwickelt

„Die Innenstadt wird neu entwicklelt: Das ist keine Utopie, sondern planerisches Handwerkszeug“, meint Fehling, der bereits an eine Weiterführung der Shuttle-Linien zum Bahnhof, Marktplatz und sogar zum Klinikum denkt. Damit könne auch der zurzeit defizitäre Öffentliche Personennahverkehr, der ohnehin ausgeschrieben wird, neu geordnet werden.

„Es ist eine enorme Chance, alles passt zusammen“, meint auch Walter Rossing und hofft auf grünes Licht von der Regionalplanung.

Kostenloser Shuttle-Service soll auch Besucher nach Bad Hersfeld locken

Weil es innerhalb des Bad Hersfelder Stadtrings keine freien Flächen mehr für große Supermarkt-Ansiedlungen gibt, setzt die Stadt auf die Entwicklung des Schlachthofgeländes. Man habe beim Schilde-Park und dem Wever-Gelände bewusst auf Kultur, Wohnen und Erholung gesetzt“, erklärte Fehling.

Sollte die Genehmigung für das Kaufland-Projekt verweigert werden, käme dies einer „Bestrafung“ für diese alternativen Innenstadtkonzepte gleich, meint der Bürgermeister.

Vorgesehen ist, dass die Shuttle-Fahrzeuge „hoffentlich in der ersten Zeit kostenlos“ genutzt werden können, sagte Walter Rossing. Die Fahrzeuge erreichten eine Geschwindigkeit von etwa 15 bis 20 Stundenkilometern und könnten in festen Intervallen verkehren. Die Kosten dafür wären vergleichbar mit einer Fahrstuhlfahrt und lägen bei etwa 50 bis 60 Cent pro Fahrt, die vom Investor, der Stadt und dem Handel aufgebracht werden müssten. Alle Beteiligten setzen aber darauf, dass die Fahrzeuge im Laufe der etwa drei Jahre, die es vermutlich noch bis zur Eröffnung des Kaufland-Projekts dauern wird, in Serie gehen und preiswerter werden.

Fehling erhofft sich von den Shuttle-Fahrzeugen zudem einen Werbeeffekt für die Innenstadt, der neue Besucher anlocken könnte. ( kai)

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