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Zwischen den Zeilen: (Keinen) Applaus verdient

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Von: Nadine Meier-Maaz

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Nadine Meier-Maaz
Nadine Meier-Maaz © Eisenberg, Jan-Christoph

Über die Pläne für die Wiederbelebung des Ratskellers, das Wein- und Jazzfest sowie Zoff im Ostkreis geht es in der aktuellen Wochenkolumne Zwischen den Zeilen.

Nicht nur Applaus bekommen hat der Bad Hersfelder Bürgermeisterkandidat Karsten Vollmar (SPD) kürzlich für seinen öffentlichkeitswirksamen Vorstoß, den seit Jahren leer stehenden Ratskeller neu zu beleben – und zwar als Ersatz für den todgeweihten Grebe-Keller als Ort für Theater, Kunst und Kultur. Zum Einen ist der Leerstand leider nicht neu, zum Anderen hat die Lokalität am Rathaus unter anderem das gleiche Problem wie der Gewölbekeller am Linggplatz:Es fehlt ein zweiter Fluchtweg. Vollmar will die Reaktivierung sowie den Brandschutz jedenfalls prüfen lassen und hatte auch schon die Bereitschaft eines Bauherrn verkündet, einen zweiten Rettungsweg Richtung oberer Rathausplatz zu errichten.

Ganz abgeneigt ist man bei der Stadt offenbar nicht. Dort bemüht man sich laut Sprecher Meik Ebert nämlich aktuell um eine Aufnahme ins Förderprogramm Zukunft Innenstadt, dessen zweite Auflage speziell für die Aufwertung von Räumlichkeiten gedacht sei – und mit dem Fördergeld könnte man dann auch ein zweites Problem lösen, das der Ratskeller hat, wie Ebert sagt: Die nicht vorhandene Barrierefreiheit. Denn auch wenn der Ratskeller aus Sicht der Stadt nicht (mehr) für normale Gastronomie geeignet ist, für Kleinkunst sei er durchaus vorstellbar. Allein würden jedoch weder die Haushalts- noch die Fördermittel ausreichen. Eine Entscheidung über den Antrag könnte im Juli fallen.

Darüber hinaus hofft die Stadt auf Fördergeld für zwei weitere Vorhaben im Sinne der Innenstadtentwicklung: Eine „Hersfeld-Box“, hinter der sich ein sechs mal zwei Meter großer Container verbirgt, der auch optisch etwas hermachen soll und zum Beispiel als Abendkasse für die Festspiele, als Infocenter oder für Messeauftritte genutzt werden könnte. Die dritte Idee ist, aus einem leer stehenden Gebäude ein Kunstaktionshaus zu machen.

Ein voller Erfolg war das Swing-&-Wine-Festival in Bad Hersfeld. Die Menschen strömten in Scharen und genossen die abwechslungsreiche Musik, die feinen Tröpfchen, das leckere Essen und die Tatsache, wieder gemeinsam feiern zu können. Zum Erfolg hat sicher auch die stimmungsvolle Umgebung im Stiftsbezirk beigetragen. Das Weinfest dorthin zu verlagern und mit dem Live-Jazz zu kombinieren war eine gute Idee. Wobei in der allgemeinen Feierei und Plauderei die Musik im Stift schon ein wenig unterging. Wer zuhören wollte, musste sich vor die Bühne stellen. Auf dem Linggplatz dagegen stand die Musik deutlich mehr im Mittelpunkt. Doch wie immer bei solchen Festen gehört auch ein wenig Geduld beim Anstehen dazu. Und wie immer gibt es Leute, die sich für zu wichtig halten, um ein wenig zu warten – dabei sind ja auch wichtige und viel beschäftigte Menschen bei solchen Anlässen privat unterwegs. Da jedoch alle anderen entspannt waren, wurden dreiste Vordrängeleien von Stadtpolitikern und Wirtschaftsgrößen achselzuckend toleriert.

Ein wenig verwundert waren allerdings viele Besucher, die den Festbesuch mit einem Einkaufsbummel verbinden wollten. Die Stadt war voll, viele Geschäfte aber am späteren Nachmittag geschlossen. Das hätte man anders und flexibler regeln können. Flexibel, weil aus Gummi, sind zumindest die Kulturbändchen, die die Stadt seit letztem Jahr anbietet und mit denen man das Kulturangebot unterstützen kann. Die Bändchen für 2022 waren irgendwo auf dem Postweg hängen geblieben. Also zeigten sich die Veranstalter ebenfalls flexibel und verkauften die von 2021, die später umgetauscht werden können. Wie auch immer, es war ein wunderschönes Fest.

Die Kommunen im Ost-Kreis arbeiten schon seit geraumer Zeit in mehreren Bereichen eng zusammen. Hinter den Kulissen rumort es derzeit allerdings gewaltig. In der jüngsten Gemeindevertretersitzung in Friedewald ist quasi im Nebensatz verkündet worden, dass sich die Dreienberg-Gemeinde aus den Plänen für ein interkommunales Gewerbegebiet mit Heringen, Philippsthal und Hohenroda verabschiedet hat und geplante Neuansiedlungen östlich des bestehenden Gewerbegebiets allein umsetzen möchte. Den Rathauschefs der anderen drei Kommunen ist das so sauer aufgestoßen, dass sie ihrem Unmut zunächst öffentlichkeitswirksam Luft machen wollten.

Letztendlich haben sich die Beteiligten aber doch dafür entschieden, noch einmal das Gespräch zu suchen, um eventuell am Verhandlungstisch noch eine gemeinsame Lösung zu finden. (Nadine Meier-Maaz)

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