Bad Hersfelder Festspiele

Zwischen Bühne und Kinderzimmer - Schauspielerin Nell Pietrzyk lebt ihre Teenagerrolle

Nell Pietrzyk klettert fürs Foto auf einen Baum.
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Sie würde auch als Indiana Jones eine gute Figur machen: Nell Pietrzyk klettert fürs Foto auf einen Baum.

Schauspielerin Nell Pietrzyk spielt bei den Bad Hersfelder Festspielen im „Club der toten Dichter“ eine der wenigen Frauenrollen.

Bad Hersfeld – Eine Rolle als weiblicher Indiana Jones würde Nell Pietrzyk reizen. Vielleicht fühlt sie sich deshalb auch in der Stiftsruine so wohl. „Ich habe keinen Bammel vor der großen Bühne. Da kann man sich austoben und wie Indiana Jones alle Ecken entdecken“, erzählt sie lachend. Im  Club der toten Dichter“ spielt die junge Schauspielerin allerdings eine etwas bravere Rolle.

Sie ist Chris Noel, die große Liebe von Knox Overstreet (Simon Stache), die ihn sogar dazu inspiriert, Gedichte zu schreiben. Dabei ist Chris eigentlich mit Footballstar Chat Danburry liiert.

Nell Pietrzyk spielt eine der wenigen Frauenrollen in dem Stück voller Jungen. Obwohl Nell Pietrzyk mit Mitte 30 natürlich eine erwachsene Frau ist, geht sie in ihrer Mädchen-Rolle in Bad Hersfeld ganz auf. „Es ist, als würde ich den Teenager nicht nur spielen, sondern auch leben“, erzählt sie schmunzelnd. Denn sie wohnt im Haus der Eltern ihres Schauspieler-Kollegen Simon Stache in Asbach.

„Ich wohne im Kinderzimmer von Simons Bruder, und wir fühlen uns inzwischen wie Bruder und Schwester.“ Mutter Stache schmiert ihren „Schauspieler-Kindern“ sogar Stullen und malt ihnen kleine Herzen auf die Lunchpakete. „Die Eltern sind so lieb, sie sagen ‘Schatzilein’ zu mir und behandeln mich wie ihr eigenes Kind. Sogar der Familienhund mag mich“, erzählt die junge Schauspielerin sichtlich berührt von so viel Gastfreundschaft.

Nell Pietrzyk ist in Sachsen geboren und in Thüringen aufgewachsen. Als 14-Jährige kam sie ihrem „Indiana-Jones-Traum“ schon einmal sehr nahe. Die ganze Familie ist mit Sack und Pack nach Ägypten ausgewandert. Doch das ägyptische Abenteuer währte nicht lang und die Familie kehrte nach Deutschland zurück.

Trotzdem erinnert sich Nell Pietrzyk intensiv an ihre Zeit im Land der Pyramiden. „Ich war damals sehr rebellisch und habe immer meinen Mund aufgemacht.“ Was nicht immer gut ankam in dieser männlich dominierten Gesellschaft. „Aber ich mag es nicht, wenn man mir hinterherpfeift wie einem Hund.“

Auch sonst geht Nell Pietrzyk selbstbewusst ihren Weg. Schon früh arbeitet sie als Model, läuft auf der Berlin Fashion-Week. „Aber diese Welt hat mich nie gereizt, sie ist mir zu oberflächlich.“ Deshalb studiert Nell Pietrzyk Malerei und geht mit einem DAAD-Stipendium nach St. Petersburg in Russland, wo sie an der Universität auch Schauspielkurse belegt. Inzwischen malt sie nicht mehr, dafür hat sie den Gesang für sich entdeckt und mag jede Form der Darstellenden Kunst. Trotzdem würde Nell Pietrzyk nicht jede Rolle annehmen. „Ich spiele nicht alles, sondern schaue genau hin“, erzählt sie. Joern Hinkels Inszenierung vom „Club der toten Dichter sei sehr pur, sehr drehbuchtreu. „Es geht darum, seine Stimme zu finden, sich treu zu bleiben.“ Obwohl sie als Frau nur eine Nebenrolle in der Männerwelt des Elite-Internats spielt, „versuche ich, mich von innen zu betrachten und immer mehr zu finden in dieser kleinen Figur“. Über das sehr junge Ensemble gerät Nell Pietrzyk regelrecht ins Schwärmen. „Ich mag die Jungs so gern.“

Obwohl sie im normalen Leben nur wenige Schauspieler als Freunde hat, ist das Verhältnis zu den anderen Darstellern ein Besonderes. „Dieses Ensemble will so viel und ist trotzdem so geerdet. Gemeinsam wurde um das Stück gerungen. „Manchmal ging bei mir der Mund nicht auf, weil anfangs die Leichtigkeit fehlte“, erzählt sie. Aber Joern Hinkel half ihr, die Unsicherheit zu besiegen. „Bei ihm hat man so ein warmes Gefühl.“

Nach der Zeit in Bad Hersfeld steht zunächst Synchron-Arbeit auf dem Programm der jungen Schauspielerin. Außerdem eine polnische Theaterproduktion und ein Casting für eine Filmhauptrolle. Nell Pietrzyk hat viele Pläne und würde auch gern wieder nach Bad Hersfeld kommen – schließlich hat sie hier ja Familienanschluss.

Und lachend fügt sie hinzu: „Wenn es als Schauspielerin gar nicht flutscht, dann arbeite ich eben mit Affen und lebe das Indiana-Jones-Leben.“ (Kai A. Struthoff)

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