Wochenendkolumne

Zwischen den Zeilen: Themen, die spalten und Kritik auslösen

Nadine Maaz, Redakteurin der Hersfelder Zeitung
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Nadine Maaz, Redakteurin der Hersfelder Zeitung

Um Umfragen und Gutscheine in der Smart City Bad Hersfeld, um eine umstrittene Entscheidung und einen wütenden Leser geht es in unserer heutigen Kolumne „Zwischen den Zeilen“.

Bad Hersfeld - Rund 300 Bad Hersfelder haben sich in den vergangenen Wochen online an der Smart-City-Umfrage des in München lebenden Studenten Florian Schöner beteiligt, die Teil seiner Masterarbeit im Fachbereich Wirtschaftsinformatik ist. Für Verwunderung hat dabei jedoch ausgerechnet die Verlosung von Amazon-Gutscheinen gesorgt. Zwar gehört Amazon freilich zu den größten Arbeitgebern im Landkreis und das Unternehmen spendet regelmäßig für große und kleine Projekte in der Region.

Verständlich ist die Kritik aber erst mal. Schließlich ächzt der lokale Handel nicht erst seit den Corona-Zwangspausen, und das Thema Leerstände in der City schwelt seit Langem. Warum also nicht lieber mit Hersfeld-Gutscheine locken? Initiator Schöner erklärt die Verlosung mit ganz praktischen Gründen: Da er mit Blick auf den Datenschutz keine Adressen abfragen wollte, habe er auf digitale Gutscheine zurückgreifen müssen – und da die Hersfeld-Gutscheine nur postalisch verschickt werden könnten, seien diese folglich nicht in Frage gekommen. Bezahlt habe er die Gutscheine übrigens aus der eigenen Tasche.

Vielleicht ein Anreiz für die „Macher“, die Hersfeld-Gutscheine, die inzwischen auch online bestellt werden können, künftig ganz ohne Papier einlösen zu können?

Kritik ebenso wie freudige Zustimmung gab es diese Woche zudem für eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts Kassel, das einem Antrag der ISB Projekt GmbH zugestimmt und damit grünes Licht für den Abriss der Zuse-Scheune gegeben hat, in der Pionier Konrad Zuse einst den ersten Computer entwickelte. Der Streit um Abriss oder Erhalt (wie beim Erwerb des Geländes für den Neubau einer Wohnanlage vereinbart) der direkt an der B 327 gelegenen Scheune zwischen Stadt und Investor dauert schon seit Jahren an. Während sich die einen nun freuen, dass der „Schandfleck“ hoffentlich möglichst bald entfernt wird, wittern andere bewusstes Verzögern und Aussitzen bis zum jetzigen Zustand; zumal der Investor sich bereits an anderer Stelle in Sachen Denkmalschutz äußerst unbeliebt gemacht hat. Wie auch immer diese Geschichte demnächst ausgeht, ein Geschmäckle wird bleiben.

In zwei Lager spaltet die Menschen ebenso und spürbar zunehmend die wohl von niemandem gewünschte Corona-Pandemie. Bei der großen Demo in Kassel waren auch Leute aus Hersfeld-Rotenburg unterwegs. Diese fühlen sich von den Medien im Allgemeinen, aber auch von unserer Zeitung im Speziellen in die rechte Ecke gestellt und als Nazis verunglimpft. Gleichzeitig zeigt sich ein Leser schockiert ob der Berichterstattung über die Festspiele, die mit Hygienekonzept stattfinden sollen. „Leugnen Sie Corona?“, fragt er und wirft uns eine unkritische Auseinandersetzung mit dem Theaterfestival vor.

Fest steht: Recht machen können und wollen wir es selten jedem. Denn wie heißt es so schön: Zwischen allen Stühlen sitzen kritische Journalisten am allerbesten. (Nadine Maaz)

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