Interview

Wilhelm Gebhard aus Wanfried will für die CDU in den Bundestag

Der CDU-Bundestagskandidat Wilhelm Gebhard aus Wanfried nach dem Interview mit unserer Zeitung mit seinem Fahrrad im Schilde-Park in Bad Hersfeld.
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Ja, er war mit dem Radel da: Der CDU-Bundestagskandidat Wilhelm Gebhard aus Wanfried nach dem Interview mit unserer Zeitung im Schilde-Park in Bad Hersfeld.

Wilhelm Gebhard, der Bürgermeister von Wanfried im Werra-Meißner-Kreis (WMK), will für die CDU in den Bundestag. Über seine Ambitionen sprachen Kai A. Struthoff und Sebastian Schaffner mit ihm.

Hersfeld-Rotenburg – Herr Gebhard, die Bundespolitik, speziell auch die der CDU, steht im Moment nicht besonders hoch im Kurs. Warum wollen Sie da ausgerechnet jetzt in den Bundestag?

Weil ich glaube, dass die Basis – und dazu zähle ich mich als Bürgermeister einer kleinen Stadt im ländlichen Raum – stärker in die Bundespolitik eingreifen sollte. Wir sind sehr nah an den Menschen dran und kennen ihre Sorgen und Nöte. Deshalb täte es der CDU gut, wenn mehr Menschen wie „Du und ich“ in Berlin die verkrusteten Strukturen aufbrechen.

Mit wem würden Sie denn lieber die Verkrustungen aufbrechen: Mit Armin Laschet oder Markus Söder?

Ich würde am liebsten denjenigen als Kanzlerkandidaten haben, der die größten Chancen in der Bevölkerung hat und das größte Vertrauen genießt ...

...also Söder?

Im Moment ist das wohl der Herr Söder. Ich hätte mir aber eigentlich Friedrich Merz als Kanzlerkandidaten gewünscht – so wie auch die Mehrheit der CDU-Mitglieder in Hersfeld-Rotenburg und im Werra-Meißner-Kreis.

Im Kreis Hersfeld-Rotenburg sind Sie – mit Verlaub – ein unbeschriebenes Blatt. Wie wollen Sie sich hier, noch dazu in Corona-Zeiten – bekannt machen?

(lacht) Na ja, deshalb bin ich ja heute hier zum Interview. Aber im Ernst: Ich glaube, die Wähler können sehr genau differenzieren. Ich will ein präsenter und bürgernaher Wahlkreisabgeordneter sein. Wer mich als Bürgermeister kennt, weiß, dass das keine leere Versprechung ist. Gesetze müssen bis zum Ende der Kette, also bis zur kommunalen Ebene, gedacht werden. Mein Herz schlägt kommunal. Davon möchte ich mich auch in Berlin in meinem Tun und Handeln leiten lassen.

Und wie?

Ich will den Menschen zuhören, und ihre Probleme dann in Berlin ansprechen. Ich weiß, dass ich das kann, denn ich habe es 14 Jahre als Bürgermeister bewiesen. Ich bin zweimal als CDU-Bürgermeister in Nordhessen wiedergewählt worden. Als ich in Wanfried 2001 politisch aktiv wurde, hatte die SPD dort über 70 Prozent Stimmenanteil. Inzwischen hat die CDU zum dritten Mal in Folge die absolute Mehrheit geholt. Deshalb sind zwar nicht alle Christdemokraten geworden, aber es ist doch ein Zeichen des Vertrauens in unsere und meine Arbeit vor Ort. Dieses Vertrauen möchte ich mir auch im Wahlkreis 169 erarbeiten.

Welche Beziehung haben Sie zum Kreis Hersfeld-Rotenburg?

Meine Großmutter stammt aus Mönchhosbach in Nentershausen und ich war früher oft dort bei meinen Urgroßeltern. Auch sonst verbindet unsere Kreise eine ganze Menge, auch wenn wir zuweilen darüber streiten, wer die bessere Ahle Wurst macht. Zudem verbindet uns die B27, die Liebe zum Fachwerk und eine traumhaft schöne Landschaft im Herzen Deutschlands. Die gilt es stärker zu vermarkten. Und natürlich verbindet uns auch das Werratal ...

Eben dort trennt uns aber auch die Debatte um die Werra-Versalzung?

