Starke Orte, grüne Bänder

Bad Hersfeld erhält 250 000 Euro zur Belebung der Innenstadt

Einkäufer in der Bad Hersfelder Innenstadt: Mit dem Fördergeld des Landes Hessen will die Stadt weiter zur Belebung beitragen.
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Einkäufer in der Bad Hersfelder Innenstadt: Mit dem Fördergeld des Landes Hessen will die Stadt weiter zur Belebung beitragen.

Die Kreisstadt Bad Hersfeld erhält 250 000 Euro aus dem Förderprogramm „Zukunft Innenstadt“ des Landes Hessen.

Zusammen mit dem erforderlichen Eigenanteil der Stadt von 35 000 Euro stehen damit 285 000 Euro für „besonders innovative und nachhaltige Maßnahmen zur Belebung der Stadtzentren und Ortskerne“ zur Verfügung, wie es in der Ausschreibung des Landes heißt.

Das Konzept für die Bewerbung und die möglichen Ansatzpunkte zur Innenstadtbelebung hat der Leiter des städtischen Fachbereichs Stadtmarketing, Matthias Glotz, gemeinsam mit einem Projektteam erarbeitet. Mit Erfolg!

„Wir wollen das Geld nutzen, um jetzt endlich die Früchte des Hessentags zu ernten“, erklärt Glotz. Der Hessentag 2019 habe ein „Wunder an Bürgerbeteiligung“ hervorgebracht mit über 1000 Helfern und einem „großartigen Netzwerk“, das allerdings durch Corona „leider weitgehend ausgebremst wurde“, heißt es in dem Bewerbungspapier, das unserer Zeitung vorliegt.

Ziel sei es unter anderem, mit dem Fördergeld ein „Integriertes Stadtentwicklungskonzept (ISEK) für die Entwicklung der Innenstadt für die nächsten Jahre zu erarbeiten, erläutert Glotz. Dabei gehe es um übergreifende Themen wie Bildung, Bauen, Wirtschaft, Verkehr, Grünflächen und Energie. Ein erster Schritt sei dabei zum Beispiel der Aufbau eines Katasters zur gemeinsamen Bekämpfung des Leerstands (Text unten).

Gleichzeitig sollen „starke Orte“ in der Innenstadt für Veranstaltungen weiter gestärkt werden. Dazu gehörten laut Glotz der Stiftsbezirk, der Linggplatz und der Marktplatz, aber auch die Breitenstraße und das Stadthaus sowie die Johannesstraße als „Tore zur Stadt“. Angedacht ist zudem, eine Art „grünes Band“ vom Kurpark über den Stiftsbezirk zum Schilde-Park zu knüpfen.

Zur Belebung des Staudengartens an der Stiftsruine könnte dort ein „Märchenwald“ entstehen. „Bekannte Figuren aus den Geschichten von Wilhelm Busch und den Gebrüdern Grimm werden aufgegriffen und durch Texttafeln, Beleuchtung und akustische Hörstationen ergänzt“, heißt es dazu in dem Konzept.

Das grüne Band soll zudem durch ein strahlendes Lichterband – also durch gezielte Illumination von Fassaden und Gebäuden ergänzt werden. Bei den Überlegungen spielt auch die Stadtkirche als „herausragende Location“ eine zentrale Rolle. Außerdem könnte das Fördergeld dazu genutzt werden, um „flexible Veranstaltungsmodule“ anzuschaffen. Gemeint sind Bühnenelemente, Überdachungen aber auch Sicherheitstechnik, die bei den verschiedensten Veranstaltungen in der Innenstadt an unterschiedlichen Orten mobil eingesetzt werden können.

Besonders wichtig ist Glotz und dem Projektteam, die durch den Hessentag entstandenen Netzwerke von Kulturschaffenden, Veranstaltern, dem Stadtmarketingverein, Handel und Gastronomie wiederzubeleben und weiter zu stärken.

„Mit dem Fördergeld vom Land können wir die Leitplanken für die Innenstadtbelebung setzen, in deren Rahmen wir uns relativ frei und kreativ bewegen können“, sagt Glotz.

Bad Hersfeld packt den Leerstand an

Bad Hersfeld ist bislang relativ gut durch die Corona-Krise gekommen. Diese Auffassung vertritt Matthias Glotz, Leiter des Fachbereichs Stadtmarketing. Dazu hätten ganz wesentlich die staatlichen Corona-Hilfen beigetragen, die allerdings zum Jahresende auslaufen.

Im Sommer konnten Handel und Gastronomie von „Nachholeffekten“ und den niedrigen Inzidenzwerten profitieren. Jetzt komme es darauf an, wie sich das Weihnachtsgeschäft entwickele, meint Glotz. Unterdessen hat der Fachbereich Stadtmarketing Vorarbeiten für ein Leerstandskataster geleistet, in dem 40 Gebäude erfasst sind.

Allerdings sein nicht jeder Leerstand gleich: So würden einige Ladengeschäfte, wie etwa das Grebe-Haus am Markt oder das alte HZ-Haus in der Klausstraße derzeit umgebaut. Zudem gebe es Umzugsbewegungen von einer Immobilie zur anderen. Manche leer stehende Immobilie sei aber auch schlicht nicht marktfähig. „Historische Häuser mit niedrigen Decken und Denkmalschutzauflagen sind schwer zu vermitteln“, sagt Glotz.

Immerhin kenne man inzwischen die Eigentümer fast aller betreffenden Immobilien, an einem Treffen hätten zehn Hauseigentümer teilgenommen. Die Inhalte dieser Zusammenkünfte seien vertraulich, betont Glotz.

Dennoch sei als gemeinsames Ziel vereinbart worden, die leer stehenden Immobilien „schön zu machen“. So will die Stadt demnächst „Beklebungsvorschläge“ für die Schaufenster der leeren Geschäfte anbieten, die von Werbung bis zu historischen Stadtaufnahmen reichen.

Außerdem soll bei der Vermarktung der Immobilien, etwa im Internet, vermehrt mit den Stärken von Bad Hersfeld geworben werden. Dazu gehörten die Kaufkraft, die niedrige Arbeitslosigkeit, der ICE-Halt, aber auch die Festspiele als weicher Faktor.

Glotz möchte diese Standortfaktoren künftig von unabhängiger Stelle begutachten lassen, um damit eine besonders glaubwürdige Verkaufs- oder Vermietungshilfe zu erhalten. Noch stehe Bad Hersfeld, laut Glotz, jedenfalls besser da, als vergleichbare andere Städte. Aber das soll auch so bleiben. kai

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