32-jähriger Wildecker zu drei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt

Drogenhandel: Zeugen erinnern sich vor Gericht nicht an Angeklagten

Bad Hersfeld/Wildeck. Der Konsum von Drogen hat offenbar negative Auswirkungen auf das Erinnerungsvermögen. Das wurde vor dem Bad Hersfelder Schöffengericht gestern mehr als deutlich. 

Dort stand ein 32 Jahre alter Mann aus Wildeck vor Gericht, dem der gewerbsmäßige Handel von Cannabis und Amphetaminen für den Zeitraum von August 2013 bis Januar 2014 vorgeworfen wurde.

Alleine die geladenen Zeugen mochten sich – bis auf zwei Kriminalbeamte – nicht an frühere Aussagen erinnern. So will einer der Zeugen nie Drogen von dem Angeklagten erworben haben. Wie dessen Name in eines seiner Vernehmungsprotokolle gerutscht sei, entziehe sich seiner Kenntnis.

„Der Dicke aus Eisenach“

Eine weitere Zeugin, die mit einem Drogenhändler befreundet war, hatte bei der Polizei ein Foto des Angeklagten vorgelegt und ihn als den „Dicken aus Eisenach“ bezeichnet. Gestern vor Gericht erkannte sie den Angeklagten nicht wieder. „Den habe ich noch nie gesehen“, erklärte sie dem Gericht. Und ein dritter Zeuge, ebenfalls Drogenkonsument, war erst gar nicht zur Verhandlung erschienen.

So blieben schlussendlich von den neun angeklagten Vergehen nur noch sieben übrig. Für den Verkauf von Amphetaminen und Cannabis an einen Mann, der für seine Monatsration 120 Euro bei dem 32-jährigen Wildecker ausgab, forderte Staatsanwältin Dr. Christine Seban eine Freihheitsstrafe von sechs Monaten. Für den Besitz von 29,4 Gramm Cannabis und 26,5 Gramm Amphetaminen, die bei einer Durchsuchung in der Wohnung des Beschuldigten entdeckt worden waren, packte sie noch einmal vier Monate zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zehn Monaten drauf. Diese wollte sie für drei Jahre auf Bewährung ausgesetzt wissen. Zudem habe sich der Angeklagte einer Therapie zu unterziehen, einen Bewährungshelfer zu akzeptieren und 100 Stunden Sozialdienst abzuleisten. Rechtsanwalt Jochen Kreissl schloss sich inhaltlich den Ausführungen der Staatsanwältin an.

Richter fordert Urintest

Auch das Urteil von Richter Michael Krusche entsprach weitestgehend den Forderungen der Staatsanwaltschaft. Krusche möchte sich jedoch davon überzeugen, dass es der Wildecker Ernst mit seinem Drogenentzug meint. So muss er bis zum 20. Dezember eine Urinkontrolle abgeben und seine stationären Entzug auch tatsächlich antreten. Dafür solle dann auch der zu benennende Bewährungshelfer des Wildeckers Sorge tragen.

Von Mario Reymond

Rubriklistenbild: © dpa

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