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Wortakrobaten mit Schalk im Nacken: Lesung mit Fried Wolff und Wolfgang Gellert

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Von: Thomas Landsiedel

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Noch mal davon gekommen: Fried Wolff (links) und Wolfgang Gellert präsentierten im Bad Hersfelder Buchcafé Wortakrobatik, Gedichte, Anekdoten und Gesang.
Noch mal davon gekommen: Fried Wolff (links) und Wolfgang Gellert präsentierten im Bad Hersfelder Buchcafé Wortakrobatik, Gedichte, Anekdoten und Gesang. © Thomas Landsiedel

Die norddeutschen Künstler Fried Wolff und Wolfgang Gellert präsentierten im Bad Hersfelder Buchcafé Wortakrobatik, Gedichte, Anekdoten und Gesang.

Bad Hersfeld – Ein höchst vergnüglicher Abend mit dem norddeutschen Künstlerduo Fried Wolff und Wolfgang Gellert ließ das begeisterte Publikum im Bad Hersfelder Buchcafé zumindest für gute eineinhalb Stunden die aktuellen Schreckensmeldungen von der Corona-Pandemie bis hin zum Überfall Putins auf die Ukraine vergessen.

Mit ihrem kurzweiligen Programm „Wir sind noch mal davon gekommen“ – oder müsste man angesichts der aktuellen Ereignisse vielleicht nicht besser sagen „Wir sind bislang davon gekommen“ – präsentierten die beiden Schauspieler in einem mitreißenden Feuerwerk aus Wortakrobatik, Gedichten, Anekdoten und Gesang sozusagen das Beste aus einunddreißig gemeinsamen Jahren auf der Kleinkunstbühne.

„Überall ist Wunderland. Überall ist Leben“ reimte der deutsche Lyriker Joachim Ringelnatz vor nahezu 100 Jahren und weiter, ganz den Schalk im Nacken wie sein Alter Ego Kuttel Daddeldu „Bei meiner Tante im Strumpfenband wie irgendwo daneben“.

Gellert und Wolff hatten, ebenso wie ihr Publikum, nicht nur an den Versen von Ringelnatz und den Geschichten von Wilhelm Busch sichtlich ihren Spaß. Vergnügliche Gedichte wie Wilhelm Rudniggers „Der Gaskassier“, deftige Balladen wie Fritz Graßhoffs „Ritter Prunz von Prunzelschütz“ oder das bissige, tiefschwarze Couplet „Der Karmeliter“ von Zupfgeigenhansel kamen bei den Zuschauern bestens an und sorgten für viel spontanen Applaus. Selbst über surrealistische Vierzeiler wie „Wenn du einen Schneck behauchst, schrumpft er ins Gehäuse. Wenn du ihn in Kognak tauchst, sieht er weiße Mäuse“ wurde lange und herzhaft gelacht. Fried Wolff sorgte mit Gitarre und Mundharmonika für die passende musikalische Begleitung und zeigte mit seiner einfühlsamen Vertonung des „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“, dass die beiden auch „ernst“ können.

Unterm Strich eine wunderbare Zusammenstellung aus witzigen, geistreichen, manchmal frivolen und nicht ganz jugendfreien Texten, an denen alle Anwesenden, egal ob vor oder auf der Bühne, nach langen Monaten der kulturellen Abstinenz spürbar ihr Vergnügen hatten. (Thomas Landsiedel)

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