Ich empfinde die Werra-Versalzung nicht mehr als trennendes Problem. Ich meine, es wurde ein sehr guter Weg gefunden, auch mit dem Anrainer-Fonds. Deshalb steht für mich der Erhalt der Arbeitsplätze beim größten Arbeitgeber der Region, bei K+S, im Vordergrund. Natürlich betrifft uns in Wanfried auch die Werra-Versalzung, deshalb ist es mir wichtig, eine Balance zwischen Arbeitsplätzen und Ökologie zu finden. Aber da sind wir auf einem guten Weg.

Welche politischen Schwerpunkte wollen Sie für den gemeinsamen Wahlkreis setzen?

Ich bin in einer Zeit Bürgermeister geworden, als es den großen Abgesang auf diese Region gab: Demografischer Wandel, Abwanderung, Verödung der Innenstädte mit Leerstand – deshalb habe ich damals gesagt, genau jetzt muss ich Bürgermeister werden, aus Liebe zu meiner Heimat. Ich komme eigentlich aus der freien Wirtschaft und habe deshalb erkannt: Wanfried muss vermarktet und nicht verwaltet werden, denn außer Stillstand gab es zu der Zeit nichts zu verwalten. Eine erste Idee, die ich damals intensiv verfolgt habe, war, leer stehende Fachwerkhäuser in Holland zu vermarkten. Das Echo in Presse, Funk und Fernsehen war enorm.

... das sind aber eher lokale Themen?

Genau, aber mit meinem damaligen Ansatz lag ich richtig: Ich habe immer an eine gute Zukunft für diese Region geglaubt, weil ich der festen Überzeugung bin, dass sich die Menschen zurückbesinnen auf den ländlichen Raum. Dafür müssen wir die Stärken, aber auch die Bedürfnisse dieser Region in Berlin stärker in den Fokus rücken. Das Gleichgewicht der Lebensverhältnisse darf nicht nur im Grundgesetz stehen.

Bei diesem Gleichgewicht gibt es ja schon zwischen den beiden Kreisen eine Unwucht?

Natürlich ist Hersfeld-Rotenburg durch die Achse A 7/A 4 und dadurch in der Logistik sehr stark. Der Werra-Meißner-Kreis ist mit seinen Logistik-Plänen in Neu-Eichenberg leider gescheitert. Die Fertigstellung der A44 wird dem WMK neue Impulse geben. Unser Wahlkreis ist ein attraktiver Wohnstandort im Herzen unserer Republik. Jetzt müssen wir aber mehr tun – zum Beispiel im Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs, in der Digitalisierung oder beim Breitband bis in die Häuser. Und auch die medizinische Versorgung gehört zum Gleichgewicht der Lebensverhältnisse. Dafür muss der Landarztberuf attraktiver werden, denn der Medibus allein reicht nicht aus. Und die finanzielle Ausstattung der Krankenhäuser – etwa von Klinikum und HKZ – muss auch von Berlin gesichert werden, damit es gar nicht erst zu so einem Kampf um die Akutmedizin kommen. Was mir besonders am Herzen liegt, ist die finanzielle Entlastung der Kommunen. Beispielsweise bei der Finanzierung des Rechtsanspruchs auf Betreuung von Kindern ab einem Jahr.

Wie finden es eigentlich Ihre Wähler in Wanfried, dass Sie sich nach Berlin abmachen wollen?

(lacht) Na ja, einige meinen sogar, ich wäre schon da. Da muss ich die Erwartungen etwas bremsen. Aber viele sagen mir, „so, wie wir Dich kennen, schaffst Du das“. Andere bedauern meine Pläne aber und fragen, was ich in dem „Hexenkessel Berlin“ bewirken will. Insgesamt bekomme ich aber große Zustimmung, sogar von SPD-Mitgliedern aus dem Werra-Meißner-Kreis.

Und was sagt Ihre Familie?

Ich habe mich mit meiner Frau darüber verständigt, aber die eigentliche Hürde waren aber meine beiden Söhne, die sind 10 und 12 Jahre alt. Die musste ich erst mal überzeugen. Die beiden mögen die Nähe zu mir und kommen öfter mal im Rathaus vorbei. Aber ich habe ihnen erklärt, dass das für mich eine einmalige Chance ist und sie gebeten, mich dabei zu unterstützen. Und dann haben sie ja gesagt. Deshalb gilt für mich: Wenn nicht jetzt, wann dann?!  (kai/ses)

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