Menschen brauchen Pflege

Zahl der Pflegebedürftigen im Kreis Hersfeld-Rotenburg um 8,1 Prozent gestiegen

Symbolbild Pflege: Eine junge Hand hält eine alte Hand.
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Symbolbild Pflege: Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt. Körperliche Nähe ist jedoch in Zeiten von Corona schwierig.

Im Landkreis Hersfeld-Rotenburg gibt es mehr pflegebedürftige Menschen. Ihre Zahl ist innerhalb von zwei Jahren um 8,1 Prozent auf 7 704 gestiegen.

Hersfeld-Rotenburg - Das waren 580 (8,1 Prozent) mehr Personen, die Leistungen der sozialen Pflegeversicherung erhalten, als im Jahr 2017, berichtet die Krankenkasse IKK classic anhand aktueller Daten des Hessischen Statistischen Landesamtes. Die Daten stammen vom Hessischen Statistischen Landesamt und werden alle zwei Jahre erhoben. Die Statistik erscheint ca. zwölf Monate nach dem Berichtsjahr.

Im Jahr 2019 wurden im Kreis 1 414 pflegebedürftige Menschen in vollstationären Pflegeeinrichtungen und 1 454, also mehr als die Hälfte, von ambulanten Pflegediensten zu Hause betreut. 425 Menschen hatten Anspruch auf einen sogenannten Entlastungsbetrag in Höhe von 125 Euro pro Monat.

„Leicht zugenommen hat auch die Anzahl der Pflegegeldempfänger, die ausschließlich von Angehörigen betreut werden. Sie ist im Landkreis Hersfeld-Rotenburg zwischen Dezember 2017 und Dezember 2019 um 4,9 Prozent auf rund 4 400 gestiegen“, sagt Stefan Hartung, mobiler Pflegeberater der IKK classic. Dabei sei der Anstieg in Hersfeld-Rotenburg vergleichsweise gering. In Hessen sei die Zahl der Pflegegeldempfänger in den zwei Jahren um 18,7 Prozent gewachsen.

Den immer größer werdenden Bedarf an Pflege und Unterstützung stellen auch die Pflegedienste im Kreis fest. „Wir können gar nicht mehr alle Anfragen aufnehmen, weil einfach nicht genug Personal da ist“, erklärt Elke Minde, Pflegedienstleiterin der Gemeindediakoniestation Bad Hersfeld, die für die Stadt Bad Hersfeld und die Gemeinden Ludwigsau und Neuenstein zuständig ist. 150 Personen, mal mehr, mal weniger, werden derzeit von der Station versorgt, die Nachfrage sei deutlich größer.

Mit Sorge beobachtet Minde auch die zunehmende Vereinsamung in Folge der Corona-Pandemie. „Das ist sehr traurig“, stellt sie fest. Die Pflegekräfte seien dann oft die einzigen Ansprechpartner.

Mehr Menschen können Leistungen in Anspruch nehmen

„Der demografische Wandel und die steigende Lebenserwartung tragen dazu bei, dass die Zahl der Pflegebedürftigen seit Jahren ansteigt. Dank gesetzlicher Maßnahmen können zudem mehr Menschen Leistungen in Anspruch nehmen“, erläutert Stefan Hartung, mobiler Pflegeberater der Krankenkasse IKK classic.

In den Erstgesprächen mit Hilfsbedürftigen und deren Angehörigen zeige sich laut Hartung, dass das Thema Pflege für viele „Neuland“ ist. „Solange alles in Ordnung ist, ist Pflege für viele ein Tabuthema. Auf die Hilfe anderer angewiesen zu sein ist schließlich kein schöner Gedanke.“

Elke Minde, Pflegedienstleiterin Gemeindediakoniestation Bad Hersfeld

Diese Erfahrung hat auch Elke Minde gemacht. Viele alte Menschen lebten alleine und hätten keine Familienangehörigen vor Ort, die sich kümmern und kleine Dinge übernehmen könnten. Wenn es dann jemanden auffiele, dass Hilfe gebraucht werde, seien die Probleme oft schon groß. „Mit den Füßen fängt es an“, hat Elke Minde beobachtet. Die könnten Menschen mit eingeschränkter Beweglichkeit nicht mehr erreichen. Auch Unterstützung im Haushalt werde oft benötigt. Darum kümmere sich dann der Verein Taube.

Wenn Stefan Hartung die Versicherten zu Hause besucht, warten meist ältere Menschen auf ihn. Hinter den Türen treffe er aber auch auf junge Frauen oder Männer, deren Leben durch einen Unfall oder eine plötzliche Krankheit von heute auf morgen auf den Kopf gestellt worden sei, berichtet er. Manchmal öffneten auch die Eltern von betroffenen Kindern die Tür. „Pflegebedürftigkeit ist keine Frage des Alters“, betont Hartung. Daher sei es auch sinnvoll, sich mit dem Thema frühzeitig auseinanderzusetzen.

„Eine Patientenverfügung regelt beispielsweise, welche ärztlichen Maßnahmen zur medizinischen Versorgung man wünscht oder ablehnt, wenn bei einer schweren Krankheit oder nach einem Unfall der eigene Wille nicht mehr geäußert werden kann“, so der Pflegeberater. Eine solche Erklärung schütze auch Angehörige vor schweren Fragen und Entscheidungen, deshalb sollten diese bereits bei der Erstellung der Patientenverfügung miteinbezogen werden.

Hier gibt es Rat und Hilfe

Wer eine Beratung benötigt, nach einem geeigneten Pflegedienst oder Pflegeheim sucht, kann sich an die Pflegekasse seiner Krankenversicherung wenden.

Für Beratungen vor Ort stehen im Landkreis Hersfeld-Rotenburg zudem der Pflegestützpunkt, Klaustor 3 in Bad Hersfeld, Tel. 06621/87-5330 (Mitarbeiter der Pflegekasse) und Tel. 06621/87-5331 (Mitarbeiterin des Kreises) zur Verfügung. E-Mail: pflegestuetzpunkt@hef-rof.de (hef-rof.de/land-leute/pflegestuetzpunkt).

Rat und Hilfe gibt es auch bei der Seniorenberatung Waldhessen, Lindenstraße 1, Rotenburg a. d. Fulda, Tel. 06621 87-5322, Email: senioren-beratung.waldhessen@hef-rof.de, hef-rof.de/land-leute/senioren-seniorinnen/senioren-beratung-waldhessen. Ziel ihrer Arbeit ist es, die Eigenständigkeit und Selbstbestimmung von älteren Menschen so lange wie möglich zu erhalten. Durch ihre Angebote sollen Selbsthilfekräfte gestärkt und die Anbindung an die Gemeinschaft gefördert werden. (Christine Zacharias)

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