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Zwischen den Zeilen: Freundschaften, Lampenfieber und die Apsis

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Kai A. Struthoff steht neben einer Skulptur von Paddington Bär.
Kai A. Struthoff trifft Paddington Bär.jpg © Kai A. Struthoff

In unserer heutigen Wochenend-Kolumne geht es um Städtepartnerschaften und die Vorbereitungen auf die Festspiele.

Bad Hersfeld - Mit jeder aufrichtigen Freundschaft festigen wir Fundamente, auf denen der Friede in der ganzen Welt ruht.“ Dieser Ausspruch von Mahatma Gandhi ist das Leitmotiv der internationalen Austauschorganisation Servas, die Gastfamilien in aller Welt vermittelt. Als Student habe ich dank Servas bei vielen Gastgebern unterschiedlichster Herkunft, Glaubens und sozialer Schichten gewohnt.

Aber Gandhis Worte könnten auch der Leitspruch für Städtepartnerschaften sein. Wie Recht der weise Gandhi mit seinen Worten hat, durfte ich gerade wieder bei unseren Freunden in Malmesbury erleben, (wo ich auch den berühmten Reisenden Paddington Bär getroffen habe). Nach dem Brexit und den schweren Corona-Monaten war es schön, mal wieder über den Tellerrand zu schauen und mit eigenen Augen zu sehen, wie es unseren Freunden in England ergangen ist.

Überall im Kreis gibt es solche Städtepartnerschaften. Eine Delegation aus Ludwigsau war gerade im französischen Changé, Heringen besucht bald die Freunde in Polen. Doch andere Partnerschaften dümpeln leider dahin und hängen nur an einigen wenigen, immer älter werdenden Aktiven. Unsere Welt ist im Aufruhr, umso wichtiger ist es, in diesen kriegerischen Zeiten enger zusammenzurücken und Vorurteile und Unwissen durch „Welt-Anschauung“ zu bekämpfen.

Leider sind Städtepartnerschaften und Austauschprogramme mit Gastfamilien offenbar nicht mehr so attraktiv wie früher. In einer Zeit, in der man mit Billigfliegern die Welt erkunden kann, erscheinen Reisen mit Übernachtung auf der Klappcouch und Radebrechen am Frühstückstisch vielen wohl nicht mehr ganz zeitgemäß. Ich finde das schade, denn keine Pauschalreise kann diesen Eindruck aus erster Hand vermitteln, und kein politisches Abkommen kann echte Freundschaft zwischen den Menschen aus unterschiedlichen Ländern ersetzen.

Ich würde mir wünschen, dass unsere Freundschaftsvereine vor allem von jungen Leuten (wieder)-belebt werden. Feuerwehren, Chöre, Sportvereine – die Welt steht Euch offen.

In der Stiftsruine wird derweil fleißig geprobt – oder: probiert, wie die Profis sagen. Und in der Tat wird gemeinsam vieles noch (aus)probiert, um dem Publikum ab der Premiere das bestmögliche Ergebnis präsentieren zu können. Nicht genutzt wird allerdings auch in diesem Jahr die Apsis der besonderen Openair-Spielstätte. Denn diese bleibt auch auf Wunsch der Denkmalpflege frei und offen, damit das historische Gemäuer „atmen“ kann, nachdem ihm in den vergangenen Jahren offenbar Feuchtigkeit und Moos zugesetzt haben. So hat es Intendant Joern Hinkel jetzt einigen Unterstützern der Bad Hersfelder Festspiele erklärt. Die Bühne endet also vor der Apsis. Das ist einerseits schade, zählten die Auftritte aus deren Tiefe bei vielen Zuschauern zu den Höhepunkten eines Stücks. Andererseits gilt es, die Spielstätte, die eben keine wie jede andere ist, bestmöglich zu schützen. Ob die Apsis nun aber für immer und ewig tabu bleibt oder sich künftig eine Lösung findet, um diesen Teil der Ruine trotz Bühne besser zu belüften, bleibt vorerst offen.

Ohnehin ist bei unseren Festspielen in diesem Jahr immer noch einiges anders: Zwar hoffen wir alle auf einen möglichst normalen Theatersommer. Aber die düsteren Schatten einer neuen Corona-Welle, des Krieges in der Ukraine und der galoppierenden Inflation drücken vielen aufs Gemüt. Und auch aufs Portemonnaie. In diesen Zeiten müssen viele noch genauer als sonst aufs Geld schauen und sparen – womöglich auch an Theaterkarten. Daran sollten auch alle denken, die jetzt schon wie gebannt auf die Vorverkaufszahlen starren und Vergleiche mit „Vor-Corona-Spielzeiten“ anstellen.

Alles wird teurer – die Karten für die große HZ-Festspielmatinee aber nicht. Für 5 Euro können auch Sie am kommenden Sonntag, 26. Juni, ab 11.30 Uhr in der Stiftsruine dabei sein. Bei mir steigt deshalb so langsam das Festspiel-Fieber – oder ist es eher Lampenfieber? Denn auch für uns Moderatoren – HZ-Geschäftsführer Markus Pfromm und mich – ist das immer wieder eine spannende Sache voller Überraschungen. Bis zuletzt wissen auch wir nicht so genau, wer bei der Matinee mit uns auf der Bühne stehen wird. Lassen wir uns also gemeinsam überraschen. Wir sehen uns in der Stiftsruine! (Kai A. Struthoff)

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