Wochenendkolumne

Zwischen den Zeilen: Neue Jobs, ahle Wurst und Wehmut

Kai A. Struthoff
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Kai A. Struthoff

Nach der Wahl ist vor der Wahl, weiß Redaktionsleiter Kai A. Struthoff, der mit dem alten und dem neuen Landrat gesprochen hat

Noch-Landrat Dr. Michael Koch wird am Montag im Kreistag verabschiedet. Hersfeld-Rotenburg wird er aber auch in seinem neuen Job verbunden bleiben. Koch wird einer von zwei Geschäftsführern beim Hessischen Landkreistag und damit zu einem der wichtigsten Interessenvertreter und Berater der Landkreise. Besonders freut ihn, dass auch die SPD-Landräte in Hessen seine Wahl begrüßen und unterstützen – ein Beweis dafür, dass sich Koch, etwa durch sein Wirken bei Breitband Nordhessen, Respekt und Vertrauen über Kreisgrenzen hinweg erworben hat.

Als ich Michael Koch in dieser Woche zum ersten Mal nach seiner bitteren Wahlniederlage traf, wirkte er entspannt und mit sich im Reinen. Er plant seinen Umzug nach Wiesbaden, doch an den Wochenenden wird man ihn sicher des Öftern in Bad Hersfeld sehen.

Um einen anderen Job wird weiter gerätselt. Obwohl sich mit Rotenburgs Bürgermeister Christian Grunwald (CDU) und Oberamtsrat Michael Ernst aus dem Heringen Rathaus zwei fachkompetente und gut vernetzte Kandidaten für das Amt des Ersten Kreisbeigeordneten ins Spiel gebracht haben, scheint die SPD dem Vernehmen nach offenbar lieber nach einem eigenen Kandidaten mit dem richtigen „Stallgeruch“ zu suchen.

Der designierte neue Landrat Torsten Warnecke, der am Montag eingeführt wird, zeigte sich mir gegenüber ziemlich verwundert über das Vorpreschen von Grunwald und Ernst. Noch sei die Stelle ja gar nicht ausgeschrieben. Das soll am Montag in der Kreistagssitzung eingetütet werden.

Unterdessen ist der CDU-Bundestagskandidat Wilhelm Gebhard, derzeit Bürgermeister in Wanfried, fleißig in Hersfeld-Rotenburg unterwegs, um sich bekannt zu machen. So hat er sich über die Festspiele informiert und in Richelsdorf Hilfe für die Eigentümer der mit Arsen belasteten Grundstücke gefordert. Sogar CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet wurde von Gebhard „gestärkt“ – mit einer Ahlen Wurst aus der Region. Das passt, denn für Gebhardt und die anderen Kandidaten, die sich gegen Michael Roth behaupten wollen, geht es ja tatsächlich „um die Wurst“. Dabei wird sich Wilhelm Gebhard vielleicht ein wenig ärgern: Der derzeitige Landrat Stefan Reuß hat überraschend angekündigt, sein Amt aufzugeben. Im Werra-Meißner-Kreis ist es ein offenes Geheimnis, dass Gebhard insgeheim immer davon geträumt hat, Landrat zu werden. Schlechtes Timing.

Etwas pikiert hat man seitens der Stadt Bad Hersfeld auf unsere Anmerkung, dass nun wenigstens die Schlaglöcher digital gut ausgeleuchtet würden, reagiert. Die Umstellung auf LED-Technologie bei der Straßenbeleuchtung bringe Energieeinsparungen von 50 bis 70 Prozent, sei also betriebswirtschaftlich angezeigt und rechne sich fast von selbst, teilt Pressesprecher Meik Ebert mit. 220 000 Euro pro Jahr investiere die Stadt hierfür seit 2014. Dazu kämen jetzt 571 000 Euro an „frischem Geld“, das von weiteren Projektpartnern nach Bad Hersfeld fließe in Form von Investitionen und Entwicklungsdienstleistungen für die Straßenbeleuchtung. Die Straßen werden davon freilich noch nicht besser. Nur stolpert man vielleicht nicht mehr so oft, wenn es heller ist.

Mit seinem umjubelten Premierenstück „Club der toten Dichter“ verbindet Intendant Joern Hinkel auch Kritik am veralteten und wenig flexiblen Bildungssystem. Das kommt in Lehrerkreisen nicht überall gut an, wie wir hören. Macht nix, denn so hat Joern Hinkel ein wichtiges Ziel von gutem Theater erreicht: Er hat eine Diskussion ausgelöst, die hoffentlich zumindest in Bad Hersfeld geführt wird. Als Vater könnte ich dazu auch einiges sagen ... Wie heißt es doch: Wer Anstöße geben will, muss auch Anstoß erregen.

In diesen Tagen denke ich ganz besonders oft an unseren viel zu früh verstorbenen Kollegen Karl Schönholtz – unseren Festspiel-Redakteur. Normalerweise hätte ich zusammen mit „Kalli“ bei den Fotoproben in der Stiftsruine gesessen, erste Eindrücke über die Festspielstücke ausgetauscht und dabei von seiner langen Erfahrung profitiert. Er fehlt – vor allem in Hersfelds schönster Zeit des Jahres. Ich hoffe, er hat einen Logenplatz und freut sich in anderen Sphären, dass in der Stiftsruine endlich wieder Theater gespielt wird. (Kai A. Struthoff)

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