Bad Hersfelder Festspiele

Wenn tote Dichter lebendig werden - Nico Kleemann und Till Timmermann haben den Hersfeld-Preis gewonnen

Noch so ein „toten Dichter“: Die beiden Hersfeldpreisträger 2021 Nico Kleemann (links) und Till Timmermann (rechts) mit Konrad Duden im Bad Hersfelder Stiftsbezirk.
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Noch so ein „toten Dichter“: Die beiden Hersfeldpreisträger 2021 Nico Kleemann (links) und Till Timmermann (rechts) mit Konrad Duden im Bad Hersfelder Stiftsbezirk.

Der Hersfeldpreis 2021 der Bad Hersfelder Festspiele ging an Till Timmermann und Nico Kleemann. Sie erzählen, wie sie zur Schauspielerei gekommen sind und was der Preis für sie bedeutet.

Bad Hersfeld – Till Timmermann und Nico Kleemann sind locker und tiefenentspannt, als sie zwei Stunden vor der Vorstellung zum Gespräch in die Kantine kommen. Vielleicht ist es der Hersfeld-Preis, der den beiden jungen Schauspieler am vergangenen Sonntag für ihre Rollen im „Club der toten Dichter“ verliehen wurde, der ihnen Gelassenheit in diesen gerade für Schauspieler schwierigen Zeiten gibt.

Nico Kleemann spielt den schüchternen Stotterer Todd Anderson, der unter dem Erwartungsdruck seiner Familie leidet und erst durch Lehrer John Keating die Freiheit des Wortes und der Gedanken erkennt. Till Timmermann spielt Todds Zimmergenossen Neil Perry, einen selbstbewussten und talentierten jungen Mann, der hin- und hergerissen zwischen der militärischen Strenge seines bornierter Vaters und seiner Leidenschaft zum Theater am Ende zerbricht.

Trotz seiner erst 19 Jahre ist Nico Kleemann schon ein „alter Hase“. Der Düsseldorfer stand bereits mit elf Jahren zum ersten Mal vor der Kamera und kann inzwischen eine beachtliche Liste an Produktionen vorweisen, in denen er mitgespielt hat. „Existenzängste hatte ich nicht in der Coronazeit, aber es ist schade, wenn es solchen Stillstand gibt“.

Der Wunsch entstand am Roten Teppich

Bei ihm waren es erste Theaterstücke in der Grundschule und später ein Besuch im Film-Mekka Cannes, die sein Interesse an der Schauspielerei geweckt haben. „Ich war schon immer impulsiv in meinen Gedanken und Entscheidungen, und wusste ziemlich genau, was ich will, und was ich nicht will.“ Damals in Cannes am Rande des Roten Teppichs hat Nico gedacht, „es wäre cool, Schauspieler zu sein“. Er wollte Teil dieser faszinierenden Welt sein. Deshalb fing seine Mutter an, die Agenturen abzuklappern. Mit Erfolg.

Für Till Timmermann, der in Hitzacker an der Elbe aufgewachsen ist, war es der klassische Weg über die Schauspielschule Ernst Busch in Berlin, der ihn auf die Bühne geführt hat: „Meine Familie hat mich zwar bestärkt, aber sie konnten mir dabei nicht viel helfen, weil sie selbst nicht wussten, wie es läuft“, erzählt der 26-Jährige. „Ich war früher sehr schüchtern, um das zu überspielen bin ich zu so einer Art Klassen-Clown geworden“, erzählt er freimütig. Dabei entdeckte er seien Leidenschaft zum Schauspiel. Er drehte eigene Kurzfilme, schrieb sich selbst Rollen und traf Schauspieler wie den Hersfeld-Preisträger Stephan Schad, der ihm erstmals auch von den Bad Hersfelder Festspielen erzählte.

Obwohl Till Timmermann noch am Anfang seiner Karriere steht, hat ihm die Corona-Zeit geholfen, seinen Weg zu finden. „Natürlich habe ich mir Fragen gestellt, wie es jetzt weiter geht, und das ist auch gut so“. Er sei jetzt viel entspannter, suche nicht verkrampft nach neuen Engagements. „Ich gehe es gelassen an – es wird schon etwas kommen.“

Neue Perspektiven einnehmen

Der „Club der toten Dichter“ ist für die beiden jungen Schauspieler nicht nur ein Karrieresprungbrett, sondern auch eine Lehrstunde. „Ich habe viel von dem Stück gelernt“, sagt Nico Kleemann. „Man muss im Leben immer neue Perspektiven einnehmen, neue Sachen probieren“, bestätigt auch Till Timmermann das Mantra des Lehrers John Keating.

Dabei wurde ihre eigene Leidenschaft für die Schauspielerei, für Literatur, Kultur und Poesie eher nicht in der Schule geweckt. „Da mussten wir die Klassiker als Reclam- Heft lesen, aber der Stoff wurde einem nicht schmackhaft gemacht, es ging gar nicht darum, beim Lesen Spaß zu haben“, erinnert sich Nico Kleemann. Und Till Timmermann fragt sich noch heute, warum sein Lehrer damals sagte, seine Gedichtanalyse sei falsch, nur weil er die Botschaft des Dichters eben anders empfunden hat.

Treffen sich in einer Höhle am Fluss: Die jungen Mitglieder des Clubs der toten Dichter bei den Bad Hersfelder Festspielen.

Als der „Club der toten Dichter“ 1989 in die Kinos kam, waren die beiden Schauspieler noch nicht geboren. „Ich habe den Film erstmals vor 1,5 Jahren gesehen, mir sind viele starke Bilder im Kopf geblieben“, erinnert sich Till Timmermann. Deshalb habe er sich den Film dann auch bewusst nicht mehr angesehen. „Ich wollte selbst meine Rolle finden“. Das bestätigt auch Nico Kleemann: „Ich glaube, wir haben alle etwas Eigenes aus unseren Rollen gemacht.“

So sehr sich die beiden über den Hersfeld-Preis freuen, bedauern sie es doch, dass nicht alle Darsteller eine Auszeichnung bekommen haben. „Es gab keinen Konkurrenzkampf, wir haben alle gut zusammengefunden“, sagt Nico Kleemann. „Wir haben so viele Stunden zusammen verbracht, Späße gemacht, rumgealbert, wie in einer echten Schulklasse, das war eine Art Gruppenfindung“, ergänzt Till Timmermann.

Wie positioniert man sich, wer ist man selber, was möchte man machen ... Diese Fragen stellten sich immer wieder im Leben. Der „Club der toten Dichter“ hat ihnen gezeigt, dass sie auf dem richtigen Weg sind. Und das gibt Gelassenheit. (Kai A. Struthoff)

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