Das Fest ist aus, die Schausteller ziehen weiter

Teuflisches Tempo beim Abbbau des Lullusfests

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Satan wird verzurrt: Die meterhohe Figur muss von gleich mehren Helfern gestemmt werden. Erst wird der Rumpf an dem Lkw befestigt, dann werden die muskelbepackten Arme montiert. 

Das Lullusfest 2019 ist vorbei. In rasantem Tempo bauen die Schausteller ihre Fahrgeschäfte und Karussells ab und ziehen weiter. 

Bis Montagnacht um ein Uhr tobte noch das bunte Treiben auf dem Festplatz in Bad Hersfeld. Doch kaum haben die letzten Besucher den Schaubuden und Karussells den Rücken gekehrt, da beginnen die Schausteller schon mit dem Abbau der Fahrgeschäfte.

So auch Heiner Distel, der schon in den frühen Morgenstunden die Wagen seines Autoscooters verladen lässt. Doch das große Aufräumen und Verladen beginnt erst am Dienstag nach Lolls.

Pünktlich um 8 Uhr morgens sind die Schausteller wieder auf dem Festplatz und in wenigen Stunden ist beinahe die Hälfte der Karussells und Buden abgebaut. Heiner Distel erklärt den Ablauf. „Zuerst werden die Dekoelemente abgenommen, dann werden Fahrbahn und Dach zusammengeschoben und eingeklappt.“

Mit nur sechs Arbeitern wird der Autoscooter an einem Tag verstaut. Der Aufbau dauert jedoch etwas länger. „Dafür brachen wir circa zwei Tage“, erklärt der Schausteller. Gut, dass die 30 000 blauen und weißen Glühbirnen nicht jedes Mal abgeschraubt werden müssen, Distel verlädt die Beleuchtung samt Fahrbahn.

Doch dann wartet noch eine Herausforderung auf den Unternehmer. Ein großer Haufen aus Zigarettenstummeln und zerbrochenem Glas liegt neben und unter dem Fahrgeschäft. Für die Betreiber der Buden und Karussells bedeutet das: aufräumen. Denn für das saubere Hinterlassen des Standplatzes ist jeder selbst verantwortlich. Den meisten Glasmüll muss allerdings Heiner Distel entsorgen, weil sein Autoscooter jedes Jahr von tausenden Feierwütigen aufgesucht wird, die ihre Spuren hinterlassen.

„Das ist ungewöhnlich, wir fahren auf viele Volksfeste, aber nur auf dem Lullusfest wird der Autoscooter zum Partytreffpunkt“, so Distel. Generell freut sich der Schausteller jedoch über den Besucherandrang. Dieses Jahr sei das Fest besonders gut besucht gewesen, findet Heiner Distel. Mit den Besucherzahlen ist auch William Wenig vom Kinder-Autoscooter zufrieden. „Ich schätze, dass es ein paar tausend Kinder waren, die bei uns mitgefahren sind“, vermutet Wenig. Und einige seien sogar regelmäßige Gäste gewesen, so der Schausteller. Wenig schätzt – wie viele andere – gerade dieses familiäre Gefühl auf dem Lullusfest.

Willkommenskultur und Spaß an der Arbeit genoss auch die Familie Hansla. Die Betreiber der Geisterbahn „Scary House“ gruselten Klein und Groß mit Horrorpuppen und lebendigen Erschreckern. Am Ende des Lullusfestes verstauen Junior und Senior Hansla blutverschmierte Kettensägen und grausig verzerrt Masken in einem kleinen Anhänger.

Der Friedhof vor der Geisterbahn wird zusammengeklappt und die knallrote Satansfigur wird verzurrt. Dann werden die lebensgroßen Gruselmonster und die einzelnen Wagen in dem Karussell eingeschlossen. Auf engstem Raum wird die Attraktion fahrbar gemacht.

Zum Schluss klappen Junior und Senior noch die 120 Kilogramm schweren Bodenplatten ein und die ehemalige Gruselhöhle wird zum Lkw-Anhänger. Nur die meterhohe Teufelsfigur, die vor kurzem noch die Vorderseite der Geisterbahn schmückte, zeugt von dem bunten Rummel, der Bad Hersfeld acht Tage lang in Atem hielt.

Doch weil sie „Lolls“ schön fanden, will Familie Hansla im nächsten Jahr wiederkommen. Satan ist jedenfalls schon bereit.

VON KIM HORNICKEL

Quelle: Hersfelder Zeitung

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