Wochenend-Kolumne

Zwischen den Zeilen: Umdenken für die Zukunft

Wie Kommunen helfen, wenn’s nicht mehr läuft, berichtet Christine Zacharias in der Kolumne Zwischen den Zeilen.

Ein Jahr hat begonnen, das für die meisten von uns mit Unsicherheit und Sorge beginnt. Helfen die Impfungen wirklich dabei, die Corona-Pandemie einzudämmen? Wie geht es wirtschaftlich weiter, wer bleibt auf der Strecke, wie kann unser Land die enormen finanziellen Belastungen schultern? Wie lange müssen wir noch mit Einschränkungen leben? Können wir irgendwann einander wieder nahe kommen ohne die Sorge, dabei jemandem zu schaden?

Auch politisch wird sich vermutlich manches ändern. 2021 wird nicht nur der Bundestag neu gewählt, in Hessen stehen auch Kommunalwahlen an. Die neu gewählten Parlamente werden sich in einer sich verändernden Gesellschaft auch neuen Herausforderungen stellen müssen – neue Konzepte entwickeln und neue Modelle ausprobieren müssen. Denn Vieles, was früher selbstverständlich war, funktioniert so nicht mehr oder wird zumindest nicht mehr lange funktionieren.

Da ist zum Beispiel der Brandschutz. Er wird seit Jahrzehnten in unseren Städten und Dörfern ehrenamtlich geleistet von Männern und Frauen, die dafür in ihrer Freizeit komplexe Ausbildungen absolvieren, sich mit Übungen und Fortbildungen fit halten und bei Bedarf Tag und Nacht bei jedem Wetter ausrücken, um anderen zu helfen, oft genug unter Gefahr für das eigene Leben.

Doch die Zahl der Freiwilligen ist rückläufig. Längst kann nicht mehr jedes Dorf eine eigene Einsatzabteilung bereitstellen. Und die Anforderungen an Führungskräfte sind in einem Maß gestiegen, dass sie ehrenamtlich kaum noch bewältigt werden können. Zusammenschlüsse kleinerer Wehren sind schon seit Jahren an der Tagesordnung. Einige Gemeinden gehen aber noch einen Schritt weiter, wie zum Beispiel Oberaula, wo ein zentraler Stützpunkt für (fast) alle Wehren entsteht oder Neuenstein, wo ebenfalls an zentralen Wachen gearbeitet wird. In Breitenbach/H. hat man dagegen schon vor Jahren das Problem der überforderten Führungskräfte erkannt. Der Gemeindebrandinspektor erhält zehn bis zwölf Stunden pro Woche Unterstützung aus der Verwaltung bzw. wird für diese Zeit als Verwaltungsmitarbeiter freigestellt, damit er sich um Feuerwehrbelange kümmern kann.

Ein Dauerbrenner in vielen Gemeinden ist die ärztliche Versorgung. Denn es hat sich gezeigt, dass es schwierig geworden ist, Landärzte zu finden, die bereit sind, rund um die Uhr zur Verfügung zu stehen und dafür in die waldhessische Provinz zu ziehen, die zwar viele Reize bietet, aber vieles eben auch nicht. Längst gibt es, auch vonseiten des Kreises, entsprechende Unterstützungsprogramme, um jungen Ärzten den Schritt aufs Land und in die Selbstständigkeit zu erleichtern.

Einige Gemeinden sind auch selbst aktiv geworden. Eiterfeld, zum Beispiel, hat zwei Hausarztsitze übernommen, um zu verhindern, dass sie zwar im Kreis Fulda bleiben, aber eben in einer anderen Kommune. Die beiden Sitze wurden zu einem Hausarztzentrum zusammengefasst, in dem jetzt drei Ärzte tätig sind. Für dessen Bau leistete die Gemeinde eine Anschubfinanzierung und hat für die ersten drei Jahre die Monatsmiete übernommen. Die Mediziner haben so die Möglichkeit, sich die Arbeit aufzuteilen, Freizeit zu gewinnen und Personal gemeinsam zu beschäftigen.

In Neuenstein hat die Gemeinde die Voraussetzungen für die Ansiedlung eines Zahnarztes geschaffen, indem sie die Praxisräume in Obergeis renoviert und technisch auf den aktuellen Stand gebracht hat. Derzeit wird über eine Art kleines Gesundheitszentrum in Raboldshausen nachgedacht, das im Zuge der Dorfentwicklung entstehen könnte.

Trotz aller Kritik wird wohl auch der Medibus ein Modell für die Zukunft sein, um die Menschen in ländlichen Regionen nicht ohne ärztliche Versorgung zu lassen. (Christine Zacharias)

Rubriklistenbild: © Maaz, Nadine

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