Die Enttäuschung ist groß

Verkaufsoffener Lolls-Sonntag am 18. Oktober in Bad Hersfeld abgesagt

Das Bild zeigt zahlreiche Menschen, die sich durch die Bad Hersfelder Fußgängerzone schieben.
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So sah es 2019 beim verkaufsoffenen Lolls-Sonntag aus.

Der vom Stadtmarketing Verein Bad Hersfeld beantragte verkaufsoffene Sonntag am 18. Oktober kann nicht stattfinden. Die offizielle Absage gab die Stadt Mittwochnachmittag bekannt.

Bad Hersfeld - Dass der bereits von vielen Geschäften angekündigte verkaufsoffene Sonntag am 18. Oktober in Bad Hersfeld doch nicht stattfinden kann, teilten Bürgermeister Thomas Fehling und Matthias Glotz (Fachbereichsleiter Stadtmarketing) dem Verein jetzt mit.

In den vergangenen Tagen habe es dazu intensiven Austausch mit dem Landkreis als zuständiger Fachaufsichtsbehörde gegeben. Dieser habe im Wesentlichen auf das sogenannte Hessische Ladenöffnungsgesetz verwiesen. Danach sei die geplante Öffnung der Geschäfte rechtswidrig und unzulässig – da der notwendige Anlass mit dem coronabedingten Wegfall des Lullusfestes nicht mehr gegeben sei.

Sichtlich enttäuscht von der Absage des verkaufsoffenen Sonntags in Bad Hersfeld ist nicht nur Jörg Markert, Centermanager der Bad Hersfeld City Galerie und stellvertretender Vorsitzender des Stadtmarketingvereins. Der verkaufsoffene Sonntag wäre seiner Meinung nach sowohl für die Händler als auch die Kunden wichtig gewesen.

„Ich bin irritiert, dass uns der Landkreis einen Strich durch die Rechnung macht“, so Markert. Der Verein und dessen Rechtsbeistand hätten eine andere Rechtsauffassung. Markert sieht jedoch keine Chance, den verkaufsoffenen Sonntag so kurzfristig noch auf juristischem Wege durchzusetzen, zumal die ohnehin schon belasteten Händler Planungssicherheit bräuchten.

Mit Blick auf den traditionell in der Lolls-Woche stattfindenden verkaufsoffenen Sonntag ging man von Gewohnheitsrecht und folglich Bestandsschutz aus.

Bei der Stadt ist man mit der Situation ebenfalls nicht glücklich: „Darüber sind wir für unsere City und deren Unternehmen sehr enttäuscht, da sich der Magistrat unserer Stadt – wohlwissend um die sehr hohen rechtlichen Hürden – einstimmig hinter das Vorhaben gestellt hat“, bedauert Bürgermeister Thomas Fehling die Absage. „Uns allen ist und bleibt klar, dass gerade der durch Corona stark gebeutelte Einzelhandel dringend solche Impulse gebraucht hätte.“ Der dringende Rat vom Fachdienst des Landkreises sei allerdings gewesen, den Magistratsbeschluss zurückziehen.

Es werde beabsichtigt, eine fachaufsichtliche Weisung zu erteilen, die den Magistrat verpflichtet, den Beschluss aufzuheben und den verkaufsoffenen Sonntag zu unterbinden, hatte es in dem Schreiben der Fachaufsicht, das unserer Zeitung vorliegt, geheißen.

„Der lokale Wille in Politik und Unternehmen allein ist nicht mehr ausreichend, um einen verkaufsoffenen Sonntag auch tatsächlich vor Ort umzusetzen. Das Dilemma liegt meines Erachtens in der äußert komplizierten und konsumentenunfreundlichen Rechtsprechung zum Ladenöffnungsgesetz“, so Bürgermeister Fehling. Der Bürgermeister appelliert an das Land, die Regelungen dringend zu überdenken, damit die Geschäfte eine Chance gegen den Online-Handel hätten. Auch sei die Absage deshalb so bitter, „weil nach meinem Eindruck die hiesigen Unternehmen und auch deren Belegschaften diesen verkaufsoffenen Sonntag unbedingt wollten, um ihre Geschäfte und Arbeitsplätze zu sichern. Sie haben viele Vorbereitungen getroffen, um eine erfolgreiche und Corona-konforme Ladenöffnung zu gewährleisten.“ Er hoffe, dass die Bürger den Einzelhandel trotzdem intensiv nutzen, so Fehling mit Blick auf dessen wichtige Funktion.

Ebenfalls kurzfristig abgesagt worden waren in der Vergangenheit die verkaufsoffenen Sonntage zum Erdbeerfest in Bebra und zum Eiterfelder Frühlingsmarkt – damals allerdings auf Bestreben der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. 2019 hatten sich insgesamt 88 Kommunen – darunter Bad Hersfeld, Bebra, Heringen und Rotenburg – mit einem offenen Brief gegen die geplante Neufassung des hessischen Ladenöffnungsgesetzes positioniert.

Die Corona-Pandemie spielte bei der jetzige Absage keine Rolle. „Wir haben ein Hygienekonzept und wären diesbezüglich auch kompromissbereit gewesen“, so Jörg Markert. Seiner Meinung nach sind Händler und Kunden im Umgang mit der Pandemie inzwischen ohnehin geübt. (nm)

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