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Zwei wollen auf den Chefsessel im Bad Hersfelder Rathaus

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Sie gehen in die Stichwahl um das Bürgermeisteramt in Bad Hersfeld: Anke Hofmann und Karsten Vollmar.
Sie gehen in die Stichwahl um das Bürgermeisteramt in Bad Hersfeld: Anke Hofmann und Karsten Vollmar. © Kai A. Struthoff/Nadine Meier-Maaz

Bad Hersfeld – Am 2. Oktober findet die Stichwahl um das Bürgermeisteramt in Bad Hersfelder statt. Mit den beiden Kandidaten, der unabhängigen Anke Hofmann und Karsten Vollmar von der SPD sprach Kai A. Struthoff.

Frau Hofmann, im ersten Wahlgang hatten Sie acht Prozent Vorsprung. Wie siegessicher gehen Sie in die Stichwahl?

Man darf sich nie siegessicher sein. Wichtig ist, dass die Wähler, die in der ersten Runde abgestimmt haben, nun auch zu Stichwahl gehen. Und man weiß auch nicht, wie die „Backhaus-Wähler“ entscheiden. Deshalb mache ich das weiter, was ich auch bisher gemacht haben: Mit den Leuten reden, auf mich aufmerksam machen und hoffen, dass die Menschen zur Wahl gehen.

Will Bürgermeisterin werden: Die parteilose Kandidatin Anke Hofmann.
Will Bürgermeisterin werden: Die parteilose Kandidatin Anke Hofmann. © Anke Hofmann

Sie hoffen vermutlich auch auf die Stimmen aus dem CDU-Lager. Warum sollten diese Wähler jetzt für Sie abstimmen?

Ich stehe dafür, dass es einen Wechsel gibt und nicht so weiter geht, wie bisher. Wichtig ist, dass wir miteinander reden und nach Themen entscheiden. Es spielt doch keine Rolle, welche Partei einen Vorschlag gemacht hat. Wichtig ist, Mehrheiten für einen Vorschlag zu finden. Ich gehe offen auf alle zu, aber natürlich hoffe ich, dass sich die CDU-Wähler für mich entscheiden.

Sie haben im Wahlkampf immer wieder Ihre erfolgreiche Arbeit als Hessentag-Beauftragte betont. Dabei ging es um ein zehntägiges Landesfest und es gab viel Unterstützung aus Wiesbaden, Korbach und von anderen. Qualifiziert Sie die Arbeit für den Hessentag also tatsächlich für das Bürgermeisteramt?

Nein, aber es ist ein Mosaikstein. Ich bin aber auch nicht angetreten, nur weil ich den Hessentag gut durchgeführt habe. Dabei habe ich aber Führungsqualitäten bewiesen.   Und Kollegen, die jetzt auf gleicher Stufe mit mir stehen, haben akzeptiert, dass ich den Hut aufhabe. Vor allem qualifizieren mich für das Amt aber meine Ausbildung und 35 Jahre Erfahrung in der Verwaltung.

Karsten Vollmar macht lange Kommunalpolitik, kennt die politischen Spielregeln und ist gut vernetzt. Sie sind eine ausgewiesene Verwaltungsexpertin, aber fehlt Ihnen nicht eben diese politische Komponente?

Das glaube ich nicht! Ich bin in vielen Sitzung anwesend und kenne daher eben diese politischen Ränkespiele. Aber genau die will ich ja nicht.  Ich möchte auf alle zugehen. Wir sind für den Bürger da, wir sind für ihn Dienstleister. Viele Dinge entscheidet zudem ja gar nicht der Bürgermeister, sondern der Magistrat oder das Stadtparlament. Natürlich gibt der Bürgermeister eine Richtung vor und möchte seine Sichtweise durchsetzen. Aber ich glaube, dass ich kommunikativ und diplomatisch genug bin, um mit allen zu reden.

Sie haben angekündigt, dass Sie im Falle Ihrer Wahl einen Büroleitenden Beamten einsetzen wollen. Wir haben gehört, dass Sie dem FDP-Fraktionschef Bernd Böhle, dieses Amt angeboten haben, dass er derzeit in Alheim bekleidet. Stimmt das?

(lacht) Nein, es gibt keine Überlegungen in diese Richtung. Ohnehin muss so eine Stelle ausgeschrieben werden. Zuvor müssen wir aber sehen, ob wir vielleicht im Haus geeignete Mitarbeiter dafür haben. Ein solcher Büroleiter muss natürlich eine Verwaltung kennen, aber nicht unbedingt die in Bad Hersfeld. Ich würde aber erstmal abwarten wollen, ob ich die Wahl gewinne, bevor ich über Stellen nachdenke.

Sie haben sich für ein Moratorium, also ein Überdenken, des Neubaus der Hochbrücke ausgesprochen. Bleiben Sie dabei?

Ich weiß, dass von verschiedenen Gruppierungen, wie etwa dem Lärmschutzbeirat, aber auch von der Stadt selbst, Einwände gegen dieses Projekt eingebracht wurden. Das muss geprüft werden, aber ich bin mir sicher, dass hier neu geplant werden muss, weil verschiedene Kriterien, wie etwa Verkehrszählungen, nicht berücksichtigt wurden. Ein Ersatzneubau, so wie bisher geplant, wird aber wohl nicht kommen, da bin ich mir ziemlich sicher.

