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Zahl der Arbeitslosen sinkt - Vermittlung scheitert oft an fehlender Berufsausbildung

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Von: Mario Reymond

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Ein Schild mit dem Logo der Arbeitsagentur, ein Mann im Hintergrund.
Symbolbild Agentur für Arbeit © Markus Scholz/dpa

Die Arbeitslosigkeit in Waldhessen ist im Oktober weiter gesunken. Zum Ende des Monats lag die Zahl der Arbeitslosen mit 2326 um 64 niedriger als im September.

Hersfeld-Rotenburg – Das geht aus dem aktuellen Arbeitsmarktbericht der Agentur für Arbeit Bad Hersfeld-Fulda hervor. Die Arbeitslosenquote beträgt nun 3,6 Prozent gegenüber 3,7 Prozent im Vormonat. Im Vergleich zum Oktober 2021 ist jedoch ein Anstieg um 220 Arbeitslose zu verzeichnen. Das sei auf den Sondereffekt der Fluchtmigration aus der Ukraine zurückzuführen.

Derzeit werden vom Landkreis 1600 Ukraine-Flüchtlinge betreut. 480 davon seien als Arbeitslose in der Statistik des Kreisjobcenters (SGB II) geführt, erläuterte René Bieber, Fachbereichsleiter Arbeit und Migration beim Landkreis Hersfeld-Rotenburg, während einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Agentur für Arbeit Bad Hersfeld-Fulda m Landratsamt in Bad Hersfeld.

Sowohl bei der Arbeitsagentur als auch beim Kreisjobcenter verzeichnete man dennoch einen Rückgang der Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vormonat. Bei der Agentur für Arbeit sind aktuell 634 Menschen erwerbslos gemeldet – 55 weniger als im September und sogar 178 weniger als vor einem Jahr. Das Jobcenter des Landkreises wies mit 1692 Arbeitslosen ein Minus von neun auf. Aufgrund der Betreuung und Begleitung ukrainischer Flüchtlinge bedeutete das gegenüber dem Vorjahresmonat jedoch einen Anstieg um 398 Personen.

„Trotz vielfältiger Herausforderungen und negativer Prognosen stellen wir erfreulicherweise eine leichte Herbstbelebung des Arbeitsmarktes fest“, erklärte Waldemar Dombrowski, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Bad Hersfeld-Fulda.

In nahezu allen Altersgruppen sank demnach die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vormonat. Insbesondere jüngere Menschen unter 25 Jahren profitierten laut Dombrowski von dieser Entwicklung. Aktuell suchen 246 Arbeitslose unter 25 Jahren einen Job. 30 weniger als noch Ende September. Was eine Vermittlung dieser jungen Menschen so schwierig mache, sei bei vielen die fehlende Berufsausbildung. „74 Prozent dieser Arbeitslosen haben nie eine Ausbildung abgeschlossen“, so Dombrowski. Mit Blick auf alle 2326 Arbeitslosen hätten laut Dombrowski 68 Prozent keine abgeschlossene Berufsausbildung vorzuweisen.

Viele Branchen suchen noch Fachkräfte

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen – Menschen, die seit mindestens zwölf Monaten ohne Job sind – ist im Landkreis Hersfeld-Rotenburg im Vergleich zum Vorjahr um 63 auf nunmehr 799 gesunken. Dies wertet Waldemar Dombroski, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Bad Hersfeld-Fulda, als positiv, zumal die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Vorjahresmonat um 220 Frauen und Männer auf nunmehr 2326 Personen angewachsen ist.

Derweil hat der Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur in der Region im Oktober 277 Stellen akquiriert. Das waren 38 mehr als im September. Der Bestand an offenen Stellen liegt mit 1145 um 16,5 Prozent unter dem Vorjahreswert.

In vielen Branchen und Bereichen besteht dennoch ein hoher Bedarf an Personal, unter anderem im Baubereich sowie im Hotel- und Gaststättengewerbe. Auch spezialisierte Fachkräfte werden gesucht, wie beispielsweise Geologen/Geowissenschaftler, Eisenbahner/Betriebsdienst-Lokführer, Elektroingenieure mit Spezialausbildung, Mautkontrolleure sowie ein Energiemanager.

„Um den Fachkräftebedarf zu decken, könnten auch die aus der Ukraine geflüchteten Menschen beitragen“, wie Erster Kreisbeigeordneter Dirk Noll betonte. Dafür müssten jedoch erst in vielen Bereichen Sprachbarrieren abgebaut werden. Derzeit bietet der Landkreis 18 Deutschkurse an, an denen sich 300 Flüchtlinge aus vielen Ländern beteiligten.

„Die Aufnahmefähigkeit des Arbeitsmarktes hat dem kommunalen Jobcenter auch im Oktober 2022 Integrationen in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung ermöglicht. Allerdings bleibt der Bestand an erwerbsfähigen Leistungsberechtigten aufgrund von Zugängen nahezu konstant und reduziert sich nur gering. Ukrainische Flüchtlinge sorgen immer noch für steigende Fallzahlen. Auch wenn bereits ukrainische Flüchtlinge mit lediglich geringen Sprachkenntnissen in den Arbeitsmarkt eingemündet sind, stellt der Spracherwerb nach wie vor ein Nadelöhr im Bereich der Vermittlung in Arbeit und Ausbildung dar“, erklärte der Erste Kreibeigeordnete.

Die Unterbeschäftigungsquote – sie erfasst auch Menschen in „arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen“, vorübergehend Erkrankte und Menschen über 58 Jahre, die Hartz-IV erhalten – beträgt weiterhin 4,5 Prozent (Vorjahresmonat: 4,1 Prozent). (Mario Reymond)

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