Amtsgericht Bad Hersfeld

Kein Verbrechen: Verfahren  wegen räuberischer Erpressung eingestellt

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Das Verfahren wurde eingestellt.

Außer Spesen nichts gewesen: Das Verfahren vor dem Schöffengericht am Bad Hersfelder Amtsgericht gegen einen 48-Jährigen wegen räuberischer Erpressung ist eingestellt worden.

Auch die Vorführung der zuletzt nicht vor Gericht erschienenen Hauptbelastungszeugen durch die Polizei trug nicht zur Aufklärung bei, eher im Gegenteil. 

Der Prozess hatte ursprünglich schon im Mai beginnen sollen, war damals jedoch vorerst ausgesetzt worden, um weitere Ermittlungen anzustoßen und weitere Zeugen zu laden – zu unterschiedlich und unklar waren die Angaben des mutmaßlichen Täters und des mutmaßlichen Opfers.

Hauptbelastungszeugen fehlten 

Vor drei Wochen sollte es dann weitergehen, doch ausgerechnet die Hauptbelastungszeugen – der mutmaßlich Geschädigte und Familienangehörige – waren unentschuldigt nicht erschienen, weshalb diese jetzt extra aus Siegen vorgeführt wurden, wo auch der mutmaßlich Geschädigte inzwischen lebt.

Der Mann gab an, dem ihm bis dato unbekannten Angeklagten zweimal 500 Euro gegeben zu haben, nachdem dieser Geld von ihm gefordert habe, das seine Schwester ihm schulde, die einst mit einem Verwandten des 48-Jährigen verheiratet gewesen sei.

Das bezweifelte der Zeuge zwar offenbar; um „Ruhe zu haben“ und für den Fall, dass die Schwester tatsächlich Geld schulde, habe er aber dennoch gezahlt. So übersetzte es der Dolmetscher. Er habe einen „Schock erlebt“, sagte er außerdem. 

Keine wirkliche Aufklärung 

Wirklich aufzuklären waren die genauen Hintergründe, Vorwürfe und Geschehnisse trotz der teils wortreichen Ausführungen jedoch nicht, denn konkrete Antworten gab es kaum. Gleiches gilt für ein Treffen in Sorga, bei dem eine größere Gruppe aus Sinti und Roma wohl sozusagen eine außergerichtliche Lösung für das Problem finden sollte.

Laut Anklage sollte der 48-Jährige unter anderem im Frühjahr 2018 an der damaligen Adresse des Zeugen in Bebra aufgekreuzt sein, gegen die Tür geklopft und/oder getreten und mit „empfindlichen Übel“ gedroht haben.

Vorwürfe wurden bestritten

Er selbst hatte die Vorwürfe schon zuletzt bestritten und ebenso wie ein weiterer Zeuge und gemeinsamer Bekannter beziehungsweise Verwandter von einem Kaffeetrinken berichtet, bei dem lediglich lauter gesprochen worden sei. 

Der 48-Jährige sprach von 4000 Euro, die er dem mutmaßlich Geschädigten, den er seinerseits als Betrüger titulierte, bereits vor sieben oder acht Jahren in Kroatien geliehen habe. Einen Zusammenhang mit einer gescheiterten Ehe im großen Kreise der Verwandtschaft bestritt er ebenso vehement.

Weil die Hintergründe letztlich weder mit Hilfe der Be- noch der Entlastungszeugen aufzuklären gewesen seien, wurde das Verfahren schließlich auf Kosten der Staatskasse eingestellt. Wenn überhaupt habe auch „nur“ noch eine Nötigung im Raum gestanden, die im juristischen Sinne ein Vergehen, aber kein Verbrechen darstelle. 

Quelle: Hersfelder Zeitung

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