Neue Probleme und neue Pläne

Zwischen den Zeilen: Abschied, Hoffnung und Holz-Gangster

Kai A. Struthoff
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Kai A. Struthoff

In unserer Wochenkolumne „Zwischen den Zeilen“ schreibt Kai A. Struthoff über den Abschied der kaufmännischen Leiterin der Festspiele, Hoffnung für Lolls-Freunde und dreiste Diebe.

Bad Hersfeld - Sie war die Graue Eminenz der Bad Hersfelder Festspiele oder auch der gute Geist der Stiftsruine: Denn Andrea Jung hat als kaufmännische Leiterin dafür gesorgt, dass auch in den schwierigen Corona-Zeiten Festspiele – oder eben der „Andere Sommer“ – stattfinden und bezahlt werden konnten. Jetzt hat sie gekündigt. Leider.

Für die Stadt und das Ruinentheater ein herber Verlust. Auch wenn offiziell alles nach einem normalen Jobwechsel aussieht, wird hinter vorgehaltener Hand gemunkelt, dass Andrea Jung die ständigen Einmischungen und Besserwissereien aus dem Rathaus und Teilen der Stadtpolitik leid war.

Der Tropfen, der das Fass womöglich zum Überlaufen gebracht hat, waren Gerüchte über angebliche Finanzlöcher bei den Festspielen, die kurz vor der Eröffnung die Runde machten. Alle Vorwürfe sollen aber längst entkräftet worden sein, hören wir. Vielmehr hat Andrea Jung mit ihren Finanzprognosen offenbar goldrichtig gelegen.

Von einer „finanziellen Punktlandung“ für 2021 ist die Rede. Fast ein Kunststück in diesen Zeiten. Bleibt uns nur, Andrea Jung alles Gute im neuen Job zu wünschen! Hier wird sie fehlen ...

Viel mehr als die Festspiele treibt die allermeisten Hersfelder allerdings immer noch die Absage des Lullusfests um. Ich finde es wenig hilfreich, wenn einige Empörte jetzt versuchen, die Festspiele gegen Lolls auszuspielen. Beide Veranstaltungen sind nicht vergleichbar, aber gleich wichtig für die Stadt, denn sie unterscheiden Bad Hersfeld von den anderen hübschen Fachwerkstädten in Hessen. Doch auch für die Lollsfans gibt es Hoffnung. Aus gut unterrichteten Kreisen hören wir, dass das (zu Unrecht gescholtene!) Lolls-Team mit Feuereifer dabei ist, einen „Anderen Herbst“ zu konzipieren.

So sollen vor allem die den Traditionalisten wichtigen historischen Komponenten erhalten bleiben. Für große und kleine Kinder soll ein „Kastanienfeuer“ (merke: nicht Lollsfeuer) brennen, an einen historischen Markt, einen verkaufsoffenen Sonntag und eine Art Erntedankfest ist offenbar auch gedacht. Sogar ein Riesenrad soll sich drehen, und zwar im Schilde-Park. Das erinnert an den erfolgreichen Hessen-Tag und wäre nicht nur für uns im HZ-Haus im Wortsinn sicher „das Größte“. Ich bin gespannt, ob alles so kommt, wie man hört. Das Weinfest Ende August könnte zu einer Art Testlauf werden ...

Unterdessen plagen den Magistrat neue Geldsorgen. Die Kosten für das Stadtarchiv und die Stadtsanierung des Quartiers rund um den Herkules-Markt laufen weiter aus dem Ruder. Deshalb will am Montag der Magistrat gemeinsam mit dem Haupt- und Finanzausschuss beraten, was zu tun ist. Eine Idee ist offenbar, das Bauvorhaben auf mehrere Etappen zu strecken.

Geldbeschaffung auf andere Art betreiben dreiste Diebe im Wald. Sie rücken dazu mit schwerstem Gerät an. Private Holzwaldbesitzer aus Asbach standen am vergangenen Wochenende jedenfalls fassungslos vor einem abgeräumten Ablageplatz für Baumstämme im Bereich der Burgruine Milnrode und der Autobahnbrücke im Asbachtal. Auf langes Maß geschnitten waren die Stämme von Holz-Gangstern aufgeladen und abtransportiert worden. Der Wertverlust beträgt etwa 5000 Euro. Augenscheinlich sind so viele Holzfahrzeuge in unseren Wäldern unterwegs, die kranke und abgestorbene Stämme nach Trockenschäden und Käferbefall bearbeiten und bewegen, dass sich finstere Gestalten frech alles trauen. (Kai A. Struthoff)

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