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Zwischen Zellersgrund und Wehneberg bei Bad Hersfeld liegt ein Ort zum Verweilen

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Von: Laura Hellwig

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Ein vergessener Ort: An „Engelhardtsruh“ erinnert noch ein eingewachsener, beschrifteter Stein. Gerhard Kraft, viele Jahre ehrenamtlich im Stadtarchiv tätig, hat Informationen zu dem „Lost Place“ gesammelt.
Ein vergessener Ort: An „Engelhardtsruh“ erinnert noch ein eingewachsener, beschrifteter Stein. Gerhard Kraft, viele Jahre ehrenamtlich im Stadtarchiv tätig, hat Informationen zu dem „Lost Place“ gesammelt. © Hellwig, Laura

„Engelhardtsruh“ war vor über 100 Jahren ein belebter Platz. Wir haben den Ort besucht und stellen ihn und seine Geschichte vor.

Bad Hersfeld – Herunterhängende Äste, Sträucher und Laub verbergen den schmalen Pfad, der hinauf zu „Engelhardtsruh“ führt. In einem Waldstück zwischen Zellersgrund und Wehneberg liegt ein längst vergessener Ort. Zwei halbrunde, gegenüberliegende Mäuerchen zeugen von einem Platz, an dem früher vermutlich Wanderer und Gäste der nahegelegenen Waldschänke Rast gemacht haben. Heute sind die Sitzgelenheiten von Moos und Sträuchern bewachsen.

Gerhardt Kraft war viele Jahre ehrenamtlich im Bad Hersfelder Stadtarchiv tätig. „Engelhardtsruh“ sei ihm zwar ein Begriff gewesen, näher Bescheid wusster er darüber aber nicht – bis ihn sein Neffe auf den verwilderten Platz aufmerksam gemacht hat. Kraft machte sich auf die Suche, vor Ort im Wald sowie im Archiv, und wurde fündig.

So beliebt war der Platz früher: Ein Bild aus dem Archiv zeugt von der einstigen Lebendigkeit von „Engelhardtsruh“.
So beliebt war der Platz früher: Ein Bild aus dem Archiv zeugt von der einstigen Lebendigkeit von „Engelhardtsruh“. © Stadtarchiv/NH

Aus einem Artikel der Hersfelder Zeitung von 1952 geht hervor, dass Heinrich und Ludwig Engelhardt, deren Brauerei sich am Neumarkt befand, die Gaststätte „Wolffs Felsenkeller“ gekauft und modernisiert haben. Die neue Gaststätte erhielt den Namen „Waldschänke“ und wurde zu einem beliebten Ausflugslokal mit Park, Anlagen und Wegen. Der kleine Platz „Engelhardtsruh“ war offenbar Teil dieser großflächigen Anlage.

Das Gebäude an der Friedloser Straße existiert noch heute. Laut Gerhard Kraft war die Engelhardt-Brauerei die letzte Brauerei in Bad Hersfeld. Später seien die Gebäude auf dem Gelände der Waldschänke von der NSDAP genutzt worden, nach 1945 dienten sie der Unterbringung von Heimkehrern und Flüchtlingen, so Kraft.

Der Platz Engelhardtsruh: Auf der linken Seite der beschriftete Stein, rechts weitere Sitzgelegenheiten und der heute zugewachsene Blick in Richtung Friedloser Straße.
Der Platz Engelhardtsruh: Auf der linken Seite der beschriftete Stein, rechts weitere Sitzgelegenheiten und der heute zugewachsene Blick in Richtung Friedloser Straße. © Hellwig, Laura

Genau 120 Jahre ist die Einweihung der Waldschänke nun her. Mit genügend Vorstellungsvermögen war „Eneglhardtsruh“ sicher ein ein beliebter Rastplatz und ein Ort des Beisammenseins – ruhig gelegen mit Blick ins Tal.

Auch heute, in einer Zeit in der das Wandern sich nach wie vor Beliebtheit erfreut und der Tourismus in der Heimat gestärkt wird, könnte dort ein Ort zum Verweilen sein. Geblieben ist aber lediglich ein „Lost Place“. (Laura Hellwig)

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