Geplante Entführung in Rotenburg

Freiheitsstrafe für Stalker: Mann in Bad Hersfeld verurteilt

Symbolbild der Justizia mit verbundenen Augen
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Symbolbild Justizia

Ein 52-jähriger Stalker wurde jetzt verurteilt. Er muss für zwei Jahre und neun Monate in Haft. Zuletzt hatte er geplant, sein Opfer nach Bulgarien zu verschleppen.

Bad Hersfeld – Zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten hat das Schöffengericht am Amtsgericht Bad Hersfeld den 52-jährigen Stalker verurteilt, der seit Jahren eine Rotenburgerin hartnäckig verfolgt hat. Zuletzt hatte er geplant, die Frau zu entführen und nach Bulgarien zu verschleppen, um dort in der Wildnis mit ihr zu leben.

Die geplante Entführung spielte bei der Strafzumessung allerdings keine Rolle. Eine Straftat zu planen ist in Deutschland in vielen Fällen nicht strafbar. In das Urteil flossen allerdings die Straftaten mit ein, die der 52-Jährige bei der Vorbereitung der Entführung begangen hat. Dazu gehören die Nachstellungen, also das Stalking. Der Mann hat, auch nachdem er Anfang März zu einer Freiheitsstrafe wegen Stalkings verurteilt worden war, seine ehemalige Lebensgefährtin weiter verfolgt.

Er ignorierte das gegen ihn gerichtlich verfügte Annäherungsverbot, zum Beispiel indem er sich in der Nacht vor seiner Festnahme am 29. April länger in unmittelbarer Nähe des Hauses der Rotenburgerin aufhielt – angeblich um den Garten zu betrachten, wie er einem Polizeibeamten erzählt hatte. Dass die Frau und ihre Kinder zu diesem Zeitpunkt bereits von der Polizei in Sicherheit gebracht worden waren, spiele dabei keine Rolle, betonte Richterin Christina Dern, die Vorsitzende des Schöffengerichts.

Strafbar war auch, dass der Angeklagte sich unter einer polnischen Telefonnummer mit verzerrter Stimme bei der Frau meldete und drohte, er werde ihr Haus anzünden. Von derselben Nummer erhielt die Zeugin auch eine Nachricht mit einem pornografischen Bild.

Zur Vorbereitung der Entführung hatte der Angeklagte zudem bei seinem Arbeitgeber, dem Roten Kreuz in Trittau in der Nähe von Hamburg, 50 Tabletten Tavor und drei Ampullen Metazolam, beides starke Beruhigungsmittel, gestohlen und Bescheinigungen gefälscht, die eine vermeintliche Beschäftigung beim DRK Schwalm-Eder als Grund für die in Zeiten von Corona nicht zulässige Übernachtung in Kirchheim vorgaben. Bei der Festnahme auf dem Campingplatz in Kirchheim wehrte der Angeklagte sich dann heftig und verletzte dabei zwei Polizeibeamte.

Als strafverschärfend wertete das Gericht die extrem hohe Rückfallgefahr bei dem 52-Jährigen. Er habe sich bisher völlig unbeeindruckt gezeigt von allen Vorgaben und Verboten, betonte Richterin Dern. Sie wies auf die massiven Auswirkungen des Stalkings auf die Rotenburgerin hin, die ihr Leben derzeit kaum noch bewältigen könne, weil die ständige Angst sie krank gemacht habe.

Der Angeklagte sei voll schuldfähig, stellte die Richterin fest und verwies auf das Gutachten von Dr. Beate Eusterschulte. Er sei nicht krank, sondern setze sich bewusst über alle Regeln und Verbote hinweg. Auch die Tatsache, dass der Angeklagte ein Foto von der Vergewaltigung seiner ersten Ehefrau im Wohnwagen bei sich hatte, trug zu seinem Strafkonto bei.

Der 52-Jährige muss die Kosten des Verfahrens tragen, der Haftbefehl gegen ihn bleibt in Kraft. Er hat aber die Möglichkeit, gegen das Urteil Berufung einzulegen. Das hat er bereits gegen das Urteil von Anfang März getan. Es ist deshalb noch nicht rechtskräftig. Das Urteil nahm der Mann äußerlich ungerührt entgegen. (Christine Zacharias)

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