1. Startseite
  2. Lokales
  3. Rotenburg / Bebra
  4. Bad Hersfeld

Zwischen den Zeilen: Bauprojekte, Vorbehalte und Lichtblicke

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Kai A. Struthoff
Kai A. Struthoff © Ludger Konopka

Um die Probleme mit städtischen Bauprojekten und die Suche nach einem Schuldigen, Fluch und Segen als Logistikstandort und zwei gute Nachrichten geht es in Kai A. Struthoffs Kolumne.

Bei den städtischen Bauprojekten ist Sand im Getriebe. Das Festspielfunktionsgebäude, das Wever-Projekt, das Stadtarchiv – vieles läuft hier nicht rund. Darüber kann auch der plötzliche Lichtblick einer möglichen Unterbringung des Archivs im ehemaligen Herkules-Einkaufsmarkt nicht hinwegtäuschen – obwohl das eine interessante und vor allem offenbar sehr viel preiswertere Option wäre.

Bürgermeister Thomas Fehling sucht die Schuld für den Stillstand nicht bei sich, sondern bei anderen: Er hat sich auf den Leiter des Fachbereichs Technische Verwaltung * eingeschossen und wiederholt personelle Konsequenzen gefordert. So einfach will es sich der Magistrat aber nicht machen, denn dort weiß man genau, dass eben dieser Fachbereich seit Jahren chronisch unterbesetzt ist, weshalb dort gerade die hoch komplizierten mit Architektenwettbewerben und Fördergeldern verbundenen Großprojekte kaum zu wuppen sind. Eine öffentliche Abstrafung einzelner macht der Magistrat nicht mit. Fest steht aber wohl auch, dass ein neuer Bürgermeister oder eine Bürgermeisterin in diesem zentralen Bereich für die Stadtentwicklung einiges neu ordnen muss. Denn Stadtentwicklung haben sich schließlich alle drei Kandidaten auf die Fahnen geschrieben.

Zur Stadtentwicklung gehört auch die Ansiedlung neuer Unternehmen, die Schaffung von Arbeitsplätzen und Steuereinnahmequellen. Insofern war in Bad Hersfeld genauso wie in Ludwigsau die Freude groß, dass die Pfenning-Logistik-Group hier im großen Stil einsteigt und gewaltige, aber offenbar auch top-moderne Logistikhallen baut. Wie so oft liegen Freud und Leid dicht beieinander, denn natürlich bringen großen Hallen auch Umweltbelastungen und viel Verkehr mit sich. Angesichts der weltweiten Lieferengpässe, der politischen Unsicherheiten und der Energiekrise wird überall die Lagerhaltung neu überdacht – gerade für so wichtige Produkte wie Lebensmittel oder Medikamente. Daraus erklärt sich, dass die Pfenning-Group gleich drei große Logistikzentren – neben Bad Hersfeld und Ludwigsau auch noch in Bebra – errichten will. Die zentrale Lage der Region ist Segen und Fluch zugleich. Ich habe den Eindruck, dass Pfenning wirklich versucht, so umweltverträglich wie möglich zu bauen. Trotzdem gibt es Versorgungssicherheit, Arbeitsplätze und Steuergeld nicht zum Nulltarif.

Das gilt übrigens auch für die Energieversorgung, denn wenn wir unabhängiger vom russischen Gas werden wollen, müssen auch bei uns neue Windräder und Fotovoltaikanlagen entstehen. Auch hier sind Proteste vorprogrammiert. Umso wichtiger ist es, frühzeitig den Dialog zu suchen und Kompromisse zu finden. „Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass“ wird jedenfalls auch hier nicht funktionieren.

Trotz düsterer Zeiten gibt es auch Lichtblicke. So hören wir, dass vermutlich schon bald ein neuer Hautarzt in Bad Hersfeld eine Praxis eröffnen wird und die Versorgungslücke schließt.

Gute Nachrichten gibt es auch von den Festspielen. Das Medienecho auf die Premieren war bundesweit phänomenal und überwiegend positiv. Hoffen wir, dass sich das auch auf den Kartenverkauf auswirkt, denn die coronabedingte (und diesmal sicher auch inflationsbedingte) Zurückhaltung der Zuschauer ist noch deutlich spürbar.

Immerhin ist die Versorgung der Ruinenbesucher gesichert. Dank unzähliger Helfer von Vereinen und Institutionen hat das Catering unter Leitung des Profi-Teams gut geklappt. Der Erste Stadtrat Gunter Grimm hat es nicht versäumt, allen Helfern und Engagierten auf das Herzlichste zu danken. Dem können wir uns nur anschließen. Der Festspiel-Besuch macht Mut in düsteren Zeiten. Wir sehen uns an der Ruine ...

* Geändert 14.35 Uhr: In einer früheren Fassung hieß es irrtümlich „Technische Dienste“. Wir haben den Schreibfehler korrigiert und bitte um Entschuldigung.

Auch interessant

Kommentare