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Vorfreude auf kommende Genüsse

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Von: Christine Zacharias

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Christine Zacharias
Christine Zacharias, Autorin © Nadine Meier-Maaz

In unserer Wochenkolumne blickt Christine Zacharias weit zurück, sie hat aber auch einen Wunsch für die Zukunft.

Nur noch wenige Tage, dann erklingt die Fanfare wieder und ruft die Theaterfreunde in die Stiftsruine. So war es auch vor 71 Jahren bei den ersten Bad Hersfelder Festspielen. Fünf Tage lang wurde das „Salzburger Große Welttheater“ in der altehrwürdigen Stiftsruine gezeigt, bekannte Schauspieler wie Attila Hörbiger, Lil Dagover, Franziska Kinz und Hannsgeorg Laubenthal standen auf der Bühne.

Eine Sonderseite der Hersfelder Zeitung kündigte das Großereignis an. Eine alte Hersfelderin und offensichtlich Freundin der Festspiele hat diese Seite über all die Jahre aufgehoben und sie nun einer Bekannten geschenkt, die das Zeitdokument an unsere Zeitung weiterreichte. Natürlich haben wir die alten Bände auch im Archiv, aber so eine echte, vergilbte und an den Rändern ein wenig eingerissene Originalseite ist schon etwas Besonderes.

„Niemand, keine Verwaltung, kein Bürger unserer Stadt, darf sich dem Gedanken entziehen, daß gerade diese Festspiele in der Stiftsruine eine große und einmalige Gelegenheit sind, Bad Hersfeld weit über die Grenzen des engeren Heimatbezirkes hinaus bekannt zu machen und sie in vieler Munde zu bringen“, formulierte der Autor die Hoffnung auf eine überregionale Bedeutung der Festspiele. Er zitiert eine der Hauptdarstellerinnen, die erschüttert gewesen sei, dass sie noch nicht gehört hatte von dem, was die Stadt da auf die Beine stellen wollte und fragte: „Ja, macht Ihr denn gar keine Propaganda für Euch?“ Das war damals wohl versäumt worden. Auch heute noch gibt es Stimmen, die der Meinung sind, dass die Stadt bei der Werbung für ihre Festspiele durchaus noch etwas mehr Gas geben könnte.

Andere Festspielstädte wie Bayreuth oder Salzburg lebten fast von ihrem Ruf als Festspielstadt, warum also sollte nicht auch Bad Hersfeld mit dem einzigartigen Aufführungsort Stiftsruine zu einem „Wallfahrtsort der Kunst“ werden, fragt der Autor und fordert die Bad Hersfelder auf, alle gemeinsam zum Träger dieser Festspielidee zu werden. „Schmücken wir die Stadt für unsere Gäste und sagen ein freudiges Ja zu den Festspielen“, fordert der Autor seine Mitbürger auf.

Auch da ist durchaus noch Luft nach oben, auch wenn die Hersfelder grundsätzlich sehr verbunden mit ihren Festspielen sind.

Das Theatererlebnis mit kulinarischem Genuss zu verbinden – auch das schätzen viele Festspielbesucher. Da ist es eine gute Nachricht, dass sich Spitzenköche aus der ganzen Region zusammengetan haben, um die Gäste zu bewirten. Das hat ja schon mehrfach bei der Benefizveranstaltung zugunsten der Bad Hersfelder Tafel gut funktioniert. Mit dem „Stern“ und dem „l’étable“ taucht Bad Hersfeld auch in den Gourmetführern auf. Vor einigen Tagen erschien der neue Gault Millau, der sein Bewertungssystem umgestellt hat und jetzt keine Punkte wie Schulnoten mehr vergibt. Stattdessen gib es bis zu fünf Kochmützen in rot oder schwarz, wobei rot besser ist als schwarz. Das „l’étable“ ist unter den besten Restaurants in Hessen mit zwei schwarzen Mützen erwähnt.

Drei schwarze Mützen gibt es für das „Philipp Soldan“ in Frankenberg, zwei rote Hauben für „Christian&Friends Tastekitchen“ in Fulda und das „La Vellée Verte“ in Herleshausen. „Björns Ox“ in Dermbach im benachbarten Thüringen erhält zwei schwarze Hauben.

Schön wäre es, wenn auch die anderen Gastronomen in Bad Hersfeld, die teilweise sei Jahren mit unveränderten (inhaltlich, nicht auf die Preise bezogen) Speisekarten aufwarten, ein wenig mehr Ehrgeiz entwickeln würden. (Christine Zacharias)

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