Nach verbalem Streit gab es Schläge - Verfahren eingestellt

Zwei junge Männer wegen Verdachts der Erpressung in Bad Hersfeld vor Gericht

Statue der Justizia
+
Justizia (Symboldbild)

Homophobe und frauenfeindliche Äußerungen hatten zu einem Streit zwischen jungen Leuten aus Bad Hersfeld und Bebra geführt. Zwei Heranwachsende standen nun vor Gericht.

Bad Hersfeld – Der Umgangston zwischen den jungen Leuten, die sich am Montagmorgen vor dem Jugendschöffengericht in Bad Hersfeld trafen, war rau und nicht herzlich. „Hängt euch doch auf, ihr Schwuchteln“ – so kommentierte ein heute 19-Jähriger aus Bebra im Frühjahr 2019 ein Bild von zwei sich küssenden Männern, das er auf Instagram gefunden hatte.

Diese Aufforderung zum Suizid ging einer jungen Frau aus Bad Hersfeld eindeutig zu weit und veranlasste sie zu einem Kommentar, den wiederum der 19-jährige mit einer Flut unflätiger Beschimpfungen beantwortete. Das rief nun den Bruder der jungen Frau auf den Plan, der seinerseits die homophoben und frauenfeindlichen Äußerungen des jungen Bebraners unfreundlich kommentierte und zudem die Ehre seiner Schwester in den Dreck gezogen sah. Es gab allerlei Korrespondenz und Telefongespräche, bis sich der Bebraner und der heute 20-jährige Angeklagte schließlich am 18. Mai 2019 zu einem Gespräch verabredeten.

Warum er sich darauf überhaupt eingelassen habe, war schon der erste Punkt, den das Jugendschöffengericht unter Vorsitz von Michaela Kilian-Bock nicht verstand. Und warum er dann nicht weggerannt sei, als am vereinbarten Treffpunkt an der Brüder-Grimm-Schule in Bebra nicht nur der 20-Jährige auftauchte, sondern auch noch weitere Personen. Da habe ihm doch klar sein müssen, dass es Schläge geben werde.

Und die gab es tatsächlich. Bei der Polizei hatte der 19-Jährige von zahlreichen Schlägen und Tritten durch den 20-Jährigen und seinen gleichalten Mitangeklagten sowie durch weitere ihm unbekannte Personen berichtet. Ein ärztliches Gutachten berichtet von mehreren Prellungen und Verletzungen.

Die Angeklagten räumten jedoch nur einen einzigen Schlag ins Gesicht des 19-Jährigen ein, geführt von dem jungen Mann, dessen Schwester beleidigt worden war. Der andere sei ihm dann in den Arm gefallen und habe weitere Schläge verhindert, berichteten die Verteidiger der beiden, Hans J. Hauschild aus Fulda und Artak Gaspar aus Rotenburg.

Außer den Schlägen soll es auch noch eine Schutzgeld-Erpressung gegeben haben. Der Zeuge sei mehrfach zu Zahlungen aufgefordert worden, sonst gäbe es weitere Schläge, hatte Oberamtsanwältin Kirsten Diegelmann bei der Verlesung der Anklage festgestellt.

Vieles davon war jedoch, mit Ausnahme dessen, was die Angeklagten freiwillig einräumten, nicht wirklich zu beweisen. Rechtsanwalt Hauschild warf der Polizei vor, Beweise nicht ordentlich gesichert zu haben, unter anderem vermisste er eine Auswertung der Chats und Telefonate aus den Mobiltelefonen der Beteiligten. Und weil alle zwar gerichtsbekannt, aber nicht wirklich vorbelastet waren, einigten sich Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidiger schließlich darauf, das Verfahren gegen Auflagen einzustellen. Der eine Angeklagte, der noch zur Schule geht, erhält wegen der Körperverletzung die Auflage, 50 Stunden gemeinnützige Arbeit zu leisten, der andere muss 300 Euro an den Verein für Jugend- und Bewährungshilfe zahlen.

Das Verfahren wegen Erpressung wurde eingestellt, weil dieser Sachverhalt nicht mit der für eine Verurteilung erforderlichen Sicherheit nachgewiesen werden konnte, stellte Richterin Kilian-Bock fest. „Wehe, ich sehe Sie hier wieder“, gab sie den beiden Angeklagten, die jeweils auf einen guten Weg zu sein scheinen, mit auf den Weg. (Christine Zacharias)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.