Wochenendkolumne

Zwischen den Zeilen: Erinnern, erhalten und verwalten

Kai A. Struthoff
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Kai A. Struthoff

Um Zwangsarbeit in Hersfelder Betrieben, die Pläne für die Zuse-Scheune, politischen Knatsch und die Zukunft geht es in der aktuellen Wochenendkolumne von Kai A. Struthoff.

Das größte Privileg am Beruf des Journalisten ist für mich, dass wir täglich dazulernen dürfen – über Politik, Wirtschaft, Kultur, Geschichte und vor allem über Menschen. So war es für mich hochinteressant, aber auch bedrückend, im Ausschuss für Bildung und Kultur den Vortrag des Heimathistorikers Ernst-Wolfram Schmidt über das dunkle Kapitel der Zwangsarbeit im Zweiten Weltkrieg bei der Benno-Schilde AG und anderen Hersfelder Industriebetrieben zu hören.

Gewiss, das liegt fast 80 Jahre zurück, trotzdem ist es erstaunlich, dass darüber kaum jemand etwas weiß – oder wissen will? Umso wichtiger ist es, daran zu erinnern, auch wenn Gedenktafeln Unrecht natürlich nicht ungeschehen machen können. Aber sie können uns alle wach und wachsam machen, dass so etwas nie wieder geschehen darf. Gerade im Monat November gibt es viele, traurige Anlässe um zu Erinnern. Verwundert hat mich, dass sich CDU und FDP bei dem Antrag der Linken für eine Gedenktafel enthalten haben. Beide Parteien stehen ja nicht im Verdacht der Geschichtsvergessenheit. Man mag über die Linke denken, wie man will: Dieser Antrag sollte eine breite Mehrheit im Stadtparlament finden.

Immer wieder bitten uns Leser nachzufragen, wie es um wichtige Projekte steht, weil sie selbst von der Stadt keine Auskunft erhalten. So wollte jetzt ein Hersfelder wissen, was denn nun mit der Zuse-Scheune wird? Wir haben lieber beim Investor, dem Architekten Björn Trieschmann, nachgefragt, der bester Laune war: Die Pläne für den Umbau sind fertig, die Finanzierung steht, der Bauantrag soll zeitnah eingereicht werden. Am Konzept hat er einiges geändert und – wie ich finde – sehr interessante Ideen. Diese will er aber zuerst demnächst Bürgermeister Fehling vorstellen, bevor er damit an die Öffentlichkeit geht. Das ist nur verständlich, deshalb verraten wir nur so viel: Sie dürfen gespannt sein, wir berichten.

In Heringen, Friedewald, Hauneck und Bad Hersfeld stehen im nächsten Jahr Bürgermeisterwahlen an. Hinter den Kulissen läuft die Suche nach Kandidaten, die wohl gar nicht so einfach ist. In Bad Hersfeld hatte Bürgermeister Fehling schon angekündigt, nicht mehr antreten zu wollen. Das schützt ihn aber nicht vor Kritik.

So hat es dem Vernehmen nach mächtig geknallt im Magistrat, wegen Fehlings vorschneller Ankündigung, der Weihnachtsmarkt werde in diesem Jahr im Stiftspark stattfinden, was vor allem die Einzelhändler in der Innenstadt nicht lustig fanden. Nun wissen wir, dass wie gewohnt auf dem Linggplatz gefeiert wird, es soll aber wohl doch auch Veranstaltungen im Stiftspark geben und der Übergang dorthin wird entsprechend gestaltet.

Nicht nur Bürgermeister werden gesucht, sondern auch ein Nachfolger für die kaufmännische Leitung der Festspiele, nachdem Andrea Jung gekündigt hat. Offenbar gibt es bereits einen vielversprechenden Kandidaten aus dem süddeutschen Raum, ansonsten wird, verständlicherweise bei Personalien, strenges Stillschweigen bewahrt. Bis der Nachfolger gefunden ist, führt Bürgermeister Fehling kommissarisch die Festspielgeschäfte.

Auf Kreisebene droht unterdessen Ungemach: Landrat Torsten Warnecke plant eine Anhebung der Kreisumlage um ein knappes Prozent. Das klingt nicht wie viel, aber in den Rathäusern wird heftig gerechnet. Ein Bürgermeister sagte mir, er komme vermutlich nicht an einer Erhöhung der Grundsteuer vorbei. Tja, irgendwo muss das Geld herkommen.

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