Was ist die Alternative?

Mein großer Wunsch wäre es, dass die B364 nicht durch die Bad Hersfelder Innenstadt führt. Aber das muss man schon vom Neubau der Hochbrücke trennen, das sind unterschiedliche Verfahren. Aber ein vier-spuriges Bauwerk in dieser Größenordnung – das zweifele ich an.

Nennen Sie uns bitte noch mal schlagwortartig ihre wichtigsten Ziele als Bürgermeisterin?

Die Verwaltung soll bürgerfreundlicher werden. Sicherheit und Sauberkeit, sowie die Lebendigkeit der Stadt sind weitere Schlagworte. Dazu gehört ein Leerstandsmanagement. Wir müssen an alle Generationen denken und vor allem die Jugend nicht vergessen. Zum Thema Verkehrsführung gehört auch die Anbindung des Klinikums, und zwar künftig nicht mehr über den Seilerweg. Klimaschutz ist wichtig, wo er sinnvoll ist. Wir sollten Flächenversieglungen zurücknehmen, Fotovoltaik vorantreiben, Auch die Pflege der heimischen Wirtschaft ist mir wichtig, außerdem müssen wir Flächen für bezahlbaren Wohnraum und neues Gewerbe schaffen.

Sie wollen mit allen Parteien reden, sich Mehrheiten suchen. Ihre bisherigen Unterstützer von FWG, FDP und UBH reichen dafür nicht aus. Die Grünen scheinen gespalten, bei der CDU weiß man nicht. Haben Sie nicht Angst, dass Ihnen das gleiche Schicksal droht wie Thomas Fehling, der keine sichere Mehrheit hatte?

Nein, denn die Bürger wollen doch, dass wir nach Themen entscheiden und nicht danach, von welcher Partei ein Vorschlag kommt. Wir sind doch alle zum Wohle der Stadt angetreten. Warum sollten sich die Parteien guten Ideen verschließen. Das wäre ja nicht zum Wohle der Stadt.

Angenommen Sie werden gewählt: Wie sieht Bad Hersfeld dann am Ende Ihrer ersten Amtszeit in sechs Jahren aus?

Sauber und sicher. Außerdem wird die Stadt ein anderes Ansehen haben – intern und extern. Ich möchte, dass wir wieder stolz auf unsere Stadt sind. Wir haben beim Hessentag gezeigt, was wir zusammen erreichen können.   Daran müssen wir anknüpfen, mehr kommunizieren, die Bürger wieder wahrnehmen. Natürlich gibt es angefangene Projekte, die dann fertig sein müssen. Und es gibt es finanzielle und andere Unwägbarkeiten. Aber Bad Hersfeld ist auf einem guten Weg.

„Ein Ruck muss her“

Will Bürgermeister werden: Der SPD-Kandidat Karsten Vollmar.
Will Bürgermeister werden: Der SPD-Kandidat Karsten Vollmar. © Vollmar/SPD

Herr Vollmar, beim ersten Wahlgang hatte Ihre Konkurrentin Anke Hofmann acht Prozent mehr Stimmen als Sie. Warum glauben Sie, dass sich dieses Ergebnis in der Stichwahl ändern kann?

Die Wahl ist völlig offen! Wir hatten 57 Prozent Nichtwähler. Bei meinen täglichen Haustürbesuchen und anderen Kontakten höre ich, dass viele jetzt erst zur Stichwahl gehen werden, weil sie beim ersten Termin nicht konnten. Außerdem gibt es noch 16 Prozent CDU-Wähler. Um sie lohnt es sich zu kämpfen, und deshalb bin ich auch außerordentlich zuversichtlich nach den Rückmeldungen, die ich bekommen habe.

Sie hoffen auf die Stimmen der Wähler von Karsten Backhaus. Warum sollte aber ein CDU-Wähler ausgerechnet einen Sozialdemokraten wählen, zumal Frau Hofmann doch zumindest von Teilen der CDU unterstützt wird?

Ich glaube, dass CDU-Wähler an klassische Werte gebunden sind. Und das bin ich auch als werte-gebundener Sozialdemokrat. CDU-Wähler schätzen klare Mehrheiten, und sie wissen auch, dass man hier nur mit solchen Mehrheiten etwas bewegen kann.

Frau Hofmann ist ausgewiesene Verwaltungsexpertin und kennt die Stadtverwaltung aus dem Effeff. Warum glauben Sie, trotzdem der bessere Bürgermeister zu sein, oder konkret: Was können Sie besser als Frau Hofmann?

