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Zwei Abschiede und ein Aufreger

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Von: Nadine Meier-Maaz

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Nadine Meier-Maaz
Nadine Meier-Maaz © Eisenberg, Jan-Christoph

In unserer Wochenkolumne „Zwischen den Zeilen“ geht es um eine Kultkneipe, ein Baby, das jetzt laufen kann, und Kotbeutel - und das alles in einem Beitrag.

Echte Kneipen gibt es nicht nur in den Dörfern kaum noch – eine Entwicklung, die laut Statistischem Bundesamt in ganz Deutschland schon vor mehr als zehn Jahren eingesetzt hat. Und schon damals war dieser Trend auch im Kreis Hersfeld-Rotenburg erkennbar. 2010 war die Zahl der Schankwirtschaften von 130 im Jahr 2001 auf nur noch 100 gesunken und seitdem haben noch ein paar mehr Kneipen dichtgemacht.

Die Gründe sind vielfältig: Rauchverbot, verändertes Konsumverhalten, Krankheit, Alter und Nachfolgermangel – und jüngst auch noch die Corona-Pandemie, die den Gastwirten gar Zwangspausen bescherte.

Die Schotten dicht macht Mitte dieses Jahres nun auch die Bad Hersfelder Kajüte, in der in den vergangenen Jahren zwar auch diverse Motto-Veranstaltungen zunehmend junges Partypublikum anzogen, die aber wohl zweifellos noch als typische Kneipe, wenn nicht gar als Hersfelder Kult-Location, gilt. Bekannt gegeben hat die Inhaberin das Aus auf Facebook, die sich ansonsten jedoch noch bedeckt hält. Eines stellt sie allerdings klar: Mit Corona habe die zudem absolut freiwillige Schließung nichts zu tun. Ob sich eventuell ein neuer Kapitän für die Kajüte findet, ist noch offen.

Ein Abschied steht derweil auch in Haunetal an. Ende Juni verlässt die Koordinatorin des Mehrgenerationenhauses, Martina Allmeroth-Akien, nach sechs Jahren die Marktgemeinde. Die studierte Sozialpädagogin aus Schwarzenhasel, die schon auf Tobago in der Karibik gelebt und am HKZ Rotenburg die Sozialberatung geleitet hat, wechselt aus persönlichen Gründen nach Rotenburg, wo sie als Koordinatorin des Gemeinwesens der Stadt beginnt und täglich etliche Kilometer Arbeitsweg spart. Allmeroth-Akien hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Projekte angestoßen, Kontakte geknüpft, Angebote geschaffen und mit ihrer dynamisch-offenen Art so manchen Haunetaler zu ehrenamtlichem Engagement animiert. Auch sie selbst geht mit einem weinenden Auge, wie sie sagt, und hofft auf einen nahtlosen Übergang und eine schnelle Neubesetzung der Stelle. Dass das „Baby nun läuft“, sei für den Nachfolger oder die Nachfolgerin aber vielleicht auch von Vorteil. Genauso dürfte es der Gemeinde gehen, die die frei werdende Stelle inzwischen öffentlich ausgeschrieben hat.

Heikle Themen scheinen in vielen Kommunen übrigens die Hundesteuer und Kotbeutel zu sein. Kaum wird die Steuer um einen niedrigen zweistelligen Betrag pro Jahr erhöht, gehen die Beschwerden ein, wie zuletzt beispielsweise in Hauneck. Klar, alles wird teurer und manch einer muss den Euro mindestens zweimal umdrehen. Doch wer sich einen Hund oder gleich mehrere Tiere leistet, samt Futter, Tierarztkosten und so weiter, muss ohnehin tief in die Tasche greifen. Ob da zehn Euro für das erste Tier oder 15 für das zweite einen so großen Unterschied machen? Zumal wohl die wenigsten Städte und Gemeinden die Steuer aus Böswilligkeit oder ohne Grund erhöhen.

Und das nächste Aufregerthema sind die Kotbeutel, die dafür sorgen sollen, dass Wege und Plätze sauber und frei von tierischen Tretminen bleiben. Viele Kommunen stellen diese an gut frequentierten Stellen inzwischen kostenfrei zur Verfügung, haben dann aber die Arbeit und den Ärger, wenn die Spender neu befüllt werden müssen, die Tüten in der Landschaft statt im Müll landen oder dreiste Zeitgenossen gleich einen ganzen Schwung auf Vorrat mitnehmen. Das ist ungehörig und gefährdet diesen Service, zumal man sich fragen kann, ob sich um die Hinterlassenschaften überhaupt die Allgemeinheit kümmern muss anstatt der Hundebesitzer selbst? (Nadine Meier-Maaz)

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