Jugendschöffengericht verurteilt 18-Jährigen

Warnschussarrest für jungen Gewalttäter aus Bad Hersfeld

Das Amtsgericht in der Dudenstraße in Bad Hersfeld (Symbolbild).
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Das Amtsgericht in der Dudenstraße in Bad Hersfeld (Symbolbild).

Wegen Körperverletzung in vier Fällen und sexueller Beleidigung musste sich ein heute 18-Jähriger aus Bad Hersfeld vor dem Jugendschöffengericht am Amtsgericht Bad Hersfeld verantworten.

Bad Hersfeld – Staatsanwältin Silke Röder warf dem Angeklagten vor, im Mai 2019 einem Jungen im Jahnpark erst mit einem Tretroller über den Fuß gefahren zu sein und diesen dann verfolgt und gegen den Kopf geschlagen haben, bevor es im Oktober des gleichen Jahres zu einer weiteren Gewalttat kam: In der Fußgängerzone soll er erneut ohne ersichtlichen Grund auf einen anderen eingeschlagen haben, auch als dieser schon am Boden lag.

Im Januar 2020 griff er laut Anklageschrift dann in der Nähe des Jahnparks zwei Jungen an und verletzte diese. Bereits zwischen Sommer und Herbst 2018 soll der Angeklagte darüber hinaus eine Mitschülerin gegen deren Willen mehrfach angefasst und dies teils im Bild festgehalten haben. Weil die Geschädigte allerdings unentschuldigt nicht vor Gericht erschien, wurde diese Anklage eingestellt. Weitere Zeugen fehlten ebenfalls; sie hatten sich wetterbedingt abgemeldet, in einem Fall war aber auch von Drohungen die Rede.

Von Blicken provoziert gefühlt

Der Angeklagte räumte die Gewalttaten weitgehend ein, machte jedoch mitunter andere Angaben als bei der Polizei. Er habe sich von Lachern oder Blicken provoziert gefühlt, gab er an. Eine Beeinflussung und Einschüchterung der Betroffenen stritt er jedoch ab.

Wenig Positives berichten konnte denn auch die Vertreterin der Jugendhilfe im Strafverfahren. Seit seinem 14. Lebensjahr sei der junge Mann straffällig und habe sich seitdem um jede Sanktion gedrückt und jede Chance ungenutzt gelassen. Eine Ausbildung brach er ab, weil ihn die „Ausländer dort nervten“. Sie sprach sich letztlich sogar für eine Jugendstrafe ohne Bewährung aus. Eine neunmonatige Jugendstrafe für drei Jahre auf Bewährung forderte die Staatsanwältin. Verteidiger Gunter Müller hielt eine Jugendstrafe für nicht notwendig, wohl aber einen zweiwöchigen Arrest.

Sechs Monate Jugendstrafe auf Bewährung

Das Gericht verurteilte den 18-Jährigen schließlich wegen einfacher Körperverletzung in vier Fällen – anderes war ohne Zeugenaussagen nicht zu beweisen – zu einer Jugendstrafe in Höhe von sechs Monaten, ausgesetzt zur Bewährung für die Dauer von zwei Jahren. Dem jungen Mann wird ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt, weitere Auflagen bleiben vorbehalten. Zudem erwarten ihn vier Wochen Dauerarrest – den Warnschussarrest gibt es seit 2013 als Ergänzung zu einer auf Bewährung ausgesetzten Jugendstrafe.

Bei dem Urteil berücksichtigte das Gericht auch einen noch ausstehenden zweiwöchigen Arrest, den der 18-Jährige in einer anderen Sache eigentlich schon im Dezember hätte absitzen sollen.

„Außer mit Ihrem Geständnis konnten Sie mit nichts punkten“, sagte Richterin Michaela Kilian-Bock in Richtung des Hersfelders, der immer wieder dazwischen geredet hatte und die meiste Zeit grinsend und zappelnd auf dem Stuhl hin und her rutschte. Das Aggressionspotenzial des Angeklagten sei für jeden sichtbar. „In Ihnen brodelt es“, so die Richterin. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Den unentschuldigt fehlenden Zeugen droht ein Ordnungsgeld. (Nadine Maaz)

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