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Nach dem Wever-Flop: Firma Trox verlässt ihren Stammsitz am Seilerweg

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Neubau und Umzug der Firma Trox: Geschäftsführer Christian Söller (links) und Umzugsbeauftragter Hans-Georg Gluth mit Arbeitern der Firma Räuber vor dem Neubau.
Neubau und Umzug der Firma Trox: Geschäftsführer Christian Söller (links) und Umzugsbeauftragter Hans-Georg Gluth mit Arbeitern der Firma Räuber vor dem Neubau. © Kai A. Struthoff

Das Wever-Projekt in Bad Hersfeld ist gescheitert – aber die Firma Trox zieht trotzdem um.

Bad Hersfeld – Dabei ist das rund 6000 Quadratmeter große Gelände mit seiner top-modernen Halle am Seilerweg eigentlich der angestammte Sitz des Traditionsunternehmens, das aus der Schilde-AG hervorgegangen ist. Vier Mitarbeiter der Forschungs- und Entwicklungsabteilung des Ventilatorenherstellers haben bislang dort unter anderem aerodynamische Messungen in einer speziellen Druckkammer vorgenommen und an der Weiterentwicklung und Optimierung der eigenen Produkte gearbeitet.

„Wir wollten aber der städtebaulichen Neuordnung des Areals nicht im Wege stehen“, erklärt Hans-Georg Gluth, Produktionsleiter bei Trox X-Fans, der nun den Umzug organisiert. Dass das Unternehmen über den Ablauf des Wever-Projekts nicht glücklich ist, hatte bereits Geschäftsführer Udo Jung deutlich gemacht (wir berichteten). „Wir hätten, wenn überhaupt, dann lieber einen Neubau auf der grünen Wiese errichtet, um auch später noch Platz für Expansion und die Schaffung neuer Arbeitsplätze zu haben“, betont auch Christian Söllner, Geschäftsführer bei Trox X-Fans am Standort Bad Hersfeld.

Top modern: Die bisherige Halle der Trox X-Fans am Seilerweg wird aufgegeben.
Top modern: Die bisherige Halle der Trox X-Fans am Seilerweg wird aufgegeben. © Trox-X-Fans/NH

Doch das sei durch die Förderrichtlinien des Landes, die mit dem Wever-Projekt verknüpft waren, nicht möglich gewesen. Auch der Zeitdruck macht dem Unternehmen zu schaffen. „Wir wären in zwei Jahren deutlich bequemer umgezogen“, sagt auch Hans-Georg Gluth, aber bis zum 30. Juni war vorgegeben, das Gelände am Seilerweg zu räumen, weil dann die Abrissbagger anrollen sollten.

Deshalb musste alles ganz schnell gehen. Am Standort an der Heinz Trox Straße an der B 62 kurz vorm Eichhof rollen seit Mitte Januar nun wirklich die Bagger. Eine der bestehenden Fertigungshallen wird dort nach Entwürfen des Planungsbüros Hansske und mit tatkräftiger Unterstützung der Bad Hersfelder Baufirma Räuber umgebaut. Trotz der strengen Vergaberichtlinien des Landes Hessen war es der Firma Trox wichtig, heimische Firmen einzusetzen.

Zudem stellt der Bau höchste Anforderungen. „Wir haben in der modernen Halle am Seilerweg hochempfindliche Schwingungs- und schalltechnische Untersuchungen gemacht. Das ist am neuen Standort nahe der Autobahn A4 und der viel befahrenen B 62 nicht so ohne Weiteres möglich“, erklärt Hans-Georg Gluth. Deshalb entstehe in der alten Fertigungshalle nun ein zweischaliger Bau, der den Schall der nahen Straßen dämmen soll. Auch ein Spezialfußboden muss eingebaut werden, um die Schwingungen abzufedern. Eine neue Druckkammer mit massiven Betonwänden ist ebenfalls bereits in der Halle entstanden. Rund 1,5 Millionen Euro kostet der Umzug samt Umbau am Standort an der Heinz Trox Straße. Diese Aufwendungen werden vom Land Hessen erstattet, der Betrag in voller Höhe gefördert. Angesichts der allgemein explodierenden Baukosten sei die eigentliche Herausforderung, im Budget zu bleiben, sagt Christian Söllner. Zudem entstünden aber noch weitere indirekte Kosten, weil Personal und Kapazitäten gebunden werden, die für andere Vorhaben fehlen. Der Umbau findet im laufenden Betrieb statt, wodurch interne Abläufe teilweise in Mitleidenschaft gezogen werden.

Die Firma Trox versucht trotz des geplatzten Wever-Projekts das beste aus der Situation zu machen und setzt vor allem auf neue Synergien dank kürzerer Wege an einem Standort. „Oft arbeitet man auf einer kleineren Fläche effektiver, wenn man die Prozesse entsprechend anpasst“, sagt Hans-Georg Gluth.

So soll er aussehen: Die zweischalige Halle für die Forschungsabteilung, in der Konstruktionszeichnung.
So soll er aussehen: Die zweischalige Halle für die Forschungsabteilung, in der Konstruktionszeichnung. © Trox-X-Fans/NH

Dennoch ist der Unmut über das Agieren der Stadt spürbar. „Es ist schade für die Stadtentwicklung“, sagt Christian Söllner und macht deutlich, dass Trox nur wegen des zeitlichen Drucks und im Vertrauen auf ein gemeinsames Handeln aller Firmen auf dem Wever-Areal ihr Grundstück verkauft hat. (Kai A. Struthoff)

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