Ute Mai im Wochenendporträt

Frickeln, bis es echt aussieht: Sie ist die Chefmaskenbildnerin der Hersfelder Festspiele

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Filigranes Handwerk: Für Ute Mai, die Chefmaskenbildnerin der Bad Hersfelder Festspiele, zählt nur ein Ergebnis: Am Ende muss es echt aussehen – wie die Tonsuren der Mönche im Luther-Stück, an denen zurzeit gearbeitet wird.  

Bad Hersfeld. Friseurin? Da ging bei Ute Mai die Klappe runter. Der Vorschlag der Berufsberaterin verletzte die 15-Jährige, die zwar ihren Puppen gerne mal die Haare abgeschnitten, aber auch den Realschulabschluss in der Tasche hatte.

Doch die Frau vom Arbeitsamt war noch nicht fertig: Diese Ausbildung sei eine gute Grundlage, um danach zum Theater zu gehen. Damit war bei Ute Mai ein Nerv getroffen, denn dafür hatte sie sich schon als Schülerin interessiert – und ist bis heute nicht davon losgekommen.

Mit Haareschneiden allein ist es allerdings längst nicht mehr getan, denn die 57-Jährige sucht in ihrem Beruf immer neue Herausforderungen – und dazu gehört auch ihr gegenwärtiges Engagement als Chefmaskenbildnerin der Bad Hersfelder Festspiele.

Nicht nur die Zusammenarbeit mit Intendant Dieter Wedel, sondern auch knifflige Aufgaben wie Tonsuren der Mönche im Luther-Stück „Der Anschlag“. Die sollen nämlich so echt wie möglich aussehen und nicht nur dem Blick aus dem Zuschauerraum standhalten, sondern auch dem Auge der Kamera.

Fünf Gipsköpfe, von den Häuptern der jeweiligen Schauspieler per Abguss maßgefertigt, sind die Basis der filigranen Arbeit. „Wo ist der Kopf vom Nickel?“, ruft Mai in den Raum, in dem ein halbes Dutzend Menschen noch ganz ruhig an Perücken, Haarteilen und Bärten arbeiten. Mit Beginn der Festspiele wird hier drangvolle Enge herrschen, wenn mehrere Darsteller zugleich für ihre Rollen präpariert und geschminkt werden müssen.

Der kiloschwere Gipskopf nach dem Vorbild von Christian Nickel, der eine der vier Luther-Figuren spielen wird, dient als Beispiel für filigrane Handwerksarbeit. Denn in der Tonsur werden fein in Tüll geknüpftes Echthaar und ein Stück Silikon verbunden, das einer echten Glatze zum Verwechseln ähnlich sieht. „Ziemlich frickelig“, beschreibt Mai diese Tätigkeit. 

Welche Anforderungen an die Tonsuren gestellt werden und wie viel Vorlauf die Maskenbildnerinnen hatten, lesen Sie am Samstag in der gedruckten Ausgabe und im E-Paper. 

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