Nicht mehr bange auf dem Berg

Weitere Feuerwehr für die Kreisstadt: Neugründung sichert Hilfsfrist auf Johannesberg

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Stoff zum Löschen: Landrat Dr. Michael Koch überreichte einen Kasten Bier an den neuen Wehrführer Jörg Altmüller.

Bad Hersfeld. Eine neue Freiwillige Feuerwehr ist am Dienstagabend im Bad Hersfelder Stadtteil Johannesberg gegründet worden.

Die Einsatzabteilung besteht aus 18 Männern und einer Frau, die bereits erste Lehrgänge und Übungen absolviert haben. Zum Wehrführer wurde Jörg Altmüller gewählt. Rund 12 000 Euro wurden in die Ausrüstung der neuen Feuerwehrleute investiert. Der Bau eines Feuerwehrhauses soll „zeitnah beginnen“, ein Feuerwehrfahrzeug werde zunächst von einer anderen Wehr geliehen, sagte der stellvertretende Stadtbrandinspektor Christian Seelig. Als einen „Meilenstein in Sachen Ehrenamtlichkeit“ bezeichnete der Vorsitzende des Kreisfeuerwehrverbands, Thomas Specht aus Wildeck, die Neugründung, die bundesweit ihres Gleichen suchen dürfte, da überall die Bereitschaft zum Ehrenamt zurückginge. Das würdigte auch Landrat Dr. Michael Koch, der die Feuerwehren als „Rückgrat des Katastrophenschutzes des Kreises“ bezeichnete und betonte, dass die Feuerwehr am Johannesberg einen Stadtteil betreue, der mit über 3000 Einwohnern größer als manche Gemeinde des Kreises ist. Bürgermeister Thomas Fehling erinnerte an die Notwenigkeit für die Gründung der Ortsteilwehr, weil die gesetzlich vorgeschriebene Hilfsfrist von zehn Minuten am Johannesberg nicht eingehalten werden könne. 

Jörg Altmüller zum Wehrführer gewählt

Die Menschen auf dem Bad Hersfelder Johannesberg können in Zukunft beruhigt schlafen. Denn durch die Neugründung einer eigenen Freiwilligen Feuerwehr in dem größten Ortsteil der Kreisstadt wird die Sicherheit dort erheblich erhöht. Bislang konnte nämlich die gesetzlich vorgeschriebene Hilfsfrist von zehn Minuten nicht eingehalten werden.

„Wir haben das getestet, aber bei der Anfahrt von der Wache in der Kernstadt war bei Libri meist Schluss“, erklärte der stellvertretende Stadtbrandinspektor Christian Seelig den ernsten Hintergrund, der sonst sehr erfreulichen Neugründung, die vermutlich bundesweit Seltenheitswert haben dürfte.

In dunkler Erinnerung ist vielen Bewohnern des Johannesbergs noch der Brand in der Traditionsgaststätte „Klosterschänke“ im Jahr 2013, deren Zerstörung aber vermutlich auch mit einer eigenen Stadtteilwehr nicht hätte vermieden werden können. An den Brand der Klosterschänke erinnerte auch Landrat Dr. Michael Koch, der den frischgebackenen Feuerwehrleuten Kaffeetassen des Landkreises und einen Kasten Bier Marke „Löschzwerge“ mitbrachte, auf dass die neue Ortsteilwehr immer genug zum Löschen habe. „Stellt Euer Licht nicht unter den Scheffel, am Johannesberg wohnen mehr Menschen als in mancher Gemeinden des Kreises“, sagte Koch.

Gott zur Ehr, dem Johannesberg zur Wehr: Die Junge, schlagkräftige Einsatztruppe der Freiwilligen Feuerwehr Johannesberg mit den Stadtbrandinspektoren, Bürgermeister Thomas Fehling, Landrat Michael Koch (rechts) und Ortsvorsteher Günter Göttlicher (ganz links) und anderen Gratulanten.

Die Neugründung der Feuerwehr lässt sich die Stadt einiges kosten. Neben der Einkleidung habe der Magistrat auch der Schaffung der nötigen Infrastruktur zugestimmt. So werde zeitnah mit dem Bau einer zunächst nur „temporären“ Unterkunft begonnen, erklärte Bürgermeister Thomas Fehling. Auch die Anschaffung eines eigenen Fahrzeugs wurde avisiert.

Die Gründungsversammlung fand im evangelischen Gemeindezentrum statt, das laut „Hausherr“ Pfarrer Holger Grewe auch künftig gern genutzt werden könne. Er wies auf die enge Verbindung zwischen Feuerwehr und Kirche hin, weil die Pfarrer oft als Seelsorger zu Einsätzen gerufen werden und dabei oft auch „den Helfern helfen.“ Auch Ortsvorsteher Günter Göttlicher signalisierte Unterstützung und wünschte der neuen Wehr – verständlicherweise – „nicht so viele Einsätze“.

Schnell wie die Feuerwehr ging dann der Gründungsakt vonstatten. Einstimmig wurde Jörg Altmüller zum Wehrführer gewählt, sein Stellvertreter ist Thomas Pyrek-Alles. Das Amt des Schriftführers übernimmt Thomas Will, Kassierer wird Kai Radanz. Alle sind zugleich auch in der Leitung des neugegründeten Feuerwehrvereins aktiv. Dieser hofft nun auf viele aktive und passive Mitglieder, damit die neue Wehr auch fest in der Bevölkerung verwurzelt ist. Ein Gründungsfest zum Bekanntmachen der neuen Wehr ist im Frühjahr geplant.

„In dieser bunt zusammengewürfelten Truppe ist in kürzester Zeit eine gute Kameradschaft entstanden“, lobte der neue Wehrführer Jörg Altmüller. Auf dem Johannesberg muss also wirklich niemand mehr bange sein. (kai) 

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