Dummheit mit Vorgeschichte

Vorgetäuschter Drogendeal beschäftigt das Gericht in Bad Hersfeld

Symbolbild Gericht HNA
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Eigentlich war es nur eine Dummheit: Trotzdem hat ein vorgetäuschter Drogendeal zu einem Prozess gegen drei Rotenburger vor dem Bad Hersfelder Amtsgericht geführt. 

Um das Vortäuschen eines Drogendeals ging es in einem Prozess gegen drei Rotenburger vor Einzelrichterin Christina Dern am Amtsgericht Bad Hersfeld. Der falsche Tipp an die örtliche Polizei, der am 12. Juli 2018 eine ergebnislose Personenkontrolle zur Folge hatte, war eigentlich nur eine schlecht ausgedachte Dummheit – doch eine mit Vorgeschichte.

Initiator war der heute 27 Jahre alter Mitarbeiter eines Logistikers, der sich von einem Ordnungshüter der Rotenburger Polizeistation zu Unrecht verfolgt fühlte. Ständig sei er ohne Grund kontrolliert worden, klagte der Rotenburger vor Gericht.

Deshalb sei er auf die Idee gekommen, den Beamten durch den Hinweis auf einen vermeintlichen Drogendeal, bei dem Rauschgift im Wert von mehreren 1000 Euro den Besitzer wechseln sollte, zu diskreditieren.

Der Tipp wurde über das Handy der Lebensgefährtin des Rotenburgers als WhatsApp-Nachricht abgesetzt. Die 24-Jährige war schon zu dieser Zeit eine gute Bekannte des Polizisten, sie ist heute mit ihm liiert und hat ein Kind mit ihm.

Ob die Frau die Nachricht auf Geheiß ihres Partners selbst verfasste oder ob sie der Rotenburger selbst auf ihrem Handy schrieb, bleibt wegen widersprüchlicher Aussagen vorläufig ungeklärt: Das Verfahren gegen die 24-Jährige wurde abgetrennt und findet zu einem späteren Zeitpunkt statt.

Pikanterie am Rande: Besagter Polizist ist selbst ein Fall für die Justiz. In Bad Hersfeld wurde er vor Kurzem wegen mehrerer Straftaten, darunter die Misshandlung eben jener Frau, mit der er jetzt zusammenlebt, verurteilt. Das Urteil ist jedoch noch nicht rechtskräftig, die Berufungsverhandlung vor dem Landgericht steht aus. Dort ist mittlerweile auch eine neue Anklage gegen den Beamten anhängig.

Für das Vortäuschen einer Straftat wurde der 27-jährige Rotenburger jetzt zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu 40 Euro verurteilt, die jedoch mit früheren Verurteilungen in einer Gesamtstrafe von 1350 Euro aufgingen. Der dritte Angeklagte, ein Freund des Rotenburgers, hatte von dem getürkten Drogendeal gar nichts mitbekommen und wurde folglich freigesprochen.

Das Urteil entsprach den Anträgen von Oberstaatsanwalt Gerd-Holger Willanzheimer und Verteidiger Bernd Ehmer aus Vacha. Es wurde sofort rechtskräftig.

Quelle: Hersfelder Zeitung

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