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Zwischen den Zeilen: Ein Projekt, ein Rückzug und ein Urteil

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Von: Nadine Meier-Maaz

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Nadine Meier-Maaz
Nadine Meier-Maaz © Eisenberg, Jan-Christoph

Über die Zukunft der Zuse-Scheune, Leerstand in der Innenstadt und ein Gerichtsverfahren schreibt Redakteurin Nadine Meier-Maaz in der Kolumne „Zwischen den Zeilen“.

Etwas zu tun scheint sich inzwischen an der Zuse-Scheune, zumindest sieht es für Vorbeilaufende oder -fahrende so aus. Mit der geplanten Sanierung und dem Umbau zum „Haus im Haus“ ist zwar noch nicht begonnen worden, wie uns Jens Trieschmann von der Mittelhessischen Bauhütte als neuer Eigentümer berichtet.

Man sei aber mit gewissen Vorbereitungen beschäftigt und warte nur noch auf die Baugenehmigung, die hoffentlich in Kürze eintreffe. Auch hinter den Kulissen tut sich also etwas und hoffentlich dann auch bald am Objekt …

Die Gesellschafter der Mittelhessischen Bauhütte hatten im November ihre Sanierungspläne für das historisch bedeutsame Gebäude vorgestellt, das als Wiege des Computers gilt und in den Jahren zuvor zum Schandfleck und Zankapfel geworden war.

Die Außenhülle soll erhalten bleiben, im Inneren sind 13 Module in Holzbauweise vorgesehen für unterschiedliche Nutzung. Auch wir sind gespannt, wie das genau funktioniert und was aus dem aktuell wenig ansehnlichen Gebäude wird.

Weiteres Geschäft schließt in der Innenstadt

Über Leerstände in der Bad Hersfelder Innenstadt ist in jüngster Vergangenheit schon so einiges geschrieben und viel diskutiert worden. Ansätze und Ideen, um dem Problem entgegenzuwirken, und leere Ladenlokale bis zur hoffentlichen Neuvermietung alternativ nutzen zu können, gibt es. Unterdessen kündigt jedoch mit Orsay nun ein weiterer Filialist seinen Rückzug an.

Die Filiale in bester Fußgängerzonen-Lage an der Klausstraße schließt in Kürze. Das „verraten“ nicht zu übersehende Plakate und das bestätigte uns auch ein Sprecher der Günstig-Modekette. Nur über das genaue Datum der Schließung wird aus strategischen Gründen ein Geheimnis gemacht.

Eröffnet worden war die Filiale im Oktober 2006, von dem Aus aus wirtschaftlichen Gründen sind nun zwei Mitarbeiterinnen betroffen, heißt es. Orsay befinde sich in einer betrieblichen Sanierung und habe auch im Rahmen der Corona-Pandemie gelitten.

79 Filialen würden nun in einem ersten Schritt geschlossen, so der Sprecher. Rund 600 Stores gibt es in Europa, knapp 200 davon in Deutschland. Bleibt zu hoffen, dass für das Ladenlokal schnell ein Nachfolger gefunden wird, um eine weitere Lücke auf der mittags und samstags durchaus gut besuchten Flaniermeile noch verhindern zu können.

Angeklagter wirft Polizei und Justiz Willkür vor

Oft geht es in den Verhandlungen des Straf- oder Schöffengerichts am Amtsgericht Bad Hersfeld um Drogen, Körperverletzung oder Betrug. In dieser Woche wurde ein Mann aus Bebra wegen Volksverhetzung verurteilt, und wenn es nach dem Richter geht, wird der einschlägig Vorbestrafte diesmal ins Gefängnis wandern.

Der Bebraner selbst sieht sich als Opfer von Willkür durch Justiz und Polizei und hat noch im Gerichtssaal Rechtsmittel gegen das Urteil – acht Monate Freiheitsstrafe – angekündigt. Schon mehrfach ist der auch psychisch auffällige Mann laut Akten mit üblen und in diesen Hetzer-Kreisen „typischen“ Ausdrücken gegenüber Juden wie Abschaum, Bodensatz, Verbrecher, Kindermörder und mehr aufgefallen.

Das ist nicht nur strafbar, sondern auch erschreckend, denn es sind die gleichen Worte, wie sie auch der Attentäter von Hanau benutzt haben soll, bevor er 2020 aus rassistischen Motiven neun Menschen erschoss, und bei dem ebenfalls Wahnvorstellungen und rechtsextreme Ideologien zusammentrafen.

Darauf wies in seiner Aussage vor Gericht der als Zeuge geladene Autor hin, unter dessen Artikeln der Verurteilte seine Hasskommentare gepostet haben soll. Da kann einem schon mulmig werden.

(Nadine Meier-Maaz)

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