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Stiftsruine wird zur Kathedrale: Premiere von „Notre Dame“

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Von: Christine Zacharias

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Das Bild zeigt Pierre Gringoire (Mathias Schlung) in der Inszenierung „Notre Dame“ in der Stiftsruine.
Ist unter die Landstreicher geraten: Pierre Gringoire (Mathias Schlung) in der Inszenierung „Notre Dame“ in der Stiftsruine. © BHF/ K. Lefebvre

Bad Hersfeld – Mit der Uraufführung von „Notre Dame“ beginnen am Freitagabend die 71. Bad Hersfelder Festspiele. Wir erklären, worum es in dem Stück geht.

Joern Hinkel, der auch Regie führt, und Tilman Raabke haben aus dem Roman von Victor Hugo eine Theaterfassung erarbeitet, die sich sprachlich und inhaltlich eng am Original orientiert.

„Notre Dame“ entführt das Publikum in eine Zeit der Weltenwende in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhundert: Kopernikus beschreibt den Lauf der Himmelskörper neu, der Buchdruck und die Reformation haben die Allmacht der Kirche gebrochen und ermöglichen den Zugang zu Informationen, und Kolumbus hat einen neuen Kontinent entdeckt und damit den Handlungsraum der Europäer stark erweitert.

Die Gesellschaft, die Hugo in seinem Roman zeigt, ist jedoch noch ganz im Mittelalter verhaftet und lebt voller Vorurteile und Aberglauben. Es geht um Ausgrenzung, Vorurteile, gesellschaftlicher Stimmungsmache – Themen, die heute wieder aktueller sind denn je.

Beim traditionellen Narrenfest tummelt sich das Volk in den Gassen von Paris. Die Stände, die Schranken zwischen arm und reich, mächtig und ohnmächtig, scheinen für einen Tag nicht mehr zu gelten. Der skurrilste und hässlichste Mensch auf dem Platz vor der Kathedrale Notre Dame wird zum Narrenpapst gewählt. Es ist Quasimodo, der bucklige, entstellte und fast taube Glöckner, der normalerweise einen großen Bogen um die Menschen macht. Als die Stimmung kippt und Quasimodo misshandelt wird, hilft im Esmeralda, die zuvor mit anmutigen Tänzen das Volk bezaubert hat.

Quasimodo ist nicht der Einzige, der sich an diesem Tag in Esmeralda verliebt. Auch Erzdiakon Claude Frollo verfällt der Schönheit und Anmut der jungen Frau, die sich ihrerseits in Hauptmann Phöbus verliebt. Und dann ist da noch der erfolglose Dichter Pierre Gringoire, dem Esmeralda durch Heirat das Leben rettet und der ebenfalls auf ihre Gunst hofft.

Diese vier Beziehungen beleuchtet Hinkel in seiner Bühnenfassung des Romans und die sich daraus ergebene Spirale von Leidenschaft, Eifersucht, Erpressung und sogar Mord.

Nicht jeder ist so, wie er zunächst scheint, es gibt überraschende Enthüllungen, Perspektivwechsel und Zeitsprünge, kündigt Joern Hinkel an, der für seine Inszenierung ein hochkarätiges Ensemble gewonnen hat. Richy Müller als finsterer Erzdiakon, Catherine Sophie Dumont als Esmeralda, Robert Nikisch als Quasimodo und Mathias Schlung als Pierre Gringoire gehören dazu, außerdem Anuschka Renzi in mehreren Rollen und Walter Plathe als König Ludwig XI.

Neu und aufregend verspricht die Technik zu werden. Mithilfe von Mapping, also computeranimierten Projektionen, wird die Stiftsruine in die französische Kathedrale verwandelt. (Christine Zacharias)

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