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Zwischen den Zeilen: Zahlenspiele, eine Regisseurin und ein Urteil

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Kai A. Struthoff
Kai A. Struthoff © LUDGER KONOPKA

In unserer Wochenendkolumne „Zwischen den Zeilen“ geht es diesmal um die Finanzen, die Festspiele und eine Gerichtsverhandlung.

Bad Hersfeld. Die Kämmerer in den Städten und Gemeinden unseres Kreises basteln in diesen Tagen und Wochen an den Haushalten für das kommende Jahr. Keine leichte Aufgabe, denn es ist eine Rechnung mit vielen Unbekannten. In Bad Hersfeld ist der Haushalt zwar wohl vorschriftsmäßig ausgeglichen, aber „große Sprünge sind nicht drin“, sagte mir die neue Bürgermeisterin Anke Hofmann dieser Tage. Noch-Bürgermeister Fehling wird das Zahlenwerk am 17. November vorstellen.

Spannend wird bei den Haushaltsberatungen Anfang Dezember sein, wie viel Luft trotz aller Zwänge noch für Zukunftsprojekte bleiben wird. Die SPD dürfte wohl darauf dringen, dass nicht alle Ideen ihres unterlegenen Kandidaten Karsten Vollmar beerdigt werden. Ohnehin muss sich das Stadtparlament nach der Wahl neu finden. Bei den Grünen und bei der CDU hat der Wahlkampf Narben hinterlassen. Ob sich die Stadtverordneten wohl wieder zusammenraufen?

Mit bangem Blick schauen die Bürgermeister auch auf den Kreishaushalt, den Landrat Torsten Warnecke am 14. November einbringen will. Rotenburgs Bürgermeister Christian Grunwald sprach in seiner Haushaltsrede von einem zweistelligen Millionenminus im Kreis und nannte dies „historisch negativ“. Nun, angesichts der vielen außerordentlichen Belastungen – nehmen wir nur das Klinikum – verwundert das eigentlich nicht. Aber wie ist dieses Loch zu schließen? Grunwald und andere Bürgermeister befürchten eine Anhebung der Kreis- und Schulumlage, die dann wiederum die Haushalte der meisten Städte und Gemeinden zur Makulatur werden ließen.

Der neue Spielplan der Bad Hersfelder Festspiele ist bis zur offiziellen Pressekonferenz ein wohlgehütetes Geheimnis, das in diesem Jahr am 18. November gelüftet werden soll. Diesmal wird allerdings schon in der Einladung verraten, dass die „gefeierten Theater-Regisseurin Tina Lanik“ bei der Pressekonferenz dabei ist und in der Ruine inszenieren wird. Festspielfreunde erinnern sich: Lanik sollte schon 2020 nach Bad Hersfeld kommen und Ödön von Horváths „Italienische Nacht“ auf die Bühne bringen. Damals mussten die Festspiele aber wegen Corona abgesagt werden.

Ob Tina Lanik, die bereits an renommierten Theatern wie dem Burgtheater in Wien, dem Residenztheater in München oder dem Staatsschauspiel Stuttgart von Brecht bis Verdi Bühnenstücke, aber auch Opern inszeniert hat, nun erneut die „Italienische Nacht“ aufgreift, werden wir am 18. November erfahren. Der von vielen gewünschte Klassiker wäre das Stück von 1931 allemal. Und es passt in die Zeit: „Es geht gegen die Masse der Politisierenden“, sagte einst von Horváth selbst über sein Stück.

Außerdem versprechen die Festspiele: „Auch das neue Musical wird begeistern!“ Lassen wir uns also überraschen.

Zuletzt noch etwas in eigener Sache: Ich war in der vergangenen Woche in Frankfurt vor Gericht. Als Zeuge habe ich gegen einen Mann ausgesagt, der nicht nur mir, sondern auch mehreren HZ-Kollegen, Kirchen- und Schülervertretern, Politikern und Prominenten immer wieder beleidigende Schmähbriefe geschickt hat. Mich hatte er unter anderem als „anti-deutschen Schmierfink“ bezeichnet, weil ich in einem Kommentar menschenverachtende Äußerungen des örtlichen AfD-Landtagsabgeordneten im Kreistag zur Seenotrettung im Mittelmeer scharf kritisiert hatte. Mit anderen missliebigen Autoren war der Angeklagte allerdings noch unflätiger umgesprungen.

Als Journalist halte ich Kritik aus, denn ich kritisiere ja auch selbst. Allerdings finde ich, dass wir uns auch nicht alles gefallen lassen müssen. Der Ton macht die Musik. Die Verrohung der öffentlichen Diskussion, den Hass und die Hetze in den sogenannten sozialen Medien darf man nicht einfach so hinnehmen – vor allem dann nicht, wenn sich einige der Beschimpfen selbst nicht wehren können.

Der Angeklagte – übrigens ein pensionierter Lehrer, der einst in Bad Hersfeld sein Abitur gemacht hatte und bereits mehrfach wegen seiner Briefschreiberei vor Gericht stand – wurde nun erneut wegen Beleidigung zu 40 Tagessätzen á 75 Euro verurteilt.

Wer nicht hören will, ...

Von Kai A. Struthoff

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