„Anderer Oktober“ statt Lullusfest

Waffelduft in Bad Hersfeld: Schausteller sind froh, wieder arbeiten zu dürfen

Eine Frau namens Nina Osselmann und ein Mann namens Hermann Petter stehen nebeneinander. Sie halten eine Stoffpuppe in der Hand, die den Kinderfeuermeister „Krümel“ darstellt. Beide Personen stehen in ihrer Bude auf dem Linggplatz, wo sie Softeis verkaufen.
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Rosarot beim „Anderen Oktober“: Nina Osselmann und Hermann Petter bieten Softeis auf dem Linggplatz an.

Mit dem „Anderen Oktober“ in Bad Hersfeld zeigen sich viele Schausteller zufrieden. Wir haben nachgefragt, wie die Karussell- und Imbissbudenbetreiber den Ersatzrummel erleben.

Bad Hersfeld – Der „Andere Oktober“ ist in vollem Gange. Das Fierche hat zumindest drei Tage gebrannt, Besucher schlendern von Stand zu Stand und in der Luft liegt ein Hauch von Normalität – oder? Ja und nein, denn für die Schausteller der knapp 20 Buden in der Bad Hersfelder Innenstadt ist es nach einer fast zweijährigen Pause zumeist die erste Möglichkeit, ihre Fahrgeschäfte und kulinarischen Köstlichkeiten wieder an den Mann, die Frau und natürlich das Kind zu bringen.

Für Gregory Laubinger, der an seinem Stand holländische Pommes mit einer Vielzahl an Soßen anbietet, ist dieser etwas andere Oktober „einer von vielen ersten Lichtblicken“ nach einer langen, mental sehr belastenden Pause. Auch wenn das abgespeckte Angebot für ihn das beliebte Lullusfest nicht ersetzt, ist es ihm doch ein großes Anliegen, wieder Präsenz zu zeigen: „Noch wichtiger als die Einnahmen ist das ¸Schön, dass ihr wieder da seid‘, das wir von den Alteingesessenen hören.“ Dem können sich Nina Osselmann und Hermann Petter vom Softeis-Stand nur anschließen: „Vielleicht war die Pause auch gut, um zu merken, was man aneinander hat. Die Kontakte haben einfach gefehlt und wir empfinden die Leute als besonders froh und dankbar“, sagen sie über das neue alte Leben auf dem Linggplatz.

Direkt um die Ecke steht Sarah Lüttecke mit vielen kleinen Enten, die man an ihrem Stand angeln kann. Sie ist das erste Mal hier in Bad Hersfeld. „Das ist ein tolles Städtchen hier“, so ihr erster Eindruck von der Lolls-Stadt, „ich komme auf jeden Fall noch mal her zum Urlaub machen.“ Die Coronapause haben sie und ihre Kollegen genutzt, um das Entenzuhause zu renovieren oder auch, um ihren Lkw-Führerschein in anderen Branchen zu nutzen. „Aber die Kosten für Versicherung und Instandhaltung laufen ja weiter“, erzählt sie von der für die Schausteller wohl schwersten Zeit mit dem oft schon seit Generationen weitervererbten Geschäft.

„Es war allerhöchste Zeit, dass es wieder anfängt“, pflichtet Sören Richter ihr bei, der schon in der dritten Generation Schokofrüchte vor dem Modecentrum Sauer verkauft. „Wir Schausteller haben nur eine kleine Lobby und es würde ein wertvolles Stück Kultur wegbrechen, wenn es uns nicht mehr geben würde.“

Froh, dass sie wieder arbeiten dürfen, sind sie alle – egal ob Karussell- oder Imbissbudenbetreiber. Klaus Hellberg hat zwar unweit der City Galerie keinen optimalen Platz zugeteilt bekommen, ist aber so bekannt, dass Stammkunden den Standort seiner Fischspezialitäten fleißig auf Facebook teilen. Die 2-G-Regel auf einer Veranstaltung in Passau hat er als sehr einschränkend erlebt: „Man muss wegen der Altersgrenze bei der Testregelung immer fragen, wie alt die Kinder sind und damit ist es für Familien gleich kompliziert.“

Auch Luis Vespermann von Las Vegas Golden Cans bestätigt nach seiner Erfahrung mit einem Einbahnstraßenprinzip bei einem Fest in Frankfurt, wie schwierig es sei, wieder zur Normalität zurückzukehren: „Wir sind geimpft, halten den Abstand ein und alle, die bei uns Dosenwerfen desinfizieren sich vorher die Hände – da dürfte das Risiko doch eigentlich nicht allzu groß sein.“

Stefan Kopetschek, erster Vorsitzender des Lullusfest-Vereins, bedauert die frühe Absage des Lolls: „Die Lollsgemeinschaft ist einfach etwas besonders und so nicht zu ersetzen. Aber die Schausteller sind zufrieden, man spürt die Verbundenheit mit dem Fest. Ich hoffe, nächstes Jahr ist wieder alles beim Alten.“ (Tabea Pausch)

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