Wochenendkolumne

Zwischen den Zeilen: Attacke auf den „Anderen Oktober“

Kai A. Struthoff
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Kai A. Struthoff

Natürlich um das Lullusfest, aber auch ums Klinikum, die Bahntrasse und einen neuen Leerstand geht es in der aktuellen Wochenendkolumne von Kai A. Struthoff.

Mit Wehmut wird wohl so mancher „eingeborene Herschfeller“ daran denken, was man in einem normalen Jahr an diesem Wochenende tun würde: Voller Vorfreude durch die noch stillen Budenstraßen vom Lollsmarkt streifen, dem Schaustellergottesdienst am Autoskooter lauschen, danach mit Fackeln durch die Stadt zur Stiftsruine ziehen und dabei schon mal das eine oder andere Lollsfeuer verkosten.

Auch wenn das Lullusfest abgesagt ist – das meiste davon kann man ja trotzdem tun. Ein Schausteller-Gottesdienst findet statt. Anstelle der Budenstraßen gibt es den Mittelaltermarkt. Einige Karussells drehen sich, es sind Schausteller da. Und ein Feuer wird auch brennen, um die Kastanien loszuwerden. Ich weiß: Hier in Waldhessen ist das Glas eher halb leer und selten halb voll. Aber mal ehrlich: Es hätte doch schlimmer kommen können. Deshalb verstehe ich auch nicht, warum schon wieder einige über ein zu kleines Riesenrad und eine mickrige Feuergrube meckern. Leute, Leute, geht’s noch?

Wann das Fierche entzündet wird, ist übrigens nach wie vor ein gut gehütetes Geheimnis. Die Stadt will Menschenansammlungen vermeiden. Ohnehin soll mit verstärkter Präsenz der Ordnungskräfte dafür gesorgt werden, dass es vor allem am Montag in der Stadt nicht übertrieben wird. Dass Bürgermeister Thomas Fehling allerdings so ganz auf seine traditionelle Rede, die oft ja auch eine Generalabrechnung war, verzichten wird, glaube ich nicht. Fehling kommuniziert ja gern via Facebook. Warten wir also ab, was so zu hören sein wird.

Keine Rücksicht auf den Lollsmontag nimmt der neue Landrat Torsten Warnecke, der just an diesem Tag zu einer Infoveranstaltung für alle Kreistagsmitglieder und Bürgermeister zum Thema Klinikum eingeladen hat. Er löst damit sein Wahlkampfversprechen für mehr Transparenz ein. Ob freilich die strukturellen Probleme unseres Gesundheitswesens und der Kreiskliniken zu lösen sind, wenn noch mehr Leute über komplexe Fachfragen diskutieren, wage ich zu bezweifeln. Die Presse ist übrigens nicht eingeladen. Wir werden Sie, liebe Leserinnen und Leser, aber trotzdem auf den neuesten Stand der Dinge bringen. Erfreuliche Nachrichten werden das wohl nicht sein. Vermutlich braucht der eine oder andere Teilnehmer der sicher langen Veranstaltung danach ein Lullusfeuer ...

Ansonsten hat die Woche gut und schlechte Nachrichten gebracht: Die jüngsten Entscheidungen des Bahnforums lassen hoffen, dass die Intercity-Züge auch künftig in der Kreisstadt halten werden. Wie attraktiv diese Stadt bis dahin noch sein wird, sei dahin gestellt. Die Schließung von Adler in der Breitenstraße reißt jedenfalls eine mächtige Lücke in die ohnehin durch Leerstand gebeutelte Innenstadt. Im Mode-Centrum Sauer beobachtet man diese Entwicklung mit Sorge, denn Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft. Hoffen wir alle, dass wenigstens Sauer die schwere Corona-Zeit gut übersteht. Dabei können wir alle etwas helfen. Sonst würde es hier wirklich düster.

Gut läuft übrigens der Testbetrieb im neuen Druck- und Logistikzentrum Plureos des Buchgroßhändlers Libri. Rund 1000 Paperback-Exemplare werden dort bereits täglich im Print- on-demand-Verfahren gedruckt. Zum Weihnachtsgeschäft soll der reguläre Betrieb starten. Ein weiterer Grund, warum das Glas hier eigentlich eher halb voll ist. Machen wir das Beste aus diesem „Anderen Oktober“. Attacke!

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