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Zwischen den Zeilen: Vom Vorteil des Impfens und der Transparenz

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Von: Christine Zacharias

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Christine Zacharias, Autor
Christine Zacharias © Nadine Meier-Maaz

Um die Pocken-Impfung, wie sie 1872 vom Hersfelder Bürgermeister empfohlen wurde, Transparenz in der Kommunalpolitik und einen Runden Tisch geht es in der Kolumne von Christine Zacharias.

Die Diskussion um die Impfpflicht wird zurzeit heftig geführt. Bietet die Impfung gegen das Coronavirus tatsächlich den erhofften Schutz vor Infektionen, schützt sie nur vor schweren Verläufen oder ist sie der Omikron-Variante völlig egal? Ständig gibt es neue Informationen, die oft genug auch bedeuten, dass man die eigene Meinung noch einmal überdenken muss.

Neu ist die Impf-Debatte allerdings nicht. Michael Adam – Stadtführer, Vorsitzender des Förderkreises Museum und historisch sehr interessiert – hat uns jetzt ein Dokument aus dem Jahr 1872 zur Verfügung gestellt. Damals ging es um die Pocken, die während des deutsch-französischen Krieges massiv ausgebrochen waren. „Es ist mannigfach bewiesene Tatsache, dass die Revaccination mindestens auf mehrere Jahre die ungleich größere Zahl vor dem Befallenwerden von Blattern schützt und dass der Verlauf dieser Krankheit bei Vaccinierten der Regel nach ein milder ist“, heißt es in einer amtlichen Bekanntmachung des damaligen Hersfelder Bürgermeisters Kempf im „Intelligenz- und Anzeigenblatt“ vom 2. Oktober 1872. Kempf empfiehlt nicht nur eine einfache Impfung, sondern eine Wiederimpfung, „um eines dauerhaften Schutzes sicher zu sein.“ Tatsächlich ist es bei den Pocken, umgangssprachlich Blattern, gelungen, die gefährliche Krankheit mithilfe der Impfung auszurotten.

Bürgermeister Klaus Wagner aus Oberaula tut es, Bad Hersfelds Bürgermeister Thomas Fehling ebenfalls und auch einige andere: Sie informieren die jeweiligen Parlamente darüber, was mit den Fraktionsanträgen im Laufe der Jahre passiert ist. Manches wurde gleich erledigt, manches ließ sich nicht erledigen und dann gibt es Punkte, die seit Jahren auf Erledigung warten. Dieses Vorgehen sorgt für Transparenz, verhindert Frust, ermöglicht eine Bilanz der politischen Arbeit der Fraktionen und bietet die Möglichkeit, gezielt nachzuhaken oder Anträge an inzwischen veränderte Gegebenheiten anzupassen und sie gegebenenfalls neu zu stellen. Da stellt sich nur die Frage: Warum tun so viele Bürgermeister es nicht? In Oberaula hat das Parlament vor Jahren einen entsprechenden Beschluss gefasst. Vielleicht finden ja auch andere Parlamente die Idee gut.

Eine positive Nachricht erreichte uns in dieser Woche aus dem Landratsamt. Nach zwei Jahren Pause hat sich nun der Runde Tisch gegen häusliche Gewalt wieder getroffen. Dass dieses Gremium nötig ist, ist zwar keine gute Nachricht, wohl aber die Tatsache, dass Menschen aus ganz verschiedenen Organisationen und Gremien hier zusammenarbeiten, um den Betroffenen zu helfen und um Strategien zu entwickeln, wie der Gewalt möglicherweise vorgebeugt werden kann. Lange überfällig ist auch ein Konzept, wie die bereits im Jahr 2011 beschlossene und in Deutschland 2018 ratifizierte Istanbul-Konvention, ein „Übereinkommen des Europarats zu Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häusliche Gewalt“, auf lokaler Ebene umgesetzt werden kann. Noch immer nicht geklärt ist allerdings die Frage, wer Frauenbeauftragte im Kreis wird.

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