Mit weniger Tunneln

Über Niederaula: Fachgruppe schlägt neue Variante für Bahntrasse vor

Das Bild zeigt Carsten-Rainer Warninghoff (links) und Marc Lerch vor der Modelleisenbahnanlage der Hersfelder Eisenbahnfreunde.
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Experten für große und kleine Eisenbahnen: Carsten-Rainer Warninghoff (links) und Marc Lerch, hier vor der Modelleisenbahnanlage der Hersfelder Eisenbahnfreunde, haben einen neuen Trassenvorschlag gemacht.

Kurz vor dem nächsten Beteiligungsforum zum Bahnprojekt Fulda-Gerstungen schlägt eine Fachgruppe von Eisenbahn-Enthusiasten aus der Region jetzt eine weitere Trassenvariante vor.

Hersfeld-Rotenburg - Die Fachgruppe besteht aus Vertretern der Fahrgastverbände Pro Bahn, den Bad Hersfelder Eisenbahnfreunden, dem Verkehrsclub Deutschland (VCD) und anderen Experten, die sich zum Teil beruflich, zum Teil als Hobby mit dem Thema befassen. Der Vorschlag favorisiert einen Fernverkehrshalt in der Kreisstadt Bad Hersfeld.

Sie schlagen einen Trassenverlauf neben den Bestandsstrecken vor und verzichten weitgehend auf Tunnel. „Das spart enorm viel Geld beim Tunnelbau und auch beim Betrieb der Trasse, denn durch die hohen Luftwiderstände ist der Energieverbrauch im Tunnel deutlich höher als auf freier Strecke“, erläutern Carsten-Rainer Warninghoff aus Hauneck und Marc Lerch aus Alsfeld bei der Vorstellung der Pläne im Vereinsheim der Hersfelder Eisenbahnfreunde in Hauneck. Warninghoff ist pensionierter Ingenieur und hat Eisenbahn- und Verkehrswegebau studiert. Lerch ist seit vielen Jahren in verschiedenen Fahrgastverbänden aktiv. Andere Vertreter der Fachgruppe waren bereits vor Fulda-Gerstungen bei anderen Beteiligungsforen zu anderen Trassenprojekten der Bahn dabei.

Im Kern sieht der Trassenvorschlag der Fachgruppe eine Ausfädelung der Schnellzüge bei Niederaula von der bestehenden Schnellfahrstrecke vor. Sie soll dann entlang einer bestehenden, jetzt nur von Holzzügen genutzten, eingleisigen Strecke in Richtung Bad Hersfeld geführt werden. Sie müsste um ein weiteres Gleis ergänzt werden, soll dabei aber nicht den Kurpark durchschneiden, wie Warninghoff und Lerch betonen. „Unser Streckenverlauf schmiegt sich vielmehr an die B 62 an und müsste im Bereich der Fuldaaue vermutlich aufgeständert werden“, erklären die beiden Eisenbahn-Enthusiasten. Sie wissen aber auch, dass es dort trotz eines Baus auf Stelzen Konflikte mit dem Naturschutz geben könnte.

In Bad Hersfeld bliebe bei dieser Variante der Bahnhof erhalten. Der von vielen abgelehnte Bahnhof auf „der grünen Wiese“ in Ludwigsau würde dadurch überflüssig, der Bahnhof Bebra bleibt aber auch im Vorschlag der Fachgruppe außen vor. Nach dem Bahnhof in Bad Hersfeld sieht die neue Variante vor, die Bahnstrecke viergleisig westlich der jetzigen Bestandsstrecke an Ludwigsau vorbeizuführen, um dann vor Bebra in Richtung Ronshausen und Hönebach weiter zu laufen. „Der Vorteil einer solchen Neubaustrecke wäre, dass dort dann auch moderne Schallschutzmaßnahmen installiert werden könnten“, erklärt Warninghoff.

Anders als bei der derzeit von vielen Teilnehmern des Bahnforums favorisierten sogenannten „Hersfeld-Variante“, die über weite Strecken in bis zu 40 Kilometer langen Tunnelbauwerke verlaufen soll, käme der neue Streckenverlauf mit weniger Tunneln aus. „Wenn man bedenkt, dass ein Kilometer Tunnel rund 25 Millionen Euro kostet, ist das ein weiterer Vorteil“, rechnet Marc Lerch vor.

Die Fachgruppe der Eisenbahnfreunde setzt bei ihren Plänen auf eine Teilung des Zugverkehrs. Während auf der Niederaula-Strecke vor allem die schnelleren und leiseren ICEs unterwegs wären, würden die langsameren Güterzüge weiter durchs Haunetal fahren und damit die schnellen Züge aber nicht ausbremsen.

Die Fahrzeit von 62 Minuten zwischen Fulda und Erfurt werde wie vorgegeben eingehalten. Auch die Anbindung an das bestehende Netz des ÖPNV würde nicht verkompliziert, sondern sogar verbessert, so die Fachgruppen-Vertreter. Die Deutsche Bahn AG ist über den Vorschlag informiert. (Kai A. Struthoff)

Lesen Sie auch: Geplante Schnellbahnstrecke Fulda-Gerstungen: Bebra ist erneut außen vor

Trassenvariante wird geprüft

Die Deutsche Bahn AG bestätigt auf Anfrage unserer Zeitung, dass ihr der Trassenvorschlag der Bad Hersfelder Fachgruppe bekannt ist. „Wir haben die Variante umfassend geprüft. Über die Ergebnisse werden wir wie immer im Beteiligungsforum informieren“, bestätigt eine Bahnsprecherin. Nähere Angaben zum Ergebnis der Prüfung wollte sie allerdings noch nicht machen. Die Deutsche Bahn AG wolle dem Beteiligungsforum nicht vorgreifen. Die Bahnsprecherin kündigte aber ein Pressegespräch im Anschluss an das Beteiligungsforum am Mittwoch in der Schilde-Halle an. (kai)

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