Wahrheitsfindung gestaltete sich schwierig

Verfahren wegen sexuellen Missbrauchs wurde eingestellt

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Gerichtsverhandlung in Bad Hersfeld: Ein 39-Jähriger aus Halberstadt saß auf der Anklagebank. 

Vor dem Jugendschöffengericht in Bad Hersfeld musste ein Verfahren wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes eingestellt werden, weil bei der Verhandlung vieles im Dunkeln blieb. 

„Irgendwas muss da gewesen sein“, war sich Michaela Kilian-Bock, Vorsitzende des Jugendschöffengerichts am Amtsgericht Bad Hersfeld, ganz sicher. Doch was da zwischen einem damals fünfjährigen Mädchen und seinem Stiefvater im August 2011 und im Mai 2012 in einer Bebraer Wohnung wirklich abgespielt hat, das blieb auch nach der Verhandlung im Dunkeln.

Sexuellen Missbrauch von Kindern in zwei Fällen warf Staatsanwältin Heike Meeuw-Wilken dem 39-Jährigen aus Halberstadt vor, der demnach die aus vorheriger Ehe seiner Frau stammende Tochter nach dem Duschen über dem Schlafanzug am Geschlechtsteil gestreichelt hatte.

Der Hinweis von Richterin Kilian-Bock, dass sich ein Geständnis positiv auf das Strafmaß auswirken würde, weil dem Opfer dann eine Aussage erspart werden könne, veranlasste den Angeklagten nach Rücksprache mit seinem Verteidiger zu der Feststellung: „Ich werde es zugeben, aber ich kann mich nicht erinnern.“

Auch im Folgenden eierte der Halberstädter herum, der eine ellenlange Vorstrafenliste mitbrachte, auf der aber nichts Einschlägiges verzeichnet war. „Ich habe alle meine Kinder geduscht. Und dann so was“, zeigte er sich ob des Vorwurfs empört, um im nächsten Moment zuzugeben: „Ich habe sie berührt. Warum, weiß ich auch nicht, das ist zu lange her.“ Im Übrigen sei er mit dem Kind so gut wie alleine gewesen.

Das Gericht kam also nicht umhin, das heute 13 Jahre alte Mädchen zu vernehmen. Das geschah unter Ausschluss der Öffentlichkeit und sogar in Abwesenheit des Angeklagten.

Und es gab eine weitere Überraschung: Sie habe damals bei der Polizei die Unwahrheit gesagt, räumte die Zeugin ein, denn der Stiefvater habe ihr bei einer Gelegenheit lediglich die Brust gestreichelt. Das sei ihr sehr unangenehm gewesen.

Damit war die ursprüngliche Anklage nicht mehr zu halten. Mit dem Einverständnis aller Beteiligten wurde das Verfahren eingestellt.

Auch wenn das Herumdrucksen des Angeklagten den Verdacht nahelegte, dass da „irgendwas gewesen“ sein musste.

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