Corona-Krise: Einige denken über Außengastronomie nach

Winter fordert die Gastwirte auch im Kreis Hersfeld-Rotenburg

Ein glühender Heizpilz.
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Viele Gastronomen denken derzeit darüber nach, Heizpilze im Außenbereich ihrer Betriebe aufzustellen.

Die Herbst-/Winter-Saison stellt in der Corona-Krise viele Gastronomen vor neue Herausforderungen. Einige denken über Außenbestuhlung auch in der kalten Jahreszeit nach.

Hersfeld-Rotenburg - Die Herbst-/Winter-Saison stellt viele Gastronomen vor neue Herausforderungen. Weil schon viele Weihnachtsfeiern wegen der Corona-Pandemie ausfallen und sich nicht jeder Kunde bei steigenden Infektionszahlen in geschlossenen Räumen wohl fühlt, denken zumindest einige Wirte darüber nach, ihre Außenbestuhlung auch in der kalten Jahreszeit stehen zu lassen.

Das ist allerdings nicht nur mit zusätzlichen Kosten etwa für Heizstrahler oder Zelte verbunden, bei einigen herrscht auch Verunsicherung über die dafür geltenden Regeln. So sind in einigen Kommunen Deutschlands zum Beispiel die als klimaschädlich geltenden Heizpilze verboten. „Jetzt ist viel Kreativität gefragt“, sagt Holger Reichenauer vom Posthotel Rotenburg als Vorsitzender des Dehoga-Kreisverbands Waldhessen. Dehoga steht für den Deutschen Hotel- und Gaststättenverband. Im Vorteil seien nun diejenigen, die viel Platz haben und die Hygiene- und Abstandsregeln deshalb besser umsetzen können.

Für alle anderen beziehungsweise für die, die ihre „Draußensaison“ verlängern wollen, wünscht sich Reichenauer einheitliche Regeln im Landkreis, um unnötige Konkurrenz unter den Städten und Gemeinden sowie deren Gastronomen zu vermeiden. Er plane deshalb auch zeitnahe Gespräche mit den Bürgermeistern. „Ob es sich lohnt, muss natürlich jeder Wirt individuell abwägen.“

Grundsätzlich sei er mit Blick auf die wirtschaftliche Situation der Gastrobranche weiterhin optimistisch und kämpferisch, er fürchtet aber dennoch, dass „einige auf der Strecke bleiben werden“.

In der Diskussion um Bußgelder für falsche Angaben auf den Corona-Listen in Restaurants und Kneipen positioniert sich der Dehoga-Vorsitzende pro Bußgeld, wenngleich die Wirte kaum Kontrollmöglichkeiten hätten. „Wir dürfen keine Ausweise verlangen.“ Die Listen seien indes momentan wichtiger denn je. „So sind alle auf der sicheren Seite“, meint Reichenauer. Einen weiteren Lockdown könne schließlich niemand wollen. Er appelliert deshalb an die Gäste, korrekte Daten anzugeben und an die Kollegen, solche Listen auch auszulegen.

Holger Reichenauer: „Gäste müssen sich sicher fühlen“

„Unsere Gäste müssen sich sicher fühlen“, sagt der Vorsitzende des Dehoga-Kreisverbands Waldhessen, Holger Reichenauer, mit Blick auf die diversen Anti-Corona-Maßnahmen und die Herbst-Winter-Saison im Gastrogewerbe. Denn seiner Erfahrung nach haben die Menschen durchaus noch Lust, auszugehen.

Für die Innenräume empfiehlt Reichenauer regelmäßiges Stoßlüften, um frische Luft zuzuführen. „Das ist am effektivsten, ganz einfach, für die Gäste sichtbar und auch noch kostengünstig“, so Reichenauer. Wer in spezielle Lüftungsanlagen oder andere technische Lösungen investieren wolle, sollte auf entsprechende Zertifizierungen achten. Informationen böten dazu auch der Landesverband des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands und die Berufsgenossenschaft.

Einige Gastwirte wollen indes die Außenbestuhlung stehen lassen, zum Beispiel Harry Ghebru, der in Bad Hersfeld das Sportlereck betreibt. „Das ist auch der Wunsch der Gäste, die uns in den vergangenen Wochen gut unterstützt haben“, so Ghebru, der schon ein paar Heizstrahler gekauft und weitere bestellt hat. Man wolle alles möglich machen, was geht, um die Gäste zu halten, zumal in diesem Jahr noch keine einzige Weihnachtsfeiern angemeldet worden sei. Der gelernte Hotelfachmann ist seit 1975 in der Gastronomie tätig, eine Situation wie jetzt habe er aber noch nie erlebt.

In der Kreisstadt sind auch Heizpilze laut Stadtsprecher Meik Ebert nicht verboten und natürlich sei Außengastronomie im Winter grundsätzlich möglich. Bisher sei das aus wirtschaftlichen Gründen aber schlicht nicht nachgefragt worden. Einzig während des Weihnachtsmarkts war Außenbestuhlung bislang nicht gestattet. Wer nun die Draußensaison verlängern wolle, müsse lediglich die Sondernutzungsvereinbarung mit der Stadt verlängern. Bis Ende des Jahres gelten noch die im Sommer um die Hälfte reduzierten Gebühren. „Wir wollen niemandem Steine in den Weg legen“, so Ebert. Eventuelle Änderungen und weitere Details seien in den kommenden Wochen Thema, auch mit Blick auf die geplanten Weihnachtsaktionen.

In Rotenburg ist die Situation ähnlich. Auch dort sind die umstrittenen Heizpilze nicht grundsätzlich verboten und Außengastronomie wäre auch im Winter ohne Weiteres möglich, so Ulf George, Leiter des Fachdienstes Bürgerservice und Ordnung. Erste Anfragen gab es laut George bereits. „Ökologisch sind die Heizpilze zwar nicht, aber wir wollen ein Angebot auch im Herbst und im Winter ermöglichen.“

Noch kein Thema ist eine Verlängerung der Draußensaison hingegen für Ralf Kramer, Inhaber der Biermanufaktur Rotenburg. Zwar gebe es immer Leute, die auch bei kälteren Temperaturen noch draußen sitzen möchten, Aufwand und Ertrag seien aber nicht kompatibel, wenn man es richtig machen wolle. Zumal das Lokal ausreichend Platz biete, um Abstand halten zu können. „Wir haben den Vorteil, dass wir von Anfang an großzügig geplant haben und achten sehr auf Desinfektion“, so Kramer. Nicht verstehen kann er Kollegen und Gäste, denen die Hygienemaßnahmen und Kontaktlisten offenbar egal sind. „Das ist fahrlässig.“ Bußgelder für falsche Angaben findet er deshalb grundsätzlich gut, „ohne Kontrollen bringen sie aber nichts“.

Im Hessischen Hof in Bebra ist der Biergarten schon geschlossen. „Das macht keinen Sinn“, sagt Chef Thorsten Rehs. Und auch Amedeo Branca, der in Schenklengsfeld die Pizzeria Amedeo betreibt, hat den im Sommer zwischenzeitlich geöffneten Biergarten wieder zugemacht. „Wir konzentrieren uns jetzt wieder auf den Liefer- und Abholservice.“ Alles andere lohne sich nicht.

Verband fordert Ausnahme für Heizpilze

„Kommunen, die derzeit ein Verbot von Heizpilzen haben, sollten es in diesem Herbst und Winter aussetzen“, sagte die Hauptgeschäftsführerin des Dehoga, Ingrid Hartges, dem „Tagesspiegel“. Wer keine andere Möglichkeit hat, sollte Gas-Heizpilze und Elektro-Wärmestrahler verwenden dürfen. Vielerorts sind sie aus Umweltschutzgründen verboten. Die Gas-Strahler stoßen klimaschädliches Kohlendioxid aus. Auch die Grünen halten eine Ausnahme aber für vertretbar.

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