Mein Job besteht täglich darin zu gestalten. Und auch beim Job eines Bürgermeisters geht es im Wesentlichen um die gestalterische Komponente. Natürlich muss man auch verwalten können, das tue ich an meiner Schule täglich. Personal, Verwaltungsakte – und auch als Haupt- und Finanzausschuss-Vorsitzender habe ich damit langjährige Erfahrung. Aber es geht um das politische Gestalten, wie laufen politische Prozesse, wie kann man Mehrheiten organisieren. Das ist das Entscheidende für einen Bürgermeister. Dabei habe ich viel Erfahrung, aber nur Verwaltungserfahrung nutzt uns nichts.

In Ihrem Wahlkampfflyer loben Sie sich für Erfolge, die Sie entweder nicht allein umgesetzt haben – zum Beispiel den ICE-Halt – oder aber die noch gar nicht umgesetzt wurden, wie etwa das Festspielfunktionsgebäude. Schmücken Sie sich nicht mit falschen Federn?

Die Vorlagen zu diesen Entscheidungen stammen aus meiner Feder. Ich habe den ICE-Halt im Stadtparlament beantragt. Auch das Festspiel-Funktionsgebäude war ein SPD-Antrag, den wir auf die Reise geschickt haben. Das ist genau dieses gestalterische Element, das ich eben meinte. Natürlich waren da auch noch viele andere dran beteiligt, das bestreite ich doch gar nicht. Aber die Initialzündung kam von mir und der SPD. Bei beiden Themen braucht man übrigens auch funktionierende Kontakte nach Berlin, dieses Netzwerk bringe ich mit.

Frau Hofmann hatte angekündigt, sie wolle im Falle ihrer Wahl einen hauptamtlichen büroleitenden Beamten einsetzen. Würden Sie das auch tun?

Die Notwendigkeit eines hauptamtlichen Verwaltungsleiters habe ich in vielen Reden immer wieder betont. In Bad Hersfeld haben wir jetzt viele Jahre Stillstand erlebt. Das liegt auch daran, weil viele Prozesse auf der Spitzenebene nicht so gelaufen sind, wie sie sollten. Die Kollegin Hofmann ist Teil dieser Spitzenebene gewesen. Das ist dringend reformbedürftig. Dafür braucht es jemand von außen, der das mit wachem und unpolitischen Blick betreibt. Ich würde dafür aber definitiv niemand aus der bestehenden Verwaltung vorschlagen.

Nennen Sie uns bitte noch mal schlagwortartig Ihre wichtigsten Ziele als Bürgermeister?

Es muss ein Ruck durch die Stadt gehen. Das ist das Wichtigste. Ganz konkret will ich einen Teilbereich des Marktplatzes rund um die Feuerstelle zu einer Begegnungsstelle mit Feierabendmarkt umgestalten. Das steigert die Attraktivität des Innenstadt-Entrées. Als Bürgermeister möchte ich der Energiekrise mit einem Energiequartier auf dem Wever-Gelände begegnen. Die Kollegen aus Rotenburg gehen einen ähnlichen Weg. Wir müssen energiepolitisch autark werden um auch die Preise beeinflussen zu können und die Bürger einzubinden. Und ich will die Infrastruktur wieder auf Vordermann bringen: Straßen, Verbindungswege, Sauberkeit. Außerdem will ich moderne Büroarbeitsflächen einrichten, um den Leerstand zu minimieren. Am allerwichtigsten ist aber eine neue Form der Kommunikation: Man muss offen auf die Menschen zugehen und nicht in jeder Idee, Probleme sehen. Ich will vielmehr Dinge möglich machen.

Die SPD-Fraktion ist zwar die stärkste Kraft im Stadtparlament, aber allein werden Sie diese Ziele nicht umsetzen können. Glauben Sie, nach der Bürgermeisterwahl wieder an die gute fraktionsübergreifende Arbeit anknüpfen zu können, obwohl Ihre bisherigen politischen Verbündeten von CDU und Grünen zumindest teilweise Frau Hofmann unterstützen?

Ziel muss es sein, schnell Mehrheiten zu bilden. Und das geht nun mal mit weniger Partnern besser als mit vielen. Mit der CDU habe ich immer schon vertrauensvoll zusammengearbeitet, und ich gehe davon aus, dass wir uns auch wieder schnell finden werden, weil wir einfach große inhaltliche Schnittmengen haben. Bei den Grünen unterstützt tatsächlich die Fraktionsvorsitzende, anders als ihre Partei, meine Mitbewerberin, doch damit müssen die Grünen umgehen. Nach der letzten Kommunalwahl ging von mir die Initiative aus, dieses Mehrheitsbündnis zu bilden. Ich bin mir sehr sicher, dass das auch nach der Bürgermeisterwahl wieder gelingen wird.

Angenommen Sie werden gewählt: Wie sieht Bad Hersfeld dann am Ende Ihrer ersten Amtszeit in sechs Jahren aus?

Die Bürgerinnen und Bürger werden dann sagen: In unserer Stadt ist etwas passiert. Wir haben jemand, der die relevanten Probleme mit uns gemeinsam erkannt, angepackt und auch etwas bewegt hat. Und auch im Zusammenspiel mit den anderen Städten wird die Kreisstadt aus einer Position der Stärke heraus den Landkreis befruchten und nicht ständig hinter dem fahrenden Zug hinterherschauen. Das wünsche ich mir!

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