Guter Ruf bis nach Namibia

Wochenendporträt: Klaus Reinhardt geht nach 25 Jahren als Chef am Hersfelder Eichhof in Ruhestand

Im Kuhstall fühlt er sich wohl: Klaus Reinhardt, der seit dem 21. Oktober 1991 Chef am Landwirtschaftszentrum Eichhof in Bad Hersfeld ist, und zum 31. Dezember in den Ruhestand geht. Sein Nachfolger steht noch nicht fest. Foto: Schmidt

Braach / Bad Hersfeld. Ein Running Gag im Hause Reinhardt aus Braach lautet wie folgt: Wann erreiche ich den Klaus am besten? Die Antwort von Ehefrau Kornelia, die er liebevoll Conny nennt: „Meld dich mal, wenn es dunkel ist.“ Denn tagsüber ist der Chef vom Landwirtschaftszentrum Eichhof in Bad Hersfeld immer unterwegs.

Das ändert sich zum 31. Dezember. Denn dann geht der 61-Jährige nach etwas mehr als 25 Jahren als Abteilungsleiter im Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen in den Ruhestand. „Ich hatte mir als Ziel gesetzt, an mindestens 80 Prozent der Tage zufrieden nach Hause zu kommen. Das habe ich erreicht“, zieht Reinhardt Bilanz, auch wenn man in seinem Beruf nie fertig werden würde.

Als große Freude hat er es empfunden, so lange in der Heimat wirken zu dürfen: „Da wo man glücklich ist, ist man leistungsfähig“. Sieben Minister hat er erlebt, stets guten Kontakt zur Politik gepflegt, mit vier Reformen klarkommen müssen und war stets bestrebt, „das Haus zusammenzuhalten“.

„Trotz der Einschnitte hat sich der Eichhof dank vieler Topleute stetig entwickelt und somit im Vergleich zu Einrichtungen anderer Bundesländer immer Stand gehalten“, lobt er. Dank des Clous, Teile des Fraunhofer Instituts am Standort etablieren zu können, sei man im Bereich des Energiesektors sogar führend. Einschließlich des Bieneninstituts Kirchhain und des Gartenbaus Geisenheim, die zum Eichhof zählen, besteht das Team aus 125 Personen.

Der Bildungssektor spielt am Eichhof eine große Rolle. 3000 Lehrgangsteilnehmer gibt es pro Jahr. Für die Momente, in denen es (zu) stressig wurde, hatte der Braacher eine Lösung: „Wenn ich mal eine Schreibtischpause brauchte, bin ich einfach in den Kuhstall oder aufs Versuchsfeld gegangen. Da kommt man schnell auf den Boden der Tatsachen zurück“. Ein bodenständiger Bauer eben, der offen für Kultur ist. Das erklärt die Unterstützung und den guten Kontakt zu den Bad Hersfelder Festspielen. Und warum sich seit über 30 Jahren Schauspieler und Intendanten im Fachwerkhof des zentralen Schlossgebäudes die Klinke in die Hand geben. 250 Zuschauer finden bei leichter Muse und gern zu einem gepflegten Rotwein Platz.

Reaktionen gibt es aus aller Welt. Vor Jahren machte der 61-Jährige mit seiner Frau Conny Urlaub im afrikanischen Namibia. Im Camp – für den gewissenhaften Jäger mit dem passenden Namen Halali – im Etosha-Nationalpark lernten sie ein Paar aus Frankfurt kennen. Dieses wusste Hersfeld von den Festspielen am Eichhof zu schätzen. So klein ist die Welt.

Reisen rücken bald mehr in den Fokus der Reinhardts. Touren zu Freunden in Nordskandinavien sind ebenso angesagt wie Wandern in den Bergen und die Nordsee. Zudem hat er auf dem 2000 Quadratmeter großen Grundstück in Braach genug im Garten zu tun.

Darüber hinaus bewirtschaftet er eine Waldjagd vor den Toren Rotenburgs. „Zeit ist der knappe Faktor. In Zukunft werde ich die Dinge entschleunigen“, betont er. Ehrensache, dass sein klassisches Handy von Nokia bald ebenfalls mehr Pausen bekommt. (sbs)

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