Jugendschöffengericht: Milde Strafe für geständigen jungen Mann

Täter vor Gericht: Beischlaf mit Kind „war ein Fehler“

Bad Hersfeld. Der sexuelle Missbrauch eines Kindes wird in der Regel mit Freiheitsentzug bestraft. Der Fall, der am Montag vor dem Jugendschöffengericht in Bad Hersfeld verhandelt wurde, war jedoch eine Ausnahme und endete für den Angeklagten lediglich mit einer Verwarnung und der Auflage, 300 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zu bezahlen.

Der heute 19-Jährige hatte im Mai 2013 in Bad Hersfeld die Abwesenheit seiner Eltern ausgenutzt, um mit seiner damals erst zwölf Jahre alten Freundin den Beischlaf zu vollziehen. Im gegenseitigen Einverständnis und wohl auch geplant, denn der junge Mann hatte zuvor noch Kondome besorgt.

Dass das wohl früh entwickelte Mädchen wesentlich jünger war als er selbst, das sei ihm bewusst gewesen, räumte der Auszubildende ein. Jedoch habe er es auf 13 oder 14 Jahre geschätzt. Von der Strafbarkeit sexueller Handlungen mit einem Kind unter 14 Jahren habe er jedoch nichts gewusst.

„Ich weiß, dass ich einen Fehler gemacht habe“, sagte der Angeklagte vor Gericht, wo er sich geständig und einsichtig zeigte. Zu dem Mädchen wahrt er heute Distanz.

Dieses Verhalten honorierten Jugendrichterin Michaela Kilian-Bock und die beiden Schöffen genauso wie die problematische Entwicklung des Jungen. Das Scheidungskind hatte sich vor einigen Jahren selbst ans Jugendamt gewandt, um dem prügelnden Vater zu entkommen. Mit professioneller Unterstützung gelang es dem Jugendlichen, sein Alkoholproblem in den Griff zu bekommen, sich von falschen Freunden zu lösen, die Schule ordentlich abzuschließen und eine Lehrstelle zu bekommen.

Das Urteil entsprach den Anträgen von Staatsanwältin Lambiel und Verteidiger Martin Seidel. Beide hatten wie auch die Jugendgerichtshilfe in einem Arrest oder gar einer Jugendstrafe keinen Sinn gesehen.

Von Karl Schönholtz

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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