Neues Leben statt Abriss

Zuse-Gebäude in Bad Hersfeld: Architekt plant Haus im Haus

Soll saniert werden: Die sogenannte Zuse-Scheune an der Ecke Ecke Dippelstraße/Wehneberger Straße in Bad Hersfeld, der bereits der Abriss drohte. Die Stadt spricht bewusst von Zuse-Gebäude und nicht von Scheune. Das Thema Abriss scheint nun vom Tisch – der neue Eigentümer hat die Ideen für die Neugestaltung vorgestellt.
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Soll saniert werden: Die sogenannte Zuse-Scheune an der Ecke Ecke Dippelstraße/Wehneberger Straße in Bad Hersfeld, der bereits der Abriss drohte. Die Stadt spricht bewusst von Zuse-Gebäude und nicht von Scheune. Das Thema Abriss scheint nun vom Tisch – der neue Eigentümer hat die Ideen für die Neugestaltung vorgestellt.

Sanierung statt Abriss: Die Pläne für die Neugestaltung der sogenannten Zuse-Scheune in Bad Hersfeld sind nun vorgestellt worden. Geplant ist ein Haus-im-Haus-Konzept.

Bad Hersfeld – Darauf haben viele Hersfelder gewartet: Der neue Eigentümer des ehemaligen Zuse-Gebäudes an der Kreuzung Dippelstraße/Wehneberger Straße will das Objekt sanieren (unsere Zeitung berichtete bereits). Jetzt haben die Gesellschafter der Mittelhessischen Bauhütte UG, Björn Trieschmann und Lars Wilhelm, die konkreten Pläne im Rathaus vorgestellt.

Darauf weist die Stadt nun in einer Pressemitteilung und in ihrem aktellen Newsletter hin. Vor dem Termin im Rahaus hatte sich der neue Eigentümer noch nicht öffentlich zu den Plänen äußern wollen.

Haupttätigkeitsbereich der beiden Gießener Unternehmer sei die Entwicklung, neue Strukturierung und Revitalisierung von überwiegend denkmalgeschützter Altsubstanz – dazu zählten unter anderem die Zehntscheune in Bad Nauheim, die Reehmühle in Biebertal und die Alte Molkerei in Alsfeld.

So soll es werden: Die Visualisierung zeigt das geplante Haus-im-Haus-Konzept für das ehemalige Zuse-Gebäude.

Auf den ersten Blick werde das historische Zuse-Gebäude künftig unverändert aussehen. Was die rotbraune Fassade aus Holz und Backstein an Neuem verbirgt, zeige sich im Inneren des Gebäudes, heißt es. „Unser Entwurf beinhaltet die sensible Einfügung einer neuen Lebensstruktur als Living-Hubs in die alte Denkmalsubstanz. Unser Konzept sieht 13 kleine maßgeschneiderte Module in Holzbauweise als "Haus im Haus" vor“, erläutert der aus Heringen stammende Architekt Björn Trieschmann. Dies sei ressourcen- und materialschonend in der Herstellung und reduziere somit die Umweltbelastung. „Altbausubstanz, welche vorhanden ist, muss man nicht neu bauen!“, so Trieschmann.

Die innere Hülle, von der alten Substanz gelöst, erfülle baubiologisch als auch bauphysikalisch alle Anforderungen an moderne Wohnräume und schaffe ein gesundes Wohnklima. „Oder anders gesagt: Durch die doppelten Wände bleiben Schadstoffe und Lärm draußen und die Energie drinnen. Die Beheizung ist als moderne Wärmepumpe oder alternativ als Brennstoffzelle geplant, welche auch Strom erzeugen soll“, erklärt der Architekt weiter.

So soll es werden: Die Visualisierung zeigt das geplante Haus-im-Haus-Konzept für das ehemalige Zuse-Gebäude.

Besonders reizvoll sei dabei, dass beide Baukörper ihre Identität behielten und sie dennoch räumlich miteinander verzahnt seien. Dies gelinge durch die geschickte Anordnung der Kuben auf dem bestehenden Grundriss des Bestandes. Im Inneren sollen verglaste Innenhöfe entstehen, welche den Hubs als Loggien dienen und dem Nutzer auch von dort den Blick auf die historische Gebäudehülle freigibt.

Um die Nachhaltigkeit des gesamten Projekts zu unterstreichen, soll das Haus aufgrund der Innenstadtlage komplett „Auto frei“ geplant werden. Anstelle von Pkw-Parkplätzen, die die Grünfläche versiegeln würden, wird eine Fahrradgarage inklusive Gründach mit Ladestationen vorgesehen. Zwei Anlieferungs- und Besucherparkplätze sollen vor dem Haus aber zur Verfügung stehen.

Die Gebäuderückwand, die Abbruchkante zum damals größeren Gebäudekomplex ist, werde als moderne Abschlusswand in Richtung der bestehenden Wohnbebauung gestaltet. Sie soll als glatte Schnittfläche zum Ausdruck bringen, dass der Bau früher wesentlich größer war, heißt es.

Bad Hersfelds Bürgermeister Thomas Fehling begrüßt die neuen Pläne: „Die ersten Ideen, Überlegungen und Skizzen des Investors sind vielversprechend. Vor allem lässt das Konzept buchstäblich genug Raum, um auch im Gebäude an die historische Bedeutung als frühem Computer-Produktionsstandort zu erinnern. Sollte so für einen verdienten Einwohner unserer Stadt – Konrad Zuse, einem Pionier mit Weltruhm – doch noch ein angemessenes Andenken entstehen, freut mich das sehr.“ Das Vorhaben könne laut Fehling auch gut in die touristischen oder kulturellen Aktivitäten der Stadt eingebunden werden.

Trieschmann und Wilhelm wollen nun die Ärmel hochkrempeln und in einem Jahr fertig sein. Der notwendige Bauantrag soll sobald wie möglich gestellt werden. (red/nm)

Streit um die Zuse-Scheune - Wiege des Computers

Die sogenannte Zuse-Scheune ist Teil der früheren Textilfabrik Rehn, deren Hauptgebäude für den Bau der Wohnanlage Zuse-Höfe abgerissen wurden. Die Firma Rehn bestand bis 1956, ab 1957 hatte Computerpionier Konrad Zuse die Fabrik zur Unterbringung seiner Computerfertigung gemietet. Im weitesten Sinne wurde also in der Zuse-Scheune der Computer entwickelt, was das Gebäude, das zwischen 1865 und 1930 entstanden ist, gewissermaßen zur Wiege des Computers macht. Mit der ISB Projekt GmbH von Ingo Sauer kam es zum Rechtsstreit, nachdem der ehemalige Eigentümer eine im Vertrag mit der Stadt zugesicherte Sanierung ablehnte und vor Gericht Recht bekommen hatte. Dagegen hatte dann das Hessische Landesamt für Denkmalpflege Berufung angekündigt. Um einem weiteren, jahrelangen Rechtsstreit zu entgehen, kam es schließlich zu einem überraschenden Verkauf. Architekt Björn Trieschmann erwarb das Gebäude von Investor Ingo Sauer für einen „mittleren fünfstelligen Betrag“, wie es hieß. (kai/nm)

Lesen Sie auch: Landesamt für Denkmalpflege will die Zuse-Scheune erhalten

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