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Zwischen den Zeilen: Lichtblicke in finsteren Zeiten

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Kai A. Struthoff
HZ-Redakteur Kai A. Struthoff © Ludger Konopka

Um ein leer stehendes Gebäude, Ärger und Häme in Sachen Kunstrasen, verschwundene Vögel und die Festspiel-Matinee geht es in der aktuellen Kolumne von Kai A. Struthoff.

Seit dem Umzug von Teilen der Stadtverwaltung ins frühere Telekom-Haus an der Breitenstraße, steht das Technische Rathaus an der Landecker Straße leer und wartet auf neue Bewohner. Nun gibt es offenbar einen heißen Interessenten für die Immobilie: Ein hiesiger Arzt möchte mit seiner großen Praxis dort einziehen. Doch offenbar geht es im Rathaus damit nicht so recht voran, hören wir aus gut unterrichteten Kreisen.

Der Arzt scheint deshalb so langsam die Geduld zu verlieren, zumal er wohl aus benachbarten Städten regelrecht umworben wird, seine Praxis dorthin zu verlegen. In einer Zeit, in der überall Ärzte fehlen, sollte man meinen, dass derartige Anfragen mit höchster Priorität behandelt werden.

Man mag es ja für einen Sturm im Wasserglas halten: Aber die Verärgerung um die „heimliche“ Eröffnung des Kunstrasenplatzes an der Oberau hat jetzt sogar den Magistrat beschäftigt. Wenn wir uns an die teils hitzige Debatte um das Für und Wider dieses Hessentagsprojekts erinnern, kann ich schon verstehen, dass die Befürworter des Projekts gern dabei gewesen wären, als die ersten Bälle rollten. Das soll immerhin nachgeholt werden. Die zum Teil hämischen Kommentare bei Facebook & Co. haben die Stadtverordneten jedenfalls nicht verdient. Es ist doch verständlich, dass sie die Früchte der oft genug sauren ehrenamtlichen Tätigkeit auch genießen wollen.

Wir leben in finsteren Zeiten“, hatte Festspiel-Intendant Joern Hinkel beim Probenbeginn Bertolt Brecht zitiert. Und in der Tat: Der Blick auf täglichen Nachrichten macht keinen Spaß. Dazu scheint eine Beobachtung des Stadtführers Michael Adam zu passen, der festgestellt haben will, dass der Falke, die Raben und die Dohlen vom Turm der Stadtkirche verschwunden sind. Das erinnert an die uralte Legende von den Kolkraben, die im englischen Tower leben. Wenn sie eines Tages verschwunden sind, gehe auch die Monarchie zugrunde, heißt es. Entsprechend besorgt habe ich bei Stadtkirchenpfarrer Frank Nico Jaeger nachgefragt, der ja „einen guten Draht nach oben“ hat. Der Turmfalke sei immer mal wieder da, man habe sogar Nistkästen aufgestellt, beruhigt Jaeger. „Solange die Tauben uns gewogen sind, bin ich ganz zuversichtlich, was die Kirche angeht“, sagt Jaeger. Er meint, dass wohl eher die Nilgänse andere Vögel vertreiben. Übrigens nicht nur Vögel, wie Spaziergänger etwa an den Nordschulteilen leidvoll erfahren mussten. Und das ist keine Legende ...

Während viele Väter (und auch solche, die es erst werden wollen) den Himmelfahrtstag mit Bollerwagen und Bier verbracht haben, saß auch ich den ganzen Tag in der – für einen Feiertag leider erstaunlich schwach besuchten – Festspielkantine. Aber nicht, um Bier zu trinken, sondern um Schauspieler zu interviewen: Anouschka Renzi, Richy Müller, Cathrine Sophie Dumont und Robert Nickisch – Esmeralda und Quasimodo – sowie Intendant Joern Hinkel haben mir viele neugierige Fragen zur neuen Spielzeit beantwortet. Darüber werden Sie bald in der HZ lesen können.

Außerdem sollten alle Festspielfans schon mal einen Termin vormerken: Am Sonntag, 26. Juni, gibt es nach der coronabedingten Zwangspause ENDLICH! wieder eine HZ-Festspielmatinee in der Stiftsruine. Hinter den Kulissen feilt das Team um Joern Hinkel schon am Programm, das allerdings wie immer erst kurz vorher feststehen wird. HZ-Geschäftsführer Markus Pfromm und ich sind als Moderatoren genauso gespannt, wie Sie es sein dürfen. Freuen wir uns gemeinsam auf einen hoffentlich möglichst normalen Festspielsommer. (Kai A. Struthoff)

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