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Schokolade zerstört: Edeka-Leiter prangert Lindt an - Unternehmen weist Vorwurf zurück

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Von: Kim Hornickel

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Der Leiter mehrere Edeka-Märkte im Kreis Hersfeld-Rotenburg wirft der Firma Lindt vor, bewusst Schokolade zu vernichten. Diese weist die Vorwürfe zurück.

Bad Hersfeld – In sechs seiner 16 Lebensmittelmärkte haben Lindt-Vertreter kurz vor Weihnachten Schokolade zerstört, erklärt Ehrenfried Schorn, der den Edeka-Markt an der Schlosserstraße in Bad Hersfeld leitet. Weil Schorn auch zur Geschäftsleitung der Firma Thorsten Hellwig Edeka Verbrauchermärkte gehört, die zahlreiche Geschäfte in der Region betreibt, weiß er, dass das brachiale Verhalten der Lindt-Vertreter kein Einzelfall ist.

Und die Beweisstücke hatte er kurze Zeit später auch in der Hand. „Mein Marktleiter auf der Hohen Luft kam zu mir und hat mir die Ware gezeigt“, erzählt Schorn. Mit Stiften und Messern hatte eine Vertreterin tiefe Rillen in die eigentlich noch genießbare Schokolade im Markt an der Hohen Luft geritzt – weil das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) Ende Januar abgelaufen wäre.

Lindt-Mitarbeiterin zerstört in Bad Hersfeld Schokolade kurz vor Ablauf der Mindesthaltbarkeit

Lindt habe die Schokolade zerstört, um möglicherweise einen reduzierten Weiterverkauf zu unterbinden, vermutet Schorn. „Normalerweise haben wir die kurz vor dem Ablauf des MHD stehende Schokolade reduziert, an Mitarbeiter verschenkt oder an die Tafel gespendet“, doch das war nach der Schlitzaktion nicht mehr möglich.

So sehen die beschädigten Schokoladentafeln der Firma Lindt aus.
So sehen die beschädigten Schokoladentafeln aus. © Edeka-Markt Hohe Luft/Privat

Zu unsicher seien die hygienischen Umstände, sorgt sich Schorn. „Wer weiß, wo das Messer vorher war.“ Über die Lebensmittelverschwendung der Lindt-Vertreter ist er erschüttert. „Ich hatte so eine Wut, erst ging es mit den Schokotafeln los und dann sind sie an die Pralinés gegangen. Die Vertreterin hat die Tüten, die sie nicht aufschlitzen konnte, einfach aufgerissen.“

Edeka-Leiter in Bad Hersfeld empört über Lebensmittelverschwendung von Lindt

Schorn wird zwar, wie alle Marktleiter, routinemäßig für die vernichtete Ware entschädigt, doch die Verschwendung ärgert ihn so sehr, dass er den Fall publik macht. Der Edeka-Leiter wendet sich an die Medien und die Geschichte über die wahllos Lebensmittelverschwendung geht wie ein Lauffeuer um.

Mittlerweile hat ihn sogar eine Consultingfirma, die im Auftrag des Bundes zum Thema Nachhaltigkeit forscht, kontaktiert. Schorn erklärt, schickt Beweisbilder und ist aufgebracht, doch sein Einsatz hat schon Wirkung gezeigt. Zwar hat sich die Firma Lindt nicht direkt an Schorn gewandt, auf ihrer Internetseite bezieht Lindt aber Stellung zu „Berichten zur Vernichtung von Ware durch Lindt & Sprüngli Mitarbeiter die kurz vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums (MHD) stehen“.

Lindt spricht von Einzelfall bei zerstörter Schokolade in Bad Hersfeld

Das Unternehmen weist die Schuld grundsätzlich von sich und betont, intakte Lebensmittel zu zerstören, verstoße gegen die Unternehmensphilosophie. „Lebensmittelvernichtung liegt uns als Unternehmen fern und ist keine gängige Praxis“, schreibt die Firma und spricht von einem Einzelfall. Das Unternehmen habe den Fall „mit dem Mitarbeitenden besprochen“ und „alle Mitarbeiter für das wichtige Nachhaltigkeitsthema sensibilisiert“, um „diese Praxis in Zukunft ausschließen zu können“.

Ehrenfried Schorn kann der Stellungnahme nichts abgewinnen, er weiß seit der Vorkommnisse aus seinen sechs Märkten, dass es kein Einzelfall war und er macht auf einen weiteren kritischen Punkt aufmerksam. „Die Schokolade soll wohl in Zukunft in den Outlets von Lindt verkauft werden“, sagt Schorn.

Verschwendung in Bad Hersfeld: Lindt will abgelaufene Schokolade in Zukunft quer durchs Land fahren

Bisher wurde die vor dem Ablauf des MHD stehende Ware zwar mit einem Filzstift markiert – so die eigentliche Vorgehensweise der Lindt-Vertreter – und so regulär unverkäuflich gemacht, aber die Ware blieb vor Ort. „Wenn diese Schokolade in Zukunft aussortiert und im Sommer quer durchs Land zu den Outlets gefahren wird, ob das noch schmeckt?“ Schorn hat seine Zweifel.

Wichtig ist ihm aber erst einmal, dass es nicht wieder zu solch einer Verschwendung von Lebensmitteln kommt. „So etwas habe ich noch nie erlebt. Das ist dreist. Hätte ich das gleich mitbekommen, hätte ich die Vertreter rausgeschmissen“, sagt Edeka-Geschäftsleiter Schorn entschlossen. (Kim Hornickel)

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