Wochenendporträt: Christian Schmidt erhielt den großen Hersfeldpreis

Ein Mann, vier Rollen: Hersfeldpreisträger Christian Schmidt. Foto: Landsiedel/Zacharias

Bad Hersfeld. Gerade mal acht Tage hatte Christian Schmidt Zeit, um den doppelten Antipholus in der „Komödie der Irrungen" einzustudieren, nachdem der ursprünglich vorgesehene Hauptdarsteller krankheitsbedingt ausscheiden musste.

Wie hat er das geschafft? „So was funktioniert nur, wenn man in ein gut gemachtes Nest schlüpfen kann“, meint Christian Schmidt. Wedel sei ein außergewöhnlichen Regisseur, der sehr genau arbeite. Die Kollegen hätten ihn sehr gut unterstützt, betont er die Bedeutung der Teamarbeit im Ensemble.

Sich selbst hat Schmidt vor allem viel Disziplin abverlangt: „Um 7 Uhr aufstehen, Joggen gehen, Text lernen, proben, Text lernen - und völlig auf Alkohol verzichten.“ Während dieser Woche Probenzeit für die „Komödie der Irrungen“ fiel Schmidt in den Proben für die „Sommernachts-Träumereien“ aus, wo er als Theseus und Oberon ebensfalls eine Doppelrolle als Hauptdarsteller übernommen hat. Dafür musste dann eine weitere Woche konzentriert geprobt werden. Auch eine Doppelvorstellung hat Schmidt bewältigt.

Überzeugend verkörpert 

Der Einsatz hat sich gelohnt. Nicht nur die Publikumsreaktionen auf die beiden Shakespeare-Komödien zeigt ihm, dass er die Figuren überzeugend verkörpert. Auch die Kritikerjury war von seiner Leistung so angetan, dass sie ihn mit dem Großen Hersfeldpreis auszeichnete.

Diese intensive Arbeit empfindet Christian Schmidt als Geschenk. Und er ist glücklich, nun nicht nur vor, sondern auch in der Stiftsruine spielen zu können. Die hat er bereits 1999 bei seinem ersten Engagement in Bad Hersfeld kennengelernt, auch damals in einem Shakespeare-Stück. „Die Ruine war schon damals ein Kraftzentrum für mich“, schwärmt Schmidt. Spannend findet er aber auch das offenere, mehr improvisierte Spiel auf der Bühne im Park und die Möglichkeit, sich dort auf offener Szene bei hellem Tageslicht zu wandeln. Begeistert ist Schmidt von der Zusammenarbeit mit „einem Heer von Kleindarstellern“. Von ihnen gehe eine enorme Engerie aus, sagt er.

Mit Theater aufgewachsen 

Als Sohn eines Schauspielers ist Christian Schmidt mit dem Theater groß geworden. Besonders gerne hat er bei Proben zugesehen. „Ich war als Kind eher ein Zappelphilipp, aber bei den Proben konnte ich stundenlang stillsitzen“, erzählt er. Die Gerüche, die Kulissen, all der alte Zauber, „das hat mich fasziniert.“ Begeistert hat ihn auch die Vorstelung, sich immer wieder verwandeln zu können und das Wissen: „Man steht da oben und alle müssen einem zuhören“.

Der Schauspieler, der zuletzt in Stuttgart fest engagiert war und seit 2014 frei arbeitet, genießt es, zurzeit gefragt zu sein und freut sich auf seine erste eigene Regiearbeit, Schillers „Jungfrau von Orleans“ im Theater Altenburg/Gera. Die Möglichkeit, immer wieder etwas ganz Neues tun zu können, gehört zu den Dingen, die er am Schauspielerberuf liebt. Aber auch die stete Suche nach Wahrhaftigkeit, die intensive Auseinandersetzung mit Texten und den Kollegen schätzt Schmidt sehr.

Tradition in der Familie 

Die Theatertradition in der Familie - Schmidt ist mit der Schauspielerin Catherine Stoyan verheiratet - wird nun übrigens von Tochter Lara fortgesetzt. Sie hat gerade den Eignungstest für die Schauspielschule bestanden.

Von Christine Zacharias

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