Hin- und hergerissen von der Politik im Heimatland seines Vaters

Vor der US-Wahl: Wie Kesone Taylor aus Bad Hersfeld Amerika sieht

Das Bild zeigt den 34-jährigen Deutsch-Amerikaner Kesone Taylor vor zwei PC-Bildschirmen, die Bilder von Donald Trump und Protesten zeigen.
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Hin- und hergerissen von der Politik: Der 34-jährige Deutsch-Amerikaner Kesone Taylor verfolgt den US-Wahlkampf, die Politik von Präsident Donald Trump und die Black-Lives-Matter-Bewegung genau. Das Tattoo auf seinem Arm steht für das Geburtsjahr seiner Tochter.

Kesone Taylor ist Sohn eines schwarzen US-GIs und einer weißen deutschen Mutter. Er verfolgt den US-Wahlkampf, die Politik von Donald Trump und die Black-Lives-Matter-Bewegung.

Bad Hersfeld – Der 34-jährige Kesone Taylor aus Bad Hersfeld glaubt an den amerikanischen Traum und an das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, in dem es jeder schaffen kann, wenn er es nur wirklich will – auch wenn es ihm zurzeit schwerfällt. Trotzdem plant er, gemeinsam mit seiner Ehefrau und den zwei kleinen Töchtern, irgendwann in die USA zu ziehen – zurück in das Heimatland seines Vaters.

Kesone Taylor wird 1986 in Bad Hersfeld geboren – als Sohn eines schwarzen US-GIs und einer weißen deutschen Mutter. „Ich bezeichne mich immer als ‘best of two worlds"“, sagt er schmunzelnd, denn er vereine die positiven Eigenschaften zweier Welten: „Ich habe das Lässige von den Amerikanern, rede gern ‘denglish’, aber ich bin auch präzise, genau und pünktlich.“ Den Wahlkampf in den USA beobachtet er als „Schwarzer“, wie er sich selbst bezeichnet, besonders genau.

Vor allem die „Black-Lives-Matter“-Bewegung und die schweren Unruhen in den amerikanischen Großstädten zwischen schwarzen Amerikanern und der Polizei erfüllen ihn mit Sorge. „Ich habe in meinem Leben selbst viel Ablehnung erfahren“, erzählt Kesone Taylor, der nach seiner Geburt zunächst einige Zeit in den USA gelebt hat, dann aber mit der Mutter nach Bad Hersfeld zurückgekehrt ist. Damals sagten ihm andere Kinder, „mit Bimbos spielen wir nicht“.

Eben diese negativen Erfahrungen wegen seiner Hautfarbe und der unterschwellige Rassismus, den er auch in Deutschland spürt, hätten ihn zu dem gemacht, was er heute ist. Ein selbstbewusster junger Mann, der als Gruppenführer bei Amazon arbeitet und Ungerechtigkeit anprangert. Für ihn sei es unerträglich, wenn Donald Trump im Wahlkampf „Hass predige“. Deshalb bräuchten die USA jetzt jemanden im Weißen Haus, der das Land wieder vereine anstatt die Konflikte zu schüren.

„Wenn Trump die Wahl gewinnt, dann werden wir wohl erst mal nicht auswandern“, sagt Kesone Taylor, der beide Staatsbürgerschaften besitzt. Deshalb habe er zum ersten Mal in seinem Leben an einer amerikanischen Präsidentschaftswahl teilgenommen und dafür extra seinen abgelaufenen US-Pass verlängern lassen.

Ein Großteil seiner Verwandten lebt in den USA. Sein Vater, ein gebürtiger New Yorker, wohnt inzwischen in Virgina, wo auch Kesone Taylor mit seiner Familie hin möchte. Trump nennen seine Angehörigen nur „45.“, weil er der 45. Präsident ist, sie seinen Namen aber nicht in dem Mund nehmen wollen. „Viele Schwarze in den USA glauben schon längst nicht mehr an die Politik, weil sie selbst nichts davon haben, weil die Politik nichts für sie tut“, hat er in Gesprächen erfahren.

Obwohl Trump zwar vor der Corona-Krise tatsächlich neue Arbeitsplätze geschaffen habe, empfindet Kesone Taylor seinen Leitspruch ‘America first’ auch als rassistisch. Er setzt auf einen Wahlsieg von Joe Biden. „Aber was ich hoffe, und was ich denke, sind zwei verschiedene Dinge“, sagt Kesone Taylor nachdenklich.

Trotzdem glaubt er weiter an den amerikanischen Traum – schon allein wegen Barack Obama. Damals dachte Kesone Taylor: „Einer, der so aussieht wie ich, hat es geschafft“ – im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. (Kai A. Struthoff)

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