Nach Einbruch in Bad Hersfeld

Freiheitsstrafe für 35-Jährigen: Süchtiger wird zum Eierdieb

Amtsgericht Bad Hersfeld in der Dudenstraße
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Amtsgericht Bad Hersfeld in der Dudenstraße

Zu einer Freiheitsstrafe in Höhe von einem Jahr und drei Monaten wegen Einbruchdiebstahls im Zustand verminderter Schuldfähigkeit ist ein 35-Jähriger jetzt vom Schöffengericht am Amtsgericht Bad Hersfeld verurteilt worden.

Dabei hatte das Gericht auch ein erst vor gut einem Jahr am hiesigen Amtsgericht gefälltes Urteil berücksichtigt. Der zuletzt offenbar ohne festen Wohnsitz lebende und inzwischen in der Justizvollzugsanstalt Hünfeld einsitzende Mann ist einschlägig vorbestraft, unter anderem wegen Sachbeschädigung, Beleidigung und Bedrohung, Fahren ohne Fahrerlaubnis, Hausfriedensbruch und Körperverletzung. Im Bundeszentralregister fanden sich laut Gericht bis Herbst 2020 zehn Einträge. Ihn erwartet außerdem noch ein Verfahren wegen gefährlicher Körperverletzung. Ursprünglich hatte diese Anklage gemeinsam mit dem Einbruchdiebstahl verhandelt werden sollen, allerdings war das mutmaßliche Opfer zunächst versehentlich nicht geladen worden und dann nicht erreichbar. Zwei weitere, rechtzeitig geladene Zeugen erschienen zudem ohne Angabe von Gründen nicht. Ihnen wurde deshalb ein Ordnungsgeld auferlegt, ersatzweise drohen drei Tage Ordnungshaft.

Der Einbruchdiebstahl, um den es nun ging, hatte sich bereits am 27. April 2019 in der Bad Hersfelder Innenstadt ereignet und wurde vom Angeklagten vollumfänglich eingeräumt. Demnach habe er bei einem Nachbarn geklingelt, um ins Haus zu gelangen, und dann direkt die Wohnung eines zu diesem Zeitpunkt abwesenden Bekannten angesteuert, wo er die Tür eintrat und nach Methadon suchte. Selbiges fand er allerdings nicht, stattdessen nahm er Eier, jeweils eine Flasche Wein und Sekt, Magentabletten sowie eine Tasche mit persönlichen Dokumenten des Geschädigten mit, die diesem auf Umwegen aber schließlich wieder zurückgegeben wurde.

Der später von der Polizei an einem Supermarkt gestellte 35-Jährige begründete die Tat vor Gericht mit „Suchtdruck“, außerdem habe der Bekannte ihm das Methadon geschuldet. Der 35-Jährige, der weder einen Schulabschluss noch eine Ausbildung hat, hat offenbar schon seit vielen Jahren ein Drogenproblem. „Ich habe so ziemlich alles genommen, was es gibt“, berichtete er, Kokain, Speed und Heroin. Auch 15 Flaschen Bier am Tag seien keine Seltenheit gewesen. Wie er seine Sucht denn finanziert habe, wollte einer der Schöffen wissen. „Mit Beschaffungskriminalität“, gab der Angeklagte unumwunden zu. In der Haftanstalt habe er nun aber erstmals Kontakt zu einer Beratungsstelle gehabt, er strebe eine Therapie an und warte aktuell auf eine Kostenzusage.

Gründe für eine Aussetzung der Freiheitsstrafe zur Bewährung hatte das Gericht unter dem Vorsitz von Richterin Christina Dern nicht gesehen. Es sei aber möglich, ihn eventuell vorzeitig aus der Haft zu entlassen, um in eine Therapie zu wechseln, so Dern in der Urteilsbegründung. Das Urteil wurde sofort rechtskräftig. (Nadine Maaz)

Das Bundeszentralregister listet strafgerichtliche Urteile auf

Das Bundeszentralregister (kurz: BZRG) wird vom Bundesamt für Justiz geführt. In das Register werden strafgerichtliche Verurteilungen durch deutsche Gerichte, bestimmte Entscheidungen von Verwaltungsbehörden, Vermerke über Schuldunfähigkeit und besondere gerichtliche Feststellungen eingetragen sowie nachträgliche Entscheidungen und Tatsachen, die sich auf eine dieser Eintragungen beziehen. Bei Vorliegen der entsprechenden Voraussetzungen werden außerdem ausländische strafrechtliche Verurteilungen gegen Deutsche, in Deutschland geborene oder wohnende Personen eingetragen. Über Eintragungen darf nur in Form von Führungszeugnissen, sogenannten unbeschränkten Auskünften aus dem Zentralregister und Betroffenen Auskunft erteilt werden. Nach Ablauf einer im BZRG genannten Frist werden Verurteilungen nicht mehr in Führungszeugnisse aufgenommen und nach Ablauf einer weiteren Frist auch im Register getilgt. (Quelle: Bundesamt für Justiz